Goldfisch sein, ist kein leichtes Leben. Vor allem nicht in China. Ich habe mir mal eine Rangfolge überlegt, wo ich als Goldfisch leben wollte. Von „erstens“ über „geht noch“ bis zu Nummer 5, der absoluten Goldfisch Hölle. 

1.)    Als Goldfisch in einem der zahlreichen Pekinger Parks. Das ist noch ein ganz passables Leben, einzig und allein vor den Ausflugsbooten und Tretbooten muss man sich in Acht nehmen. Aus eigener Erfahrung rate ich  auch zum Tuanjiehu Park – dort ist füttern erlaubt und die Goldfische mutieren zu dicken Karpfen.

2.)    Als Goldfisch im Longtanhu Park. Ebenfalls eine große Schwimmfläche, doch dank Sauerstoffmangels oder sonstiger Verschmutzungen schwammen ein Teil der Fische bereits mit dem Bauch nach oben. Wer als Goldfisch diesen Bereich des Sees jedoch meidet, hat ein gutes Leben.

3.)    Als Goldfisch in einem kleinen Aquarium in irgendeinem der zahllosen Bürotürme. Meist allein, in einem Miniglas, müssen sie ihre Runden ziehen.

4.)    Als Goldfisch in einem Restaurant – live darf man jeden Tag mit ansehen, wie andere Fischarten aus den kleinen Becken gefischt werden und 20 Minuten später wieder verzehrbereit angeliefert werden.

5.)    Als Goldfisch in einem Plastikschwimmbecken in einem der vielen Freizeitparks. Da die Chinesen Angeln im Gegensatz zum Europäer nicht als Ruhepool, sondern als kurzen Höhepunkt ansehen, muss auch der Fisch schnell beißen. Deshalb schwimmen in kleinen Becken ausgehungerte Goldfische ihre Runden. Der Großstädter hängt kurz seinen Haken rein, und was anbeißt, darf mitgenommen werden. Mit einer ungewissen Zukunft auf Schicksal 1 bis 4…

 
Leo.