Am 3ten Ring, an der Kreuzung der Tuanjiehu U-Bahn, werden den vor der Ampel wartenden Autos oft Reklame angeboten. H�user kaufen, neue Restaurants, Reisen, solche Zettel werden dort verteilt.

Gestern allerdings machte ein merkw�rdiger Verk�ufer auf sich aufmerksam: Der Mann hatte 3 Produkte zu verkaufen. �ber den Schultern trug er eine Rolle mit einer sehr grossen chinesischen Landkarte. �ber den Arm geh�ngt hatter er Ladekabel f�r Handys, welche an den Zigarrettenanz�nder der Autos geschlossen werden k�nnen. Und in der Hand trug er…2 Schildkr�ten. So bewaffnet ging er von Auto zu Auto und versuchte, seine Produkte an den Mann zu bringen. Wir fragten uns wirklich, ob es jemand gibt, der an der Ampel eine Schildkr�te kauft. Und wozu? Zum essen oder als Haustier? Diese Frage wurde uns nicht beantwortet, allerdings scheint der Mann auf eine Marktl�cke gesto�en zu sein. Als wir ca. 1 Stunde sp�ter wieder vorbei fuhren, hatte er nur noch eine Schildkr�te in der Hand…

Leo.

Aus dem Hotelzimmer eines Bekannten in Korea:

Putzfrau in Korea

Putzfrau in Korea

Das “Good Boy” (der Bekannte ist �ber 30) kommt daher, weil er so ordentlich ist und die Putzfrau ihn deswegen vorher schon gelobt hatte. Wer die Nummer des Hotels m�chte, um den netten Service selbst kennenzulernen, bitte eine Nachricht an mich.

Einige Zeit hatte ich nichts von Lu Liu geh�rt. Doch dann traff es mich wie ein Paukenschlag! Er schrieb mir eine SMS, dass er mit Freuden nun in einem Hutong wohnt. Schnell besuchte ich ihn, und wollte wissen, wir er den Auszug geschafft hat… ohne Gesichtsverlust bei der Familie.
Er strahlte, das Schicksal war im zu Hilfe gekommen. Und zwar hatte der Nachbar im Hutong seiner Familie einige Umbauten geplant, welche auch Umbauten an anderen Hutongs erforderten. Dadurch w�re aber Lu Lius Zimmer f�r ein paar Monate unbewohnbar geworden…so zog er dank diesen Grund aus. Zur�ck will er nicht, er hofft, dass sich seine Oma das Zimmer schnappt (siehe Blogs vor einem Monat), und somit auch der Familienstreit beigelegt werden kann.
Zu dem hat Lu Liu einen neue Frau kennen gelernt. D.h, er hat gesehen, dass sie im Nachbarhaus seines neuen Hutongs wohnt…das reicht ihm, um erst mal gl�cklich zu sein. Und auch seinen Lebenslauf hat er fertig, mit dem er sich nun bewerben will. Als erstes bei meiner Firma, ich werde seine Bewerbung mit Empfehlung einreichen. Was daraus wird in ein paar Tagen, wenn er hoffentlich auf ein Vorstellungsgespr�ch eingeladen wird.
Leo.
Die Beijing Hikers, eine aus verschiedenen Nationalit�ten bestehende Wandergruppe, hatte sich am letzten Samstag zu einer besonderen Wanderung zusammengeschlossen. Zusammen ging es, nach ca. 3 Stunden Busfahrt, westw�rts von Peking nach Chuandixia. Dort gibt es in 1600 Meter H�he ein sch�nes Hochplateau. Dieses ist jedoch, leider auch dank der Wandergruppen, die dort vorbei laufen, recht verschmutzt. In Anlehnung an den nahenden “Earth Day” war das Ziel der Reise neben ca. 800 Meter H�hen�berwindung die Reinigung des Platzes. Nach 2 Stunden Fussmarsch angekommen, str�mten ca. 30 Ausl�nder aus und sammelten mit Handschuhen und Plastiks�cken das ein, was in den vorherigen Jahren achtlos liegen gelassen wurde. Schnell hatten wir 20 x 100 Liter S�cke gef�llt. Unter den ungl�ubigen Blicken von Chinesen reinigten wir den Platz. Doch f�r viele war dies auch ein positives Zeichen, wir wurden angesprochen, gelobt, und viele schlossen sich uns an. Innerhalb kurzer Zeit war der Platz fast blitzblank, und wir machten uns zur�ck auf einem wundersch�nen Wanderweg ins Tal. Zwischendrin begegneten wir anderen Wandergruppen, welche ebenfalls von unserer Aktion angetan waren. Wir �berlegten uns insgeheim, wie es wohl w�re, wenn eine Horde Chinesen die L�neburger Heide oder den Strand in Usedom reinigen w�rde…die Bild Zeitung h�tte ihre Schlagzeile sicher. Aber bei uns war keine Zeitung, und im Dorf unten gab es auch keinen freudigen Empfang, sondern nur die Frage: “Wohin nun eigenglich mit dem M�ll?” Unser Busfahrer wollte das Zeug nicht nach Peking bef�rdern, aber ein Dorfbewohner bot sich an, das Zeug zu behalten…er wollte noch die vielen Pfandflaschen aussortieren. Ich hoffe sehr, dass er den Rest nicht irgendwo anders in Geb�sch geworfen hat.
Dennoch fuhren wir stolz nach Peking zur�ck. Jeden Tag ein gute Tat, wie das alte Pfadfindersprichwort sagt.
Leo.

Jedes Jahr stellt der Berliner CDU-Abgeordnete Peter Trapp eine offizielle Anfrage beim Stadtsenat in Berlin. Es geht darum, wie oft Diplomaten in Berlin Verkehrsordnungswidrigkeiten begehen, ohne daf�r belangt zu werden. 8400 unbezahlte Strafzettel stehen auf der Liste, die der Senat herausgab. Dazu 55 Unf�lle von Diplomaten.� Und Diplomaten aus China haben sich hier offenbar nicht mit Ruhm bekleckert. China war neben Saudi-Arabien, Russland, �gypten, Libyen, Iran, Polen, Frankreich und Griechenland Spitzenreiter. Schade, dass der Senat keine detaillierte Statistik vorlegt, nach L�ndern geordnet.

Letztes Jahr wurde der koreanische Blogger Park Dae Sung unter dem Pseudonym “Minerva” zur Ber�hmtheit. Er hatte mehr als 100 Artikel zur koreanischen Wirtschaft auf seinem Blog ver�ffentlicht und einige richtige (aber auch einige falsche) Voraussagen getroffen. So sagte er z.B. die Abwertung des koreanische Won gegen�ber dem Dollar voraus sowie den Kollaps von “Lehman Brothers”.

Zum Verh�ngnis wurde ihm ein Beitrag, in dem er behauptete, die koreanische Regierung verbiete bestimmten Finanzinstitutionen und Handelsfirmen, US-Dollar zu kaufen.

Die Staatsanwaltschaft klagte ihn daraufhin wegen des Versto�es gegen das koreanische Kommunikationsgesetz an. Er habe bewusst Falschmeldungen verbreitet, der koreanischen Wirtschaft geschadet und Aktienkurse manipuliert.

Die Festnahme hatte in Korea zu Diskussionen um die Meinungsfreiheit gef�hrt.Der Staatsanwaltschaft wurde vorgeworfen, nur einen Regierungskritiker Mundtod machen zu wollen.

Jetzt wurde “Minerva” freigesprochen. Der Richter konnte nicht erkennen, wie der Blogger dem �ffentlichen Interesse geschadet habe.
Der Blog war in Korea sehr popul�r, hatte teilweise �ber 200.000 Besucher am Tag.
Jetzt kann sich Minerva also weiterhin zur koreanischen Wirtschaft auslassen und d�stere Untergangsszenarien verbreiten.

Mich hat es mal wieder mal f�r 3 Wochen nach Korea verschlagen, deshalb wird es in n�chster Zeit wieder einige Eintr�ge von mir �ber meine Eindr�cke aus Seoul geben.

S�dkorea ist nach den Philippinen, das asiatische Land mit dem h�chsten Bev�lkerungsanteil bekennender Christen. In Deutschland sieht man manchmal einen Zeugen Jehova still in einer Ecke stehen. In Korea sind christliche Missionare aggressiver, laufen mit Lautsprecher durch die Gegend. Auch die Botschaft erinnert eher an das Mittelalter. Der eifrige Missionar im folgenden Bild hat die christilche Botschaft wohl wirklich auf den Punkt gebracht:

Lord Jesus Heaven

No Jesus Hell

Korea - Christliche Mission
Korea – Christliche Mission

Mir ist noch nicht klar, was die Steuerbeh�rde hier in China versucht.�Diese kann n�mlich�nur die Ums�tze verfolgen,die �ber sogenannte “Fapiaos” laufen. D.h., neben der normalen Rechnung, die z.B. im Restaurant oder Laden ausgestellt wird,muss man noch mal eine “offizielle” Rechnung, den sogenannten “Fapiao”, erbeten. Dieser wird entweder �ber eine spezielle Maschine gedruckt, oder die Firma muss daf�r offizielle Schreibbl�cke erwerben, auf denen dann per Hand ausgestellt wird. Da die Nachverfolgung von solchen Steuers�nden wohl gering ist, haben die ausstellenden Restaurants oder Firmen also auch keine Lust, solche Fapiaos auszustellen. D.h., es fallen auch keinen Einnahmen f�r den Staat an. Deshalb musste ein Anreiz geschaffen werden.

�

So wurde auf den maschinell ausgestellten Fapiaos oben ein kleines, silbernes Rubbelfeld aufgetragen. Das kann man aufrubeln, und darunter ist dann mit wenig Gl�ck eine 1, 2, 10, 50, 100 oder 1000 RMB Zeichen. Dieses kann man dann sofort beim Restaurant in Bares einl�sen…wenn man Gl�ck hat, denn zu oft gewinnt man nicht. Dennoch hatte dieses kleine Feld wohl die Wirkung, dass mehr Leute als sonst nach Fapiaos fragen…und somit der Staat mehr einnimmt.

Dennoch halte ich den Steuerbetrug hier f�r hoch. So gibt es z.B. auch bei der Wohnungssuche immer�2 Preise. Einen, den g�nstigen,ohne Fapiao (10 bis 20% g�nstiger), und den teureren Preis, wenn man einen Fapiao will. Die meisten Chinesen, die ich kenne, mieten ohne Fapiao…die meisten Ausl�nder mit, da sie ja die Wohnung meist von ihrer Firma bezahlt bekommen.

�

Heute habe ich �brigens nach langer Zeit mal wieder gerubbelt und 10 RMB gewonnen. Wenn das kein gutes Zeichen ist!

�

Leo.

In China passieren im Gesch�ftsleben �fters Dinge die so in Deutschland undenkbar w�ren.

Ein� nat�rlich anonymer Bekannter eines anonymen Bekannten hat ein interessantes Problem: Er hatte schon l�nger mit seiner Buchhalterin Meinungsverschiedenheiten. Es ging um versp�tete Lohnzahlungen (wenn auch nur um einige Tage), eine Projektmanagerin, die eingestellt wurde und nebenbei pl�tzlich die Arbeit der Buchhalterin kontrollierte, auch um die Erledigung einer Arbeiten, die eher nicht in das Aufgabengebiet einer Buchhalterin fallen. Irgendwann kam es zum ultimativen Krach.

Normalerweise verschwinden nachtragende Angestellte ja eher mit den Firmenstempeln, die sich zwar aufw�ndig aber doch irgendwie ersetzen lassen.

Die chinesische Buchhalterin verschwand aber mit allen Unterlagen, die f�r die Bilanzpr�fung ben�tigt wurden: Rechnungen, Quittungen, Lohnabrechnungen, Schecks, Kontoausz�gen und sonstigen Unterlagen der Bank, sogar die Visitenkarten und Adresse der Steuerberatung lies sie mitgehen.

Der Chef, der nicht gut chinesisch kann, hatte also nicht einmal mehr Namen und Adresse der Steuerberatung des Unternehmens, das B�ro war leer ger�umt.

Die Buchhalterin ist k�rzlich umgezogen. Sie kommt nicht aus Peking, die Wohnung, die sie in Peking gekauft hatte, l�uft nicht auf ihren eigenen Namen. Niemand hat die geringste Ahnung wo sie ist.

Er hat eine neue Steuerberatung gesucht und wurde das erste mal seit er in China ist, wirklich in Versuchung gef�hrt: Der erste Vorschlag der neuen Steuerberatung war nicht etwa, die Buchhalterin zu finden oder f�r den Fall das sie nicht auffindbar sei, eine andere legale M�glichkeit zu suchen, sondern einfach eine kleine Wirtschaftspr�fung zu schmieren, die dann die Bilanzpr�fung ohne Unterlagen durchf�hrt.

Ich bin sehr gespannt wie die Geschichte ausgeht (er wird mich f�r den Blog auf dem laufenden halten). Erstmal wird die Suche nach der Buchhalterin fortgesetzt. Und nat�rlich die Steuerberatung nochmal gewechselt und wohl Gespr�che mit den Lokalen Steuerbeh�rden aufgenommen.

…ist der Platz, in dem (neben D-22 im Haidian district)�in Peking junge Rockbands auftreten. Dabei gibt es einige Bands, die eher entt�uschen. Aber am Samstag abend gab es mal wieder ein echtes Highlight. ????? (h�u�h?i�d��sh? y�), �bersetzt “Queen Sea big shark”, sind aufgetreten. Gegen 22 Uhr ging es mit einer ca. 6 min�tigen Einstimmungsvideo los. Dabei wurde, zu ihrem Song C.B.D., Bilder aus China, dem chinesischen Fernsehen, Videoschnipsel und Pekinger Impressionen zusammengef�hrt. Ob es sich dabei um eine Hommage oder eine Satire handelte, konnte ich leider nicht feststellen.

Danach betraten die Frontfrau und Schlagzeuger, Gittarist und Bassist die B�hne, und die ca. 200 bis 300 Konzertbesucher begr��ten sie freudig. Die Band ist wohl nicht mehr ganz unbekannt, zu allen Songs wurde freudig mitgesungen. Dabei sind die Songtexte alle in Englisch, wobei ich wie oft dennoch wenig verstanden habe. Generell kamen die Songs um einiges rockiger r�ber, als sie auf der CD sind, die ich mir sp�ter gekauft hatte. Aber das zeichnet ja auch gute Livebands aus.

Im Konzertsaal herrschte schnell ein Klima wie in der Saune, aber da mu�ten Zuschauer und Band �ber 90 Minuten durch. Gegen kurz vor 12 war das Konzert wieder vorbei, und die Menge str�mte heim oder in die umliegenden Cafes und Bars, vor allem in die benachbarte und �beraus beliebte Nan Luo Gu Xiang.

�

Solche Abende zeigen mir immer, dass in China viel in Bewegung ist – mehr als Wirtschaftswachstum, Umweltverschmutzung oder die Probleme der Menschenrechte. Es gedeiht hier etwas Neues, Eigenes, die Leute sind kritisch und kreativ, und es zeigt mal wieder, dass dieses Land nicht mit ein paar W�rtern beschrieben werden kann, sondern dass es hier alles gibt. Gutes wie Schlechtes.

�

Wer mal Lust hat reinzuh�ren, die Band ist auf myspace zu finden: Englisch gibt es hier:

http://cn.profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&friendID=1301067668

�

und Chinesisch hier:

http://www.myspace.cn/queenseabigshark

�

Mein Liebling ist �brigens Nr. 5: der Song “hello! passengers!” sowie 6 “love is pop”

�

P.S. Der Bandtitel bezieht sich �brigens auf den benachbarten Houhai See. Allerdings hat der keine Haie, sondern h�chstens ein paar Goldfische, welche bei der akuten Wasserverschmutzung allerdings oft schon an der Oberfl�che treiben (beim letzten Bootstrip, letzten Sonntag, habe ich 3 gez�hlt).

�

Leo.

« Previous PageNext Page »