Heute hat mich Jim (siehe Artikel von gestern) angerufen. Er möchte sich Star Trek in Seoul noch einmal anschauen. Nochmal im Megabox aber Abends, da er gehört hat, dass der Film abends in einem größeren Kinosaal gezeigt wird, ich soll ihm die Karten besorgen, da er seine Geschäftspartner nicht noch einmal belästigen möchte. Ich habe nachgefragt, denn normalerweise hat man bei Besuchen in Korea ja volles Programm. Während man z.B. versucht, in Deutschland ausländischen Delegationen auch mal Ruhe zu geben (Delegationen aus vielen asiatischen Ländern empfinden dies dann oft als Vernachlässigung und sind beleidigt), kümmern sich nach meiner Erfahrung die Geschäftspartner in Korea und auch in China 24/7 um ihre Besucher.

Es kam raus: Jim hat vor, Kopfschmerzen vorzutäuschen und sich abends mit mir zu treffen. Eigentlich stünde ein Abendessen auf dem Programm, aber das Geschäftliche würde am Nachmittag geregelt. Hier liegt Jim logischerweise falsch. Er sollte auf jeden Fall die Gelegenheit nutzen, seine Geschäftspartner näher kennenzulernen und eine persönliche Beziehung aufzubauen und natürlich gehören in den meisten asiatischen Ländern private Aktivitäten auch zum Business.

Außerdem glaube ich nicht, dass ein normaler Mensch auf den Gedanken kommen würde, ein Geschäftsessen mit westlichen Partnern abzusagen, Jim nimmt die Geschäftspartner in Korea wahrscheinlich einfach nicht ernst genug, ich frage mich oft, ob bei so einem Verhalten nicht doch einfach ein latent vorhandener, unterdrückter Rassismus vorliegt. Mit kulturellen Missverständnissen hat das auf jeden Fall nichts zu tun – oder Star Trek Fans ticken einfach anders.

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