China Allgemein


Ich weiss ja nicht, wie oft ich schon �ber die beliebten Handwerker geschrieben habe. Heute gab es aber einen neuen H�hepunkt.

Ich bin heute nicht zum Mittag aus dem Haus gegangen, sondern im B�ro geblieben. Als ich� mir dann einen Kaffee holen wollte, f�r das ich unser Gro�raumb�ro verlassen mu�te, gab es einen Knall. Ich erschrak und schaute nach oben�die T�r, die nach au�en aufschwingt, war an der Decke angeschrammt. Ich stutzte�das� war doch vorher nicht passiert�und was hing da an der Decke? Es sah aus wie eine Art Licht oder Feuermelder, auf jeden Fall war es da vorher noch nicht gewesen. Keine Ahnung, wer es da anmontiert hatte. Aber wer es auch war, er hat sich keine, ja keinerlei Gedanken gemacht, dass die T�r daran streift bzw. wir sogar Probleme bekommen k�nnten, da rein und rauszugehen. Da es sich zu dem um eine Decke handelt, die aus losen Platten besteht, rieselt nun bei jedem �ffnen der T�re etwas Putz von der Decke�inkl. Erschrecken von 10 anderen Kollegen durch das Rumpeln.Der Mensch, der so etwas gemacht hat, bekommt von uns schon mal den beliebten Titel “Mitarbeiter des Monats”.

Aber nun ging es los, den Schuldigen zu suchen. So schnell wie m�glich mu�te das Ding, von dem wir ja nicht mal wussten, was es war, wieder weg. Aber Licht und Feuermelder waren in der Zeit schon ausgeschlossen worden – was konnte es noch sein? Auch handelte es sich nicht, wie von einem Kollegen behauptet, um eine Videokamera mit 360 Grad Objectiv.

Wir riefen nun das Hausmanagement an. Die sagten aber, sie h�tten nichts beauftragt. Nach einigem hin und her landeten wir in der Wachabteilung. Diese sagten uns, dass heute Mitarbeiter von China Mobile im Haus gewesen sind, und kleine Boxen aufgestellt h�tten, welche die Mobilfunkverbindung innerhalb des Hauses verbessern sollte. Man h�tte ihnen erlaubt, selber festzulegen, wo die Dinger installiert werden. So ein Ding hing nun also vor unserem B�ro. Und schrammte sch�n an unserer eh schon sehr schwer zu bedienenden T�re (siehe vorherige Blogs). Wie versuchten das Hausmanagement zu �berzeugen, die Dinger zu entfernen�Fehlanzeige, schliesslich h�tten sie die da ja nicht installiert. Nach kurzer Diskussion, ob wir China Mobile anrufen, dass die das Ding entfernen, machten wir es nach dem Motto: “selbst ist der Mann” und schraubten bzw. rissen das Kabel samt Sender heraus. �ber schlechtere Mobilfunkverbindung hat sich noch niemand beklagt, aber wir k�nnen die T�re wieder normal �ffnen.

Leo.

Nun, knapp eine Woche nach dem Brand, gibt es verschiedene Ger�chte. Da ich in letzter Zeit wenig Zeitung gelesen habe, auch nicht das Propagandablatt China Daily, gebe ich dies ausdr�cklich als Ger�chte weiter:

– Ger�cht 1: Die Feuermelder war nicht angeschaltet. Dies lag angeblich daran, dass dies bei noch nicht fertigen Geb�uden immer so ist. Aber angeblich m�ssen dann immer menschliche Brandmelder in jedem Stock sein. Diese Besetzung gab es aber nicht.

– Ger�cht 2: Das Feuer wurde von einem nicht genehmigten Feuerwerk am CCTV Tower daneben ausgel�st.

– Ger�cht 3: Das verwendete Feuerwerk war aus Restbest�nden der Olympiaer�ffnung und h�tte niemals im Innenstadtbereich abgeschossen werden d�rfen.

– Ger�cht 4: Das abgebrannte Hochhaus war schon lange in der Kritik. Zum einen war unklar, wie die Auslastung �berhaupt sein sollte. Denn Hotels und B�ror�ume gibt es in Peking mehr als genug. Zum zweiten war beim Bau, �hnlich der Hamburger Elbphilharmonie, mit immer neueren Kosten und Notwendigkeiten der urspr�ngliche Anfangspreis mehr als verdreifacht worden. Eine Refinanzierung durch Mieteinnahmen war kritisch.

