Im Chinesischunterricht haben wir uns letztens �ber M�rchen und Geschichten unterhalten. Dabei war auch eine �ber Perfektionismus. Und die geht so. 7 Freunde sitzen zusammen. Einer bringt eine Flasche Alkohol mit. Um sie zu teilen, ist es leider viel zu wenig. So beschlie�en sie, um die Wette zu malen. Wer als erstes eine sch�ne Schlange fertig gezeichnet hat, soll die Flasche bekommen. Und so zeichnen sie eifrig los. Einer von Ihnen ist nach kurzer Zeit fertig und hat eine tolle Schlange gemalt. Er schaut sich um�die anderen zeichnen alle noch. Da ihm das zeichnen Spa� macht, f�ngt er an, die Schlange zu verzieren, sie noch sch�ner zu machen. Auch malt er ihr ein paar kleine Beine. Als alle fertig sind, wird er nur ausgelacht. Das sei doch keine Schlange, sagen alle. Ein anderer gewinnt die Flasche Wein, obwohl er nicht der beste Zeichner ist. Im �bertragenen Sinne: Etwas, das gut ist, wird durch noch mehr Arbeit nicht besser. Daf�r gibt es einen chinesischen Satz: �hua she tian zu� (paint snake add foot), der immer dann angebracht wird, wenn jemand zu perfekt sein will.

Leo.

Hallo alle zusammen, Leo und ich sind momentan in Deutschland auf Weihnachtsbesuch.

Wir w�nschen Euch allen ein besinnliches und frohes Weihnachtsfest sowie einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2009, auf dass alle Eure W�nsche in Erf�llung gehen.

Liebe Gr��e Holly und Leo.

In Bussen und Bahnen sind Sitzpl�tze eine echte Mangelware. Bei den Haltestellen gibt es t�glich einen Kampf darum. Allerdings, sobald �ltere Leute zusteigen, �ndert sich das ganze. Innerhalb von wenigen Sekunden findet sich ein j�ngerer, der aufsteht, und seinen Platz anbietet.

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Leo.

Meines Wissens steht ein langer Fingernagel in China daf�r, dass der Tr�ger selber nicht k�rperlich arbeiten muss. Bauern, Bauarbeiter, Handwerker, Fabrikarbeiter, die k�nnen keine langen Fingern�gel haben. Sie w�rden abbrechen bei der t�glichen Arbeit. Wer sich also einen solchen langen Nagel wachsen l�sst, meist am kleinen Finger, ca. 2 cm lang, zeigt, dass er etwas Besseres ist. Verbreitet ist dies vorrangig bei M�nnern. Allerdings habe ich das bei Menschen mit f�r Chinesen �richtig� guten Arbeiten, insbesondere im B�ro, wie Buchhalter, Ingenieur, Hotelmanager, Verk�ufer, Eink�ufer auch noch nicht gesehen. Deren Auftreten ist meist schon sehr westlich. Und so sieht man den langen Fingernagel oft in den Berufen, die genau dazwischen stecken. Keine k�rperliche H�chstleistung, kein Minimallohn, aber auch kein Spitzenverdienst und keine Top Position. Somit grenzt der lange Nagel sowie nach unten, aber auch nach oben eindeutig ab. Der lange Nagel wird deshalb vorrangig von Taxifahrern, Hausmeistern, Sicherheitspersonal sowie Zwielichtigen Verk�ufern von kopierten Uhren getragen.

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Leo.

Suzhou, letzten Freitag, 18 Uhr. Es pfeift ein kalter Wind durch die Stra�en. An der Ren Min Lu, vor dem Armani Gesch�ft, hockt auf Knien eine Bettlerin. Sie verbeugt sich nach vorne, hat die Augen geschlossen. Auf ihrem Schoss ein kleines Kind. Ihr Bettelgeld sammelt sie in einer aufgeschnittenen Getr�nkedose. Die Dose gl�nzt golden, rote Buchstaben schimmern darauf. Es ist eine Getr�nkedose von Red Bull. Zynisch f�llt mir deren Werbespruch ein. �Red Bull verleiht Fl�gel�

Leo.

Als Europ�er sind wir in China ja leicht zu erkennen. Wer dann noch wie wir eine kleine Tasche und Foto in der Hand hat, ist dauernd das Ziel von Verk�ufern, schwarzen Taxen, Bettlern sowie sonstigen Dienstleistern. Eine Gruppe davon sind die Schuhputzer.

Auch wenn meine Sportschuhe nicht sonderlich dreckig waren, und au�erdem nicht aus Leder bestehen, am U Bahn Ausgang der �Ren Min Lu� sprangen 2 Schuhputzer auf mich zu. Ich hatte keine Lust und ging schneller, allerdings die beiden auch. Einer spritze mir im Laufen Schuhcreme auf den Schuh. Holly sah dies und dachte, mein Schuh sei dreckig. Sie rief es mir zu, daraufhin verlangsamte ich meinen Lauf und sah auf meinen Schuh�zu sp�t. Da waren sie schon da und wienerten an den Schuhen rum. Zwar nur auf der Schuhspitze und nur f�r 1 Minute, aber daf�r wollten sie 20 RMB. Auch wenn das nicht viel Geld ist, ich war sehr sauer, weil das in Deutschland schon unter N�tigung gefallen w�re. Wir einigten uns auf 10 RMB, was immer noch viel zu viel ist, und in Zukunft werde ich noch schneller laufen.

�brigens fuhren wir am n�chsten Tag im kleinen St�dtchen Zhujiazhou Boot in einem kleinen Kanal. Am Kanalrand rief uns eine Schuhputzerin zu, dass sie aufsteigen wollte, um uns die Schuhe zu putzen. Nur eindeutige Signale an unseren Kapit�n, das Land nicht anzusteuern, konnten ein erneutes Schuhputzen verhindern.

Ich kann die Leute ja verstehen, wenn jeder versucht, etwas Geld zu verdienen. Aber das ich mir nicht jeden Tag mit dem falschen Putzmittel meine Schuhe wienern lassen will, sollte denen auch einleuchten.

Leo.

Sind wohl die Sachen, die es in Shanghai nicht gibt, aber jeder Tourist haben will. Beim abendlichen Spaziergang durch die Einkaufsstra�e Nanjing Lu wurde ich 20-mal gefragt, ob ich nicht Rolex Uhren oder Luxustaschen erwerben will. Das mag so weit noch einleuchten, allerdings wurde ich auch regelm��ig gefragt, ob ich Interesse an Haschisch habe. Klar, ich habe nix besseres zu tun, als mir in China sch�n einen Joint reinzuziehen. Allein die Vorstellung, mich beim eventuellen Erwischen mit der lokalen Polizei auseinandersetzen zu m�ssen, reicht mir aus. Allerdings werde ich meinen Kleidungsstil noch mal �berdenken m�ssen, denn es kann kein Zufall sein, dass die nur mich angesprochen haben. Oder ob die jeden Touristen Drogen verkaufen?

Zu den gef�lschten Markenklamotten, Uhren und Taschen bleibt zu sagen: Anscheinend ist es wirklich so, dass anders wie z.B. in Beijing diese Dinge nicht offen verkauft werden. Da in Shanghai wohl doch mehr ausl�ndische Unternehmen sind, ist der Druck dort wohl etwas gr��er. Ein paar Freunde, die gerne ein paar Kopien gekauft h�tten, mussten sich erst mal etwas rumfragen, bevor sie in gro�e Lagerhallen au�erhalb der Stