Ich bekomme öfters mal Emails oder telefonische Anfragen von Firmen, die im Zusammenhang mit China einem Betrug aufgesessen sind. Meistens geht es darum, dass Betroffene versuchten, Warenkleidung, Kamerazubehör oder ähnliches online aus China zu einem Bruchteil des Marktpreises zu bestellen. Hier mal eine Zusammenfassung der üblichen Scams

  • Billige Markenware oder Elektronik: Über einen seriös aufgebauten Online Shop wird Markenware verkauft. Der Support ist professionell und geschieht per skype, Email oder telefonisch. Nach Bezahlung erfolgt keine Lieferung sondern es werden Nachzahlungen verlangt. Standardbegründungen: Lieferkosten sind gestiegen, die Ware wird vom Zoll zurückgehalten, das günstige Angebot ist “ausgelaufen” und man solle etwas nachzahlen.
    Lösung: Falls man per Western Union bezahlt hat, ist das Geld normalerweise futsch. Und bitte nicht bei mir beschweren, wenn ich den Betroffenen keine kostenlose Hilfe anbiete.
  • Domainregistrierung: Anbieter senden einem Unternehmen mit Internetseite die Nachricht, sie hätten eine Anfrage über die Registrierung einer cn-Domain oder ähnliches mit dem Markennamen oder Domainnamen des Unternehmens erhalten und müssten jetzt überprüfen, ob die Registrierung zulässig sei (Grund der Überprüfung: beliebig). Gleichzeitig wird dem Unternehmen die Registrierung der Domains zu Wucherpreisen angeboten.
    Lösung: Nachricht in den Spam-Ordner verschieben
  • Zahlungen oder Lieferungen weiterleiten: Es wird ein “Represantative” für ein bestimmtes Land gesucht. Der soll dann vor allem Zahlungen von “Kunden” entgegennehmen und diese Zahlungen dann weiterleiten. Das deutsche Konto des Repräsntanten, an welches die gutgläubige Kunden der chinesischen Firma überweisen, dient dazu, Vertrauen aufzubauen – das Geld wird ja an ein deutsches Konto überwiesen. Das Geld, welches vom Repräsentanten nach China weitergeleitet wird, ist dann futsch, Ware aus China wird nie geliefert. Alternativ bestellt der chinesische Betrüger Ware im Namen des “Repräsentanten”. Der Repräsentant leitet diese Ware weiter nach China und erhält Wochen später Rechnungen von deutschen Lieferanten.
  • Der Verkauf von akademischen Titeln. Solche Titel-Verkäufer gibt es auch “offline”, an Nebeneingängen an den meisten Eliteunis in China. Diese Titel sind natürlich wertlos, selbst wenn sie mit irgendwelchen Leistungen verbunden waren.
  • Online-Kontakte und Geschenke: Westliche Firmen werden kontaktiert und dann zu Verhandlungen nach China eingeladen. Dort werden dann teure Geschenke verlangt, da dies in China so üblich sei. Die Kosten für Hotels, Essen usw. werden natürlich auch von der westlichen Firma getragen. Es kommt aber nie zu einem Geschäftsabschluss, die chinesischen Geschäftspartner verschwinden dann.
  • Bestellungen und Zahlung per Scheck oder Kreditkarte: Ein chinesisches Unternehmen kontaktiert eine Deutsche Firma und bestellt Ware . Die wird dann mit gefälschten Schecks von unbeteiligten und scheinbar seriösen Drittfirmen bezahlt, die dem chinesischen Kunden angeblich noch Geld schulden. Die Schecks platzen dann, die Ware ist normalerweise futsch.

Mir ist kein Fall bekannt, in dem ein Betroffener sein Geld oder seine Ware zurückerhalten hat. Unter meist sehr nobel klingenden Adressen, die in den Webseiten, Emails oder Bestellungen angegeben sind, findet sich keine Firma. Über die Webseiten “Whois” Einträge an die Betreiber heranzukommen ist ebenfalls kaum möglich.

Grundsätzlich gilt bei allen Unternehmungen im Ausland – nicht nur in China: Geschäfte laufen nicht über Vertrauen sondern über Kontrolle.

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