– Ger�cht 5: Da sind einige gar nicht so ungl�cklich, dass das Geb�ude nicht mehr steht…

Leo.

Nachdem nun das chinesische Neujahrsfest vorbei ist, sind auch die letzten Kollegen wieder in Peking eingetroffen. Freudig berichten sie von der Zusammenkunft mit der Familie und unter der Hand auch mal, dass eine Woche daheim ganz sch�n anstrengend ist. Und sich jeden Mittag und Abend den Bauch voll schlagen, davon haben Sie nun erst mal genug.

Aber mich interessiert etwas anderes: Fassen die Chinesen �ber den Jahreswechsel auch Entschl�sse wie die Deutschen? Nehmen sie sich auch vor, weniger zu rauchen, mehr Sport zu treiben, vielleicht sogar sich neu zu bewerben oder wie manche Deutsche sogar hoffen, ihr ganzes Leben zu �ndern? Ich frage ein wenig herum. Den Kollegen ist dieses Vorgehen sehr fremd.

�Wozu brauche ich da den Urlaub? Etwas �ndern kann man immer�, meint eine Kollegen. �Obwohl�, merkt ein anderen an,�die Chinesen machen lieber langsame Schritte als schnelle. Radikale Wechsel sind eher nicht so ihr Ding.�

Wenn ich mich selber so umsehe, dann glaube ich auch, dass die chinesischen Kollegen sich eher mit Gegebenheiten anfreunden. Richtige Klagen h�rt man eher selten. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich so wenig in ihrer Sprache verstehen.

Eine Sache gibt es allerdings, die Chinesen nach Chinese New Year durchf�hren. Und zwar bewerben sie sich wie wild bei anderen Firmen. Hintergrund ist, dass man zu dieser Zeit den Bonus der alten Firma schon erhalten hat, und bei fr�hem Einstieg in die neue Firma sich auch den Bonus des aktuellen Jahres sichern kann �Aber dieses Jahr bewerben sich nicht viele�, sagt eine Kollegin. Haben alle Sorgen wegen der Krise.

Leo.

Folgendes ist ein Auszug aus dem Newsletter einer international agierenden Bank. Es scheint so, als brennt insbesondere auf dem Land die Luft. �A million police officers have been sent to rural areas across China since December to help maintain social stability. Jobless rural workers will get more than 30 billion yuan ($4.39 billion) in aid from the Guangdong Province, government officials said.�

Leo.

W�hrend alle Chinesen ihr Laternenfest feiern, und zum Abschluss des Chinese New Year noch mal ordentlich ballern d�rfen, wollte mein Kumpel bei Ikea ein paar Schr�nke kaufen. “Da ist dann nicht so viel los, die feiern ja alle”. Aber er sollte recht behalten. W�hrend 1,3 Mrd. Chinesen Feuerwerksk�rper in die Luft bef�rdern oder wenigstens dabei zusehen, schleppen wir Schr�nke der Marke “Bilar” oder wie die sonst so hei�en in den 17 Stock. Als Dank gibt es Bier, Wodka O und einen Blick auf die Stadt. Schon gegen 22 Uhr erblicken wir ein Licht in der N�he des 3ten Rings. Es sieht so aus, als ob ein Feuerwerk vom Dach abgeschossen wird. Aber der Nebel der Raketen erlaubt kein klares Bild.

Als ich gegen 23.30 mich ins Taxi setze, ruft mein Kumpel an. “Leo, da brennt ein Hotel am dritten Ring, vielleicht haben wir das vorhin gesehen”. Ich spreche sofort den Taxifahrer an, er kennt den Sachverhalt und dreht das Radio lauter. Auch wenn ich wenig verstehe, eine gehetzte Reporterstimme schreit ins Mikrofon. “Da kommen wir doch vorbei”, meine ich zum Fahrer, w�hrend ich meinen Weg erkl�re. “Qu bu liao”, sagt er, “kann da nicht hinfahren”. Und gleich sehen wir auch, warum. Gro�fl�chig hat die Polizei den 3ten Ring abgesperrt. Obwohl das Feuer von hier ca. 1 Kilometer entfernt sein muss, und wir nichts sehen, wird das Gebiet abgeriegelt. Mein Kumpel meldet sich noch mal am Telefon. “Leo, da brennt ein riesiges Haus, so was habe ich noch nicht gesehen, hoffentlich war das Haus so leer, wie es im Internet beschrieben wird”. Mir kribbelt es, der Taxifahrer murmelt etwas vom gr��ten Feuer in der Pekinger Geschichte. Wir fahren weiter heim, w�hrenddessen nimmt das Feuerwerk kein Ende. Es scheint so, als h�tten die anderen Pekinger nichts mitbekommen, oder es ist ihnen egal: es wird einfach weiter geballert. �

All das kommt mir vor wie eine Parabel auf dieses Land. Ein Schnellzug, einmal losgefahren, der sich nicht von ein paar B�umen auf den Schienen bremsen l�sst. Und so scheint es auch nun, w�hrend irgendwo ein riesiges Geb�ude brennt, rennt dieses Land weiter vorw�rts, symbolisiert durch die Raketen an den Stra�enr�ndern.

Daheim schalte ich den Fernseher an, es ist nun 0.30 Uhr. CCTV und BJ TV bringen nix. Auch CNN keine Infos. Ich surfe im Internet und finde folgende Fotos auf verschiedenen Webseiten, u.a http://www.nytimes.com/2009/02/10/world/asia/10beijing.html?partner=rss&emc=rss

Weitere Fotos�siehe Anhang. Ich glaube, das bedarf keiner weiteren Worte. Hoffentlich war das Hotel, wie in den Artikel beschrieben, wirklich noch unbewohnt.�

Leo

Hotelbrand; Hotelbrand 2; Hotelbrand 3

 

Eine Geschichte bewegt meine Kollegen.

Irgendwo im S�den, den Ort habe ich vergessen, wurde ein Kind geboren. Die Geschichte ist deshalb so aufreibend und wurde von den Medien hei� verfolgt, da die Frau Krebs hat. Eine Bestrahlung und Heilung sei wohl m�glich, aber wohl mit unkalkulierbaren Risiken f�r das Kind. Sie entscheidet sich gegen die Bestrahlung, f�r das Leben ihres Kindes, und f�r den eigenen Tod. Ein paar Tage nach der Geburt verstirbt sie. Meine Kolleginnen sind sich sicher: �so mu� Mutterliebe aussehen, das Kind steht �ber allem�.

�Leo.

Wie w�hrend Olympia scheint wieder irgend etwas im Gange zu sein in Bezug auf Raupkopien. Auf jeden Fall gibt es in den bekannten Touristenm�rkten, in denen au�er dem Geld fast alles gef�lscht ist, nun mal wieder keine DVDs zu kaufen. Beziehungsweise gibt es schon, aber die im Laden angebotenen DVDs sind alle schon 20 Jahre alt. Der ganze Laden sieht aus, als sei der Ausverkauft schon abgeschlossen, oder wie in einer Planwirtschaft, welche beim 5. Jahres Plan die falschen Priorit�ten gesetzt hat. Es gibt auf jeden Fall nix zu kaufen, was interessant sein k�nnte. Aber wer etwas verloren umherschaut, wird flugs leise angesprochen. “DVD?”. Nickt man, wird man in einen Hinterraum gef�hrt, den man ohne die Verk�ufer nicht finden kann. Davor steht �brigens ein Polizist oder Sicherheitspersonal des Touristenmarktes, so genau kann ich die nicht unterscheiden. Innendrin, in einem 4 auf 4 Meter grossen Raum, stapeln sie die DVDs. Aufgrund des eingeschr�nkten Platzes kann man selber kaum suchen, aber wer seine W�nsche nennt, dem wird schnell geholfen. Lediglich auf meine Frage, warum der Laden nun wieder hier ist, bekomem ich keine Antwort. Allerdings soll es nur ein paar Tage dauern, dann zieht man wieder in den offiziellen Bereich.

Ich weiss ja nicht, was das ganze soll, aber ich habe so meine Theorien. Wahrscheinlich gibt es regelm��ig eine Razzia, um der Raupkopiererei Einhalt zu gebieten. Da es aber keiner so ernst damit meint, wird vorher das Datum bekannt gegeben. Wenn dann der Kontrolleur in den Laden geht, gibt es nichts verbotenes zu entdecken. Das Protokoll wird angefertigt, und da es ja keine Verdacht gibt, schaut auch keiner in die Hinterzimmer. Dem Gesetz ist aber Gen�ge getan. Weiter so, dann gibt es die billigen DVDs noch sehr, sehr lange.

Leo.

Entweder ist es einfach so gut, dass es nicht auff�llt, oder es ist doch nicht so h�ufig vorhanden, wie immer gesagt wird. Das Falschgeld.

Erst neulich ist mir einer untergekommen, und auch nur, weil ein Kollege ihn mir gezeigt hat. Ich habe ihm dann flugs einen richtigen gegeben, und so den falschen eingetauscht. Es handelt sich um einen gr�nen 50 RMB Schein. Bisher dachte ich ja, nur die 100er werden gef�llscht. Nun, wenn man den Schein nur kurz in der Hand h�lt, f�llt nix auf. Erst bei genauerem F�hlen, oder auch beim halten gegen das Licht, fallen leichte Unterschiede auf. Das Papier ist glatter, die Buchstaben nicht so tief eingestanzt, und das Wasserzeichen bildet sich nicht so klar ab. Aber um damit nachts in einer Disko, oder den Taxifahrer zu bezahlen, daf�r reicht es alle Mal.

Viele Restaurants und Gesch�fte sichern sich dagegen ab, in dem sie, insbesondere 100 RMB Scheine, durch eine spezielle Pr�fmaschine laufen lassen. Wenigstens da hat bisher jeder meiner Scheine akzeptiert.

Der 50er kommt nun als Erinnerung ins Album, und von nun an passe ich besser auf, was mir da in die Finger kommt.

Leo.

…aus dem benachbarten Wohngebiet kommen ja so allerlei Esswaren. Ich hatte ja schon berichtet, dass ich �fters Leute sehe, welche Eier oder Brot auf ihren motorisierten R�dern bewegen. Neulich staunte ich aber nicht schlecht, dass dort wohl auch Schweine gez�chtet werden. Vor mir fuhr eines auf einem motorisierten Dreirad. Allerdings schon geschlachtet, ausgeblutet und f�r die weitere Verarbeitung geeignet. Da es ja gerade sehr kalt ist in Beijing, hatte man sich wohl gedacht, man muss es nicht k�hlen. So wurde es einfach auf das Dreirad draufgebunden, und wohin auch immer (Restaurant, Metzgerei) gefahren.

Ich hoffe, dass diese Transportart nur im Winter genutzt wird, und im Sommer mehr Wert auf K�hlung gelegt wird.�Obwohl, bei unseren Radtouren in Yangshuo sind wir oft auf kleine Metzgereien gesto�en. Diese bestanden meist aus einem Holzbrett, worauf vers. Fleischst�cke lagen. Eine bessere Metzgerei hatte sie mit einem Gitterk�fig gegen Fliegen gesichert, ansonsten wedelte nur ein Ventilator rum, um Ungeziefer zu vertreiben.�Das alles bei 25 bis 30 Grad…da braucht man schon einen guten Magen.�

Ach so, zur�ck zum Schwein. Ich habe ein Bild mit meinem Handy geschossen, siehe Anhang.�

Leo.

Das Schwein auf dem Fahrrad�

Leider musste ich, wie letztes Jahr auch, �ber das chinesische Neujahrsfest beruflich bedingt nach Deutschland zur�ck fliegen. Am Flughafen in Deutschland�stieg ich in ein Taxi und staunte nicht schlecht: ein Chinese. Die Wahrscheinlichkeit, einen Chinesen in Deutschland als Fahrer zu haben, halte ich f�r gering. Stolz berichtete ich, dass ich in Peking lebe…keine Regung. Also fing ich an, mich chinesisch mit ihm zu unterhalten…nur fl�chtige Antworten. Also l�cherte ich ihn, ob sie auch in Deutschland Jaudze zubereiten, und wie sie das Neujahrsfest verleben…wieder kaum Antworten. Von da an schwieg ich und dachte nach: ein Taxifahrer in Peking w�rde sich so eine Gelegenheit nicht nehmen lassen, die erz�hlen ja sehr gerne. Ein Kollege nannte sie auch schon mal die Philisophen auf 4 R�dern, da sie zu jedem Thema etwas erz�hlen k�nnen, aber dieser hier ist anders, vielleicht schon eingedeutscht.�Leo.��

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