China Allgemein


Sind wohl die Sachen, die es in Shanghai nicht gibt, aber jeder Tourist haben will. Beim abendlichen Spaziergang durch die Einkaufsstra�e Nanjing Lu wurde ich 20-mal gefragt, ob ich nicht Rolex Uhren oder Luxustaschen erwerben will. Das mag so weit noch einleuchten, allerdings wurde ich auch regelm��ig gefragt, ob ich Interesse an Haschisch habe. Klar, ich habe nix besseres zu tun, als mir in China sch�n einen Joint reinzuziehen. Allein die Vorstellung, mich beim eventuellen Erwischen mit der lokalen Polizei auseinandersetzen zu m�ssen, reicht mir aus. Allerdings werde ich meinen Kleidungsstil noch mal �berdenken m�ssen, denn es kann kein Zufall sein, dass die nur mich angesprochen haben. Oder ob die jeden Touristen Drogen verkaufen?

Zu den gef�lschten Markenklamotten, Uhren und Taschen bleibt zu sagen: Anscheinend ist es wirklich so, dass anders wie z.B. in Beijing diese Dinge nicht offen verkauft werden. Da in Shanghai wohl doch mehr ausl�ndische Unternehmen sind, ist der Druck dort wohl etwas gr��er. Ein paar Freunde, die gerne ein paar Kopien gekauft h�tten, mussten sich erst mal etwas rumfragen, bevor sie in gro�e Lagerhallen au�erhalb der Stadt gefahren wurden. Dort gibt es dann aber auch wieder Luis Vuiton Taschen, Rolex und Omega Uhren sowie Kopien der schrecklichen Ed Hardy Shirts (in Deutschland angeblich 100 bis 160 Euro, hier 30 bis 50 Yuan).

Leo.

Unternehmer sein in China, eine eigene Firma zu haben, dass scheint hier f�r die meisten das Ziel zu sein. Beim Abendessen mit Yunkung stellt er uns u.a. seinen Freund Wang vor. Dieser ist erst knappe 30, arbeitet 12 bis 14 Stunden t�glich und hat 20 Mitarbeiter. Bewunderung, nicht Neid, kommt aus den M�ndern der anderen, wenn es um seine Firma geht. Und jeder hat eine eigene Idee, einen Businessplan oder ein paar Kontakte, mit denen in ein paar Monaten oder 1 bis 2 Jahren der Sprung in die Selbstst�ndigkeit gewagt werden soll. Der Himmel �ber Shanghai ist f�r die junge Elite noch voller Chancen… Risiken sehen sie nicht. Ich finde es toll und hoffe, mir Teile dieses Elans und Optimismus abzuschneiden.

Leo.

Als wir abends in das Auto steigen, und uns Yunkung und Wang durch Shanghai fahren, merkt man ihnen den Stolz an. Hier der Fernsehturm, dort der h�chste Turm Chinas, dazwischen gl�nzen Starbucks und die Logos multinationaler Konzerne. Magnetschwebebahn, Expo 2010, Bauboom. Die Stadt w�chst, man sp�rt den dauernden Umbruch �berall. Stillstand bedeutet hier noch mehr als anderswo R�ckschritt, die Konkurrenz ist riesig. Doch, f�r den Augenblick, genie�en wir die Musik im Auto und fahren durch eine Stadt, die wohl wie New York nun singen darf �I wanna wake up in a city that never sleeps, in Shanghai…

Leo.

Knapp 18 Monate habe ich meinen Studienfreund Yunkung nicht gesehen. Der Kontakt zwischendurch war eher sporadisch. Aber als wir ihm sagten, dass wir nach Shanghai kommen, teilte er uns mit, dass er sich um uns k�mmern wird. Und so kam es auch. Gastfreundschaft wird in China noch gro� geschrieben. Hotel organisieren, mit uns durch die Stadt laufen, auf unsere W�nsche eingehen, all unser Essen bezahlen, dauernd fragen, ob er noch mehr f�r uns tun kann… so etwas ist schon toll, aber es besch�mt mich auch.

Als wir uns das letzte Mal in Deutschland sahen, gab es nur Snacks am Schnellimbiss. Jeder zahlte seinen eigenen Teil. Und die Fussballkarte zahlte auch jeder f�r sich. Aber er hat es mir wohl nicht �bel genommen. Und n�chstes Mal in Deutschland wird es ganz, ganz anders…

Leo.

Diese Woche sind wir in Shanghai und Suzhou unterwegs. Shanghai ist mit vielen hohen und imposanten Geb�uden im Vergleich zu Peking sehr beeindruckend. Allerdings erscheint mir Shanghai gerade wie eine einzige riesige Baustelle. An allen Ecken wird gehackt, geh�mmert und gebohrt was das Zeug so hergibt. Shanghai bereitet sich gerade auf die Expo 2010 vor.

Hier in Shanghai habe ich von einem chinesischen Freund einen sehr interessanten Satz geh�rt, der mir nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Dieser ist allem Anschein nach sowohl wahr, als auch sehr zutreffend. Denkt mal dar�ber nach!

�Wer nicht versteht, warum die Chinesen gerne zum Karaoke gehen, der hat die Chinesen nicht verstanden!�

Im Ritan Park haben wir doch tats�chlich eine Minigolfanlage gefunden. Allerdings war sie sehr mit Laub bedeckt, teilweise waren die Bahnen kaputt, z.B. war der Belag nicht mehr eben. Umso �berraschter waren wir, als aus dem kleinen Haus jemand herauskam und uns f�r 30 Yuan je Person Schl�ger und Ball anbot. Obwohl es kalt war, spielten wir eifrig los. Allerdings war die Bahnenvielfalt eher gering, von 20 Bahnen waren ungef�hr 10 �hnliche dabei. Aber wir spielten einfach los und zogen bald auch neugierige Blicke auf uns. Minigolf ist wohl eher unbekannt, viele Chinesen kommentierten unser Treiben, blieben stehen und schauten zu. Selbstverst�ndlich waren bei dieser Beobachtung unsere Leistungen unterirdisch schlecht.

Am Ende angekommen, hatte ich 10 Punkte mehr als Holly und damit verloren. Im Fr�hjahr, wenn es w�rmer ist, und die Bahn hoffentlich gereinigt, fordere ich eine Revanche.

Leo.

Von unserem chinesischen Freund wurden wir heute zu ihm nach Hause zum Essen eingeladen. Er hat f�r uns gekocht. Es war sehr lecker, und da die K�che so klein war, konnten wir auch nicht helfen. Allerdings zeigte sich, dass die chinesischen Gerichte nicht daf�r geeignet sind, wenn man sie f�r andere kocht und auch selber mitessen will. Da er nur 2 Herdplatten hat, aber 4 verschiedene Gerichte gekocht hat, waren die ersten schon wieder kalt, als die letzten fertig waren. Anders als bei deutschen Essen kann man ein Gericht nicht so vor sich hin brutzeln oder kochen lassen, es muss st�ndig gewendet werden, nachgew�rzt, und im Wok hin und her geschwenkt werden. Und da es frisch auf den Tisch muss, wird auch warm halten nicht so gerne gesehen.

Dennoch konnte ich mir einiges abgucken, und ich habe mir fest vorgenommen, meine Lieblingsgerichte selber kochen zu k�nnen. Allerdings brauche ich vorher noch jemand, der mir das zeigt. Vielleicht sollte ich mich ja mal in einem Restaurant bewerben?

Leo.

…ist ja eine Institution in der Sportschau. Auch in China, auf CCTV 5, gibt es so etwas. Allerdings habe ich das Gef�hl, dass nur Tore ausl�ndischer Ligen gezeigt werden. Die eingeblendete �bersetzung lautet “Hero of the week”, und zeigt nicht nur einzelne Tore, sondern herausragende Spieler. Meist werden ein paar Szenen gezeigt. Dieses Mal war auch Vedad Ibisevic dabei, welcher ja die Bundesliga mit 16 Toren anf�hrt. Ich frage mich, und werde dieses auch mal meine chinesischen Fu�ballfreunde fragen, wie die es finden, dass ein Verein in einem Vorort mit 3.272 Einwohnern in der h�chsten deutschen Spielklasse mitmischt. Der Ort ist so klein, der geht ja hier in China kaum als Dorf durch. Wenn ich mal vergleiche: unser Hochhaus hat 25 Stockwerke, in jedem 4 Wohnungen. Wenn in jeder im Schnitt 3 Leute wohnen, sind das je Haus 300 Einwohner. Wir haben 15 Hochh�user in diesem Abschnitt…bei Vollbelegung haben wir schon mehr Einwohner als Hoffenheim.

Aber zur�ck zum Thema. Nach “Hero of the week” kommt noch “zero of the week”, d.h. Schadenfreude in Person. Die d�mmsten Fu�ballpatzer oder die gr��ten Pechv�gel werden gezeigt. An erster Stelle dieser Woche: Jens Lehmann vom VFB Stuttgart mit den Gegentreffern bei der 1:4 Niederlage in Wolfsburg. Zwar hat Lehmann nicht schlecht gehalten, aber bei 3 von 4 Toren hat er den Ball vorher heldenhaft abgeklatscht, gegr�tscht oder vor die Brust schie�en lassen…aber trotz Einsatz war der Ball drin. Solche Missgeschicke kommen hier gut an, das wird immer gerne gesehen. Eigentlich ein perfekter Markt f�r die Sendung “Pleiten, Pech und Pannen”…ich werde mal an CCTV schreiben.

Leo.

Heute habe ich das erste Mal eine Demonstration erlebt. Gewiss, es war keine gro�e Demo, aber allein die Tatsache, dass es sie gab, ist berichtenswert.

Wir waren gerade mit dem Auto unterwegs, als wir vor einem Fu�g�nger�berweg halten mussten. Ein Zebrastreifen ist eigentlich kein Grund in China anzuhalten. Aber hier standen ca. 50, vielleicht auch 60 bis 70 Leute von der einen auf der anderen Seite. Erst dachten wir, es handelt sich um Schaulustige. Aber es war kein Unfall zu erkennen. Und der einzelne Polizist, der Leute ansprach, wurde nicht geh�rt. Einige hatten auch St�hle dabei und setzen sich auf die Strasse. Transparente gab es keine. Unserem Fahrer wurde es unangenehm, er wendete schnell. Von unserem B�ro, welches ca. 200 Meter weit weg ist, konnte ich aber noch ein paar Blicke erhaschen. In der Zwischenzeit hatte sich der Stau auf beiden Seiten sicher 300 bis 400 Meter aufgestaut, man stand vom 4ten Ring abw�rts. Weitere Polizei war noch nicht gekommen. Unter uns Ausl�ndern im B�ro entstanden Diskussionen. Handelt es sich um Menschen, deren H�user abgerissen werden sollen? Oder was war sonst los? Die chinesischen Kollegen interessierte es eher nicht. Oder sie wollten nicht mit Sympathie f�r die Demonstranten Partei zeigen. Eine meinte, es sei unversch�mt, anderen Leuten wird im Stau die Zeit geklaut. Und �berhaupt, wenn da jetzt ein Krankenwagen nicht durchkommt. Ein anderer, den ich fragte, was nun passiert, meinte, nun kommt bald die Polizei und l�st “das Problem”. Allerdings wei� ich nicht, ob das ehrlich oder zynisch gemeint war. Da er eine schlechte englische Aussprache hat, verstand ich erst einen anderen Satz von ihm nicht. Er sprach von der “criminalist party”. Ich dachte erst, er meint die Demonstranten – aber er hatte nur genuschelt, er meinte “communist party”. Als ich ihm mitteilte, was ich verstanden hatte, musste auch er lachen.

Angeblich gibt es solche Massenaufl�ufe t�glich hundertfach in China. Nat�rlich nicht best�tigt von der staatlichen Nachrichtenagentur. Ich dr�cke die Daumen, dass die Demonstranten etwas ver�ndern – und nicht verhaftet werden.

Leo.

�Die sind ja so dumm, die verstehen ja gar nichts. Nicken nur, kucken dumm, grinsen und bekommen ihre Aufgaben nicht gebacken. Die haben nix drauf, ohne uns w�rde der Laden hier zusammenbrechen.�

So oder so �hnlich h�rt es sich oft an, wenn man mit so genannten “Expats” redet. “Expats” oder auch “Expatriat” sind die Entsendeten aus anderen L�ndern, die ihre Firmen hier in China voranbringen sollen. Allerdings frage ich mich manchmal, mit welch einer Selbstgef�lligkeit diese Leute hier auftreten. Sie tun so, als geht ohne sie gar nichts. Und da die Firma ja die Wohnung und ein ordentliches Gehalt zahlt, treten sie auch oft wie Graf Koks pers�nlich auf. Klar, viele von Ihnen sind mit 3.000, 5.000 oder noch mehr Euro Monatsgehalt hier wahrlich K�nige � wenn man bedenkt, dass der chinesische Mindestlohn bei etwa 60 Euro liegt. Aber warum m�ssen sie immer genau so auftreten, wie der Chinese den Europ�er in Stereotypen sieht? Laut, rechthaberisch, prahlerisch…! Und obwohl sie schon 2 Jahre in Beijing sind, sind sie nat�rlich viel zu besch�ftigt, um die Sprache zu lernen. Warum auch? Die meisten Chinesen peilen ja eh nix (Zitat “die verstehen mich einfach nicht” -> warum ist niemand selbstkritisch und sagt “ich verstehe die nicht”), und f�r notwendige �bersetzungen findet sich immer irgendwo eine h�bsche Mitarbeiterin.

Au�erdem, die meisten im B�ro reden ja sowie so Englisch (wobei betont wird, wie schlecht deren Englisch ist), und �berhaupt ist Chinesisch eh viel zu schwer zu lernen. Auch hat man f�r die notwendigen Fahrwege zwischen den Kneipenvierteln Sanlitun oder dem Houhai oder sonstigen Sehensw�rdigkeiten Visitenkarten, welche dem Taxifahrer unter die Nase gehalten werden. Oder man nutzt den firmeneigenen Fahrer, denn in Bus und Bahn ist es ja zu voll und stressig. Au�erdem stinkt es da. Deshalb lieber Auto fahren, aber im n�chsten Atemzug �ber die Drecksluft in Peking fluchen.

So oder so ein �hnliches Verhalten legen leider viele an den Tag. Ich frage mich oft, weshalb solche Leute eigentlich entsendet werden? Menschen, welche in ihren Heimatl�ndern doch von Ausl�ndern auch eine Anpassung an die Sitten des Landes fordern. Welche auch wollen, dass Zugezogene ihre Sprache lernen. Warum nicht umgekehrt auch hier in China? Und warum sind so wenige bereit, ihre aus dem Westen erprobten Managementwerkzeuge mal etwas zu �ndern, um vielleicht auch besser mit chinesischen Mitarbeitern zu arbeiten. Sicher, um Erfolg zu haben m�ssen beide Seiten aufeinander zugehen, und das tun manche Chinesen auch nicht. Aber die Mehrheit ist besser, als ihr Ruf. Allerdings wollen das einige Westler nicht sehen.

Leo.

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