Erlebnisse in China


China ist f�r mich eine Wegwerfgesellschaft. Vieles wird einfach konsumiert und dann weg damit. Oft ist ein langfristiger Nutzen gar nicht angedacht und die Sachen sind schneller kaputt, als man glaubt. Aber es gibt auch die andere Seite – die Helden der Reparatur.

Nichts ist so unn�tz, als dass man es nicht noch benutzen kann. Und nichts kann so kaputt sein, dass es nicht noch einmal repariert wird. Gerade die N�hereien und Schuhmacher schaffen wahre Wunder – und das zu unschlagbaren Preisen; die eine Reparatur eigentlich erst m�glich machen. Auch wenn man das Preisgef�ge in China nimmt, und die Reparaturkosten zum Neupreis vergleicht, ist das Verh�ltnis noch g�nstig. Schuhe n�hen f�r 3 Yuan, Sohlen ankleben f�r 8 Yuan, meine Lieblingsjeans nochmals am Hintern n�hen 12 Yuan. Ich �berlege, auch meine ganze Unterw�sche noch mal einer General�berholung zu unterziehen.

Neben der guten Reparatur steht auch Kreativit�t ganz vorne. Alles wird mit allem kombiniert, und heraus kommt etwas Neues. Besonders Colaflaschen aus Plastik sind Basis f�r ungebremstes Erfindertum. Heute gesehenes Beispiel war ein zu kurzes Schutzblech an einem Fahrrad. Kurzerhand wurde die 1,5 Liter Flasche in der Mitte zerteilt und an das Schutzblech angeschraubt – fertig ist das verl�ngerte Schutzblech.
Auch ich selbst kann stolz auf mein Erfindungsreichtum verweisen, allerdings mit der 0.5 Liter Flasche. Und zwar geht bei uns im Bad ein Abflussrohr mit ca. 4 cm Durchmesser vom Wasserbecken ab und m�ndet in einem ca. 5 cm breiten, weiteren Rohr. Bedeutet, dass beide nicht ineinander passen. Dem Bauarbeiter, der das montiert hat, ist das auch aufgefallen. Er hat den Zwischenraum zwischen beiden pragmatisch mit Lehm gef�hlt. Dieser ist jedoch logischerweise im Lauf der Zeit abgebr�ckelt, so dass nun keine Dichtung mehr Bestand, und unangenehme Ger�che die Folge waren. Ohne die Handwerker zu rufen, schritt ich selbst zur Tat. Flasche aufgeschnitten, mit dem dicken Ende �ber das 5 cm gro�e Rohr, mit dem d�nneren Hals �ber die 4 cm, dann noch 5 Meter Klebeband rum � fertig!!! Der Handwerker, den ich gerufen h�tte, w�re sicher vor Neid erblasst.

Leo.

Wer als Ausl�nder hier in Beijing lebt, scheint automatisch im Geld zu schwimmen. Und irgendwie scheint meine Telefonnummer in die falschen H�nde geraten sein. Daraus hat sich eine nervige Kombination ergeben.

Insgesamt erhielt ich in den letzten 2 Wochen schon 4 Anrufen von angeblich sehr seri�sen Investmentfirmen, welche sich auch in der aktuellen Krise behaupten und mir renditetr�chtige Anlagen in und au�erhalb Chinas anbieten. Die Anrufer beziehen sich darauf, dass man, so lange man noch in China lebt, angeblich leicht sein Kapital in andere Staaten verschieben kann, und in dieser Zeit die eigene Heimat das schwer kontrollieren kann. Riecht schon mal nach Steuerhinterziehung. Aber neben Steuern sparen sind wohl auch die Anlageobjekte erstklassig. Sowohl Maggie aus Dubai wie auch Esten aus Shanghai haben mir mitgeteilt, dass ich 20% Renditen �ber chinesische Anlagefirmen auf der “Island of men” erzielen kann. Dabei sei es angeblich “bereits ab 500 US Dollar Investment je Monat zu haben bei nur 2 j�hriger Mindestanlagedauer. Hoffentlich geht meine Absage an diese Leute genau so schnell in den Kreisen herum wie meine Telefonnummer. Sonst wird es hier noch �fters klingeln.

Leo.

Ja, sie waren wieder da. Die T�r ist repariert. Zwar l�uft sie weiter etwas schwer, aber die elektronische Sperre geht. Mit der richtigen Karte �ffnet sich die T�r sogar. Und auch eine Leiter hatten sie dabei. Allerdings hat der Handwerker nach der Reparatur betont, dass wir die T�r besser nicht permanent entriegeln, sondern immer dann, wenn jemand rein will, die T�r kurz mit der Karte entsperren sollten. Hintergrund sei wohl, dass der T�rbolzen bei permanenter Entriegelung wieder kaputt gehen kann. Anstatt sich aber diesem Problem anzunehmen, empfahl er allen ernstes, dass man die Leute reinlassen soll, wenn es klopft. D.h., nun muss immer ein Mitarbeiter aufstehen, die T�r von innen �ffnen. �u�erst effizient. Ab morgen suchen wir eine andere Handwerkerfirma.

Leo.

Aufgrund eines von der Firma angeordneten Seminars hat eine meiner Mitarbeiterinnen ihren Deutschkurs verpasst. Als Kompensation versprach ich Ihr, das ich die Stunden mit ihr nachhole…aber holla die Waldfee. Deutsch ist ja wirklich eine schwere Sprache, vor allem, wenn man sie erkl�ren soll. Bei den meisten grammatischen Regeln konnte ich nur sagen, dass ich sie benutze…aber die Regeln dazu erkl�ren?
Wir haben uns deshalb vermehrt um Konversation und Lesen gek�mmert. Das war ein Spa�, das chinesische Lernbuch ist wohl von einem Witzbold geschrieben worden. Heute gab es folgende Dialoge:

Kellner:�� Guten Tag, was darf ich Ihnen bringen?
Gast:������� Erst einmal die Karte!
Kellner:�� Oh, Entschuldigung

Weiterhin interessant war eine Aufz�hlung der wichtigsten Lebensmittel in Deutschland: Kartoffel, Steak, Milch, Brot, Apfel und Hirn. Ja, richtig geh�rt. Auf einer Zeichnung im Lehrbuch war neben einem Apfel und anderen Lebensmittel auch ein Hirn aufgezeichnet. Zu dem hatte der Spa�vogel das Hirn auch in einen weiteren Dialog eingebaut. Die Kollegin ging wirklich davon aus, dass Hirn in Deutschland weit verbreitet ist. Aber nun der Dialog mit meines Erachtens brilliantem Humor:

Kellner:� Guten Tag, was wollen sie essen?
Gast 1:�� F�r mich ein Schnitzel mit Pommes und Ketchup und ein Bier.
Gast 2:�� F�r mich auch ein Bier, und haben Sie Hirn?
Kellner:� Ja, aber nicht zum essen. Bitte bestellen Sie etwas aus der Speisekarte.
Gast 2:�� Dann bitte eine Gem�sepfanne.

Aber auch die Aussprachefehler der Kollegin sind toll. Schweinebraten h�rt sich wie Schweizerbraten an. Ob wohl meine eigene Sprachlehrerin auch so viel Spa� an meiner Aussprache hat?

Leo.

There are 9 million bicycles in Beijing, that�s a fact, it�s a thing we can�t deny, like the fact that I will love you till I die… aber es geht auch anders…

There are 9 million bicycles in Beijing, that�s a fact, and they all have no light, so let�s hope that one day they will not die… so �hnlich k�nnte man Katie Melua Lied umdichten.

Die fahren hier wirklich alle ohne Licht. Und in der Zwischenzeit ist es ja nur noch von 7 Uhr morgens bis 5 Uhr abends hell. Der Markt f�r Fahrradlichter k�nnte boomen, aber es schert sich keiner drum. Habe mal geh�rt, dass Fahrradlichter sogar verboten sind, um Autofahrer nicht zu irritieren, aber das halte ich f�r ein Ger�cht. Ich war bis vor kurzem �brigens der einzige der 9 Millionen mit Licht. Aber mein R�cklicht ging verloren, und mein Vorderlicht wurde geklaut. Es war an den Fahrradkorb angeschraubt, der Dieb hat sich nicht mal die M�he gemacht, es abzunehmen. Er hat es rausgerissen, so dass mein Korb nun ein kleines Loch hat. Aber warte nur, nun bist du der einzige mit Licht. Eines Abends sehe ich dich, und dann ist es wieder meins. Bis dahin hoffe ich, dass mich kein Auto �bersieht.

Leo.

Freitagabend mit den Kollegen in einer Karaoke Bar im Nordosten Beijings. Das Bier floss reichlich, und die von der Firma gesponserten Weinflaschen wurden in kleine Gl�ser gegossen, um dann ‘Ganbei’, d.h. auf Ex, getrunken zu werden. In geregelter Reihenfolge singen alle Kollegen ihre Lieder herunter.

Ich bin �berrascht. Zum einen von den eindeutig sehr guten Gesangsk�nsten fast aller Kollegen und Kolleginnen, aber auch von der Traurigkeit der Lieder. Nat�rlich verstehe ich nur wenig vom Inhalt, aber alleine schon die Stimmung zeigt, dass sich hier Leute vor Kummer die Seele vom Leib singen. Unterst�tzt wird das ganze durch die Videos, die zu jedem gesungen Lied auf dem Fernseher laufen. Sch�ne, einsame Frauen, die in gro�en Wohnungen sitzen und weinen, weil ihr Geliebter nicht da ist. Die Z�gen hinterher rennen, am Hafen weinen, oder schluchzend sich im Park niederlassen. Dazu M�nner, die vor ihrem Klavier zusammenbrechen, die ihre Wohnungseinrichtung zertr�mmern, auf den Knien sitzend mit den H�nden auf den Boden schlagen. Den ganzen Abend gibt es, mit Ausnahmen wenn wir Ausl�nder einen der wenigen englischen Lieder singen, keine Stimmungslieder. Zwar haben die traurigen Lieder keinen Einfluss auf die Laune der Kollegen, aber meine Neugier war geweckt. 2 oder 3 Kollegen, die noch ansprechbar waren, wurden von mir gefragt, warum die ganzen Lieder alle so traurig sind. Als Antwort erhielt ich, dass vor allem chinesische Frauen in der Liebe alles geben w�rden – und somit bei einer unvollkommenen Liebe der Schmerz umso gr��er sei. Ein weiterer meinte, dass die Chinesen ihr ganzen Leben ja nach Harmonie streben – aber eine Liebe ohne guten Ausgang ist das genaue Gegenteil davon, und deshalb so schlimm und singenswert. Ein dritter sah es etwas pragmatischer: “Wir m�gen einfach das Gef�hl der Traurigkeit”

Leo.

