Am Freitag war es nun soweit, die Olympischen Spiele haben begonnen. Da wir leider keine Karten f�r die Er�ffnungsveranstaltung hatten, haben wir mit einigen Freunden und vielen anderen Leuten verschiedener Nationen in einer Bar die olympische Er�ffnungsfeier angeschaut. Die vielen mitwirkenden Menschen waren schon der Wahnsinn, insbesondere beim spektakul�ren Anfang mit den 2008 Trommlern, die den Countdown dargestellt haben. F�r mich aber war der letzte Fackellauf in der Luft, kurz bevor das Olympische Feuer ganz entz�ndet wurde, das Beste. Eine Superidee, wie ich finde, den L�ufer von den Olympiabildern vergangener Zeiten einholen zu lassen.

Auch wenn die Er�ffnungsveranstaltung sehr traditionell dargestellt und folglich f�r uns Nichtchinesen nicht ganz verst�ndlich war (ich meine die geschichtlichen Hintergr�nde hinter jeden einzelnen Motiv), k�nnen die Chinesen zu Recht stolz auf ihre Er�ffnungsveranstaltung sein. Diesen unglaublichen Nationalstolz bekam man sp�testens beim Einmarsch der chinesischen Olympiamannschaft ins Stadium zu sp�ren. F�r die Chinesen in der Bar gab es nun kein halten mehr. Sie sprangen auf und begleiteten ihre Mannschaft unter lauten Zurufen �Zh?nggu� Ji?y�u� (was soviel hei�t wie: �China, gib Gas!�), euphorischen Klatschen und Jubel minutenlang durch das Olympiastadium. Als dann noch ein Kellner ein Mikrofon gefunden hatte und dort lauthals mitschrie, wurde mein Trommelfell schon stark beansprucht.

Ich bin wirklich froh, dass die Feier nahezu reibungslos und perfekt abgelaufen ist. Das war f�r die Chinesen wirklich wichtig, um ihr Gesicht vor der Welt�ffentlichkeit zu bewahren. Ich meine bei der schlechten Kritik (zu Recht oder zu Unrecht, das sei jetzt erstmal dahingestellt), die die Chinesen im Vorfeld einstecken mussten, m�chte ich mir gar nicht vorstellen, was passiert w�re, wenn die Er�ffnungsveranstaltung kein Erfolg geworden w�re.

Puuhhh�gerade f�r die vielen �kleinen� Leute ist es sehr wichtig, ihr Land und ihre Sportler der Welt zu pr�sentieren. Dabei sind sie so stolz, diese Olympiade auszurichten, selbst wenn sie selber keine Tickets haben und somit nur vor dem Fernseher mitfiebern k�nnen. Dass das Bild Chinas im Ausland teilweise so negativ ist, verstehen sie oft gar nicht, da sie von den schlechten Nachrichten �berhaupt nichts mitbekommen.

Beginnen wir heute mal mit dem allt�glichen Wahnsinn, 2 Tage vor Olympia, irgendwo in Beijing. Vor dem Haus der Firma, f�r die ich arbeite, gibt es einen grossen Parkplatz. Dieser ist umgeben von einer hohen Hecke. Eintritt zu diesem Platz hat man entweder �ber die offizielle Einfahrt neben dem Haupteingang zum Geb�ude, oder durch ein kleines, vergittertes Gartentor. Das Gartentor, welches nur Radlern und Fussg�ngern Durchgang erlaubt, f�hrt direkt auf den Haupteingang zu. Dieses wurde nun neulich, nach einer Vorank�ndigung des Hausmanagement, f�r die Zeit der olympischen Spiele bis zum 30.09.2008 verschlossen. Begr�ndung wie immer: Zur Gew�hrleistung der allgemeinen Sicherheit. Was damit genau gemeint ist, sagt einem keiner. Der einzige vorstellbare Grund ist jedoch, dass man nun durch die offizielle Einfahrt gehen muss, und so zwangsl�ufig von den W�chtern gesehen wird. Ob diesen jedoch dadurch Unbefugten den Zutritt verweigern, halte ich f�r fast unm�glich, denn unsere W�chter zeichnen sich durch eine beeindruckende Lethargie und Interessenlosigkeit aus. Aber gegebenenfalls sind ja noch Kameras aufgestellt. Die Kr�nung des Sicherheitswahns war aber heute die Tatsache, dass auch die Nebenausg�nge des Geb�udes verschlossen wurden. Um es anders zu formulieren: Die Jungs haben die Notausg�nge dicht gemacht. Da es sich um von innen nicht verschlie�bare T�ren handelt, da es ja Notausg�nge sind, hat das Management kurzerhand mit Fahrrad- und Vorh�ngeschl�ssern die Dinger verschlossen. Will hei�en, im Notfall, sagen wir mal Brand, gibt es nur noch die elektronisch gesteuerte Glast�r zum verlassen des Geb�udes. Da f�llt mir nur noch der alte Spruch ein: Mitgedacht und Spass gehabt.

Aber es gibt auch noch gute Nachrichten. Gestern startete eine neue Phase des Ticketverkaufes. W�hrend in den Vortagen schon Telefonnummern gehandelt wurden, auf denen Volleyballtickets f�r 150 US Dollar verkauft wurden (Er�ffnungsfeier angeblich das 40 fache), gibt es nun wieder offiziell Karten zu kaufen, zu den regul�ren Preis ab 5 US-Dollar. Interessant ist jedoch, dass diese immer wieder an andere Nationen verkauft werden. W�hrend am Tag 1 bei Cosport sich der Verkauf explizit an fast alle Nationen richtete (allerdings nicht an Chinesen), durften jetzt am Tag 2 nur noch Bulgaren, �sterreicher, Australier, Kanadier, US-Amerikaner sowie Bewohner der Slowakei Karten erweben. Umgeht man diese Vorgaben jedoch, darf man bei der Bestellung von Karten auch andere Nationen angeben. Lediglich die Schweizer haben Pech, diese sind im Auswahlformular vergessen worden, oder jemand r�cht sich f�r die Schwarzgeldkonten. Auf jeden Fall konnte der Schweizer Kollege nicht bestellen � und so sprang ich mit der Kreditkarte ein. Am Ende des Raubzuges hatte das gesamte B�ro 5 Leichtathletikarten, 6 x Handball, 8 x Hockey, 2 x Schwimmen und 2 x Volleyball ergattert. Die Spiele k�nnen also beginnen.

Liebe Gr��e Leo

Hallo ich bin Holly, ich lebe mit meinem Freund Leo schon seit �ber einem halben Jahr in Peking. In der n�chsten Zeit werden wir Euch einiges �ber unser Leben hier in China, besonders w�hrend der Olympiade, und unsere bisher gemachten Erfahrungen in Peking erz�hlen.

Momentan stehen die Olympischen Spiele kurz vor der T�r. Peking erstrahlt f�r mich nun in einem ganz neuen Licht. Der Schutt der unz�hligen Baustellen ist �ber Nacht verschwunden, stattdessen sind die U-Bahnstationen renoviert und auf Hochglanz geputzt, �berall wo man hinschaut zieren Blumenornamente und Olympiafahnen die Stra�en. Man kann sagen, Peking ertrinkt nahezu in einem Meer aus gr�nen Pflanzen, Blumen und Olympiafahnen. Das mit den versprochenen �Gr�nen Olympischen Spielen� scheinen die Chinesen wirklich geschafft zu haben. Allerdings m�chte ich allzu gern wissen, wieviel Liter Wasser Peking am Tag so zum Bew�ssern der Pflanzen braucht. Mir ist n�mlich noch nicht aufgefallen, dass es hier besonders viel regnet.

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