Wie ich unter “Handwerker” schon mal berichtet habe, ist die T�re in unserer Arbeit ja ein einziges Sorgenkind. Bisher hat es noch keiner geschafft, das Ding konstant am Leben zu halten. Letzten Freitag war es wieder so weit: Totalausfall. Nun hei�t es warten. Bin gespannt, ob sie dieses Mal eine Leiter mitbringen. Sicherheitshalber bringe ich meine Ikea Schraubkiste mit � falls sie ohne Werkzeug einlaufen.

Leo.

finden selbst die Chinesen komisch.

Hatte heute 2 Freunde dabei, die nicht wu�ten, wo ich wohne. Da ich selbst mit dem Rad unterwegs war, habe ich sie kurzerhand mitgenommen. In China werden ja oft Freunde auf dem Gep�cktr�ger mitgenommen. Aber dass eine Frau vorne auf der Stange, und hinten ein Mann auf dem Gep�cktr�ger sind, und sich ein Schlipstr�ger abm�ht, das ganze anzutreiben, dass haben wohl auch noch nicht viele Chinesen gesehen. Viele l�chelten uns an oder riefen uns aufmunternde Spr�che zu. Zum Gl�ck war heute kein Gegenwind.

Leo.

Pornographie ist in China, wenigstens meines Wissens, verboten. Umso erstaunter waren wir, als wir auf einigen M�rkten dennoch recht �ffentlich eindeutige DVDs fanden. Zwar waren die wichtigsten K�rperteile z�chtig mit schwarzen Sternen �berdeckt oder unscharf gemacht – aber wie sieht es wohl auf der DVD selber aus?

Im Namen der Wissenschaft und nat�rlich dem Blog zuliebe erstanden wir heute eine solche DVD, welche wir in einem Supermarkt neben den Sportvideos entdeckten. F�r 8 Yuan bekamen wir sogar eine Doppel DVD. Wir waren gespannt. In wie weit wird das gehalten, was auf der Verpackung zu sehen ist?

Zuhause haben wir gleich den DVD Player angeworfen – und wurden �berrascht. Alle P�rchen im Video, welches innerhalb der verschiedenen Kapitel auftreten, tragen Unterhosen, sowie die Frauen einen BH. Es wird nicht direkt in die Kamera geschaut, und die Gesichtsausdr�cke sind eher steif. Kein Lachen, kein K�ssen. Daf�r wird in unterschiedlichsten Positionen der Geschlechtsakt angedeutet. Im Hintergrund spricht eine lehrerhafte Stimme, und am Ende jedes Kapitels scheint es so (wir konnten die Schriftzeichen nicht lesen), als wird das vorherige noch mal zusammengefasst. Nach dem 2ten oder 3ten Kapitel fingen wir an zu vermuten, dass es sich wohl eher um eine Art Aufkl�rungsvideo oder, noch plausibler, eine Art Kamasutra mit Anleitungen f�r verschiedene Stellungen handelt. Zwischen den Videos sieht man dann ein P�rchen am Strand in einem Strandbuggy fahren – wie das in den ganzen Kontext passt, ist mir noch unklar.

Ich will bald mal auf den anderen DVD M�rkten noch weitere kaufen, um zu pr�fen, ob wir gerade nur falsch gegriffen haben, oder ob alle DVDs so sind.

Der Kauf der DVD ist ebenfalls noch berichtenswert. Wie so oft, wenn man ein Produkt will, muss man zum zust�ndigen Verk�uferin gehen. Diese nimmt dann das Produkt an sich, und schreibt eine Rechnung, mit der man dann durch den Laden an eine andere Kasse tingelt. Dort bezahlt man, erh�lt eine Quittung, und kann mit dieser dann wieder zur�ckgehen, um sein Produkt zu holen. Da ich jedoch den Stand zum bezahlen nicht gefunden habe, musste ich die Rechnung noch 2 oder 3 anderen Verk�uferinnen unter die Nase halten und fragen, wo ich das bezahlen kann. T�uschte ich mich, oder grinsten alle drei mehr als sonst?

Leo.

Ich hatte mich schon immer mal gefragt was eigentlich passiert, wenn es in den Hutongs mal brennt. Normale L�schfahrzeuge kommen n�mlich an einigen Ecken der Hutongs wirklich sehr schlecht ran. Jetzt wei� ich es, aber seht Euch die Antwort darauf mal selbst an…

Feuerwehrfahrzeug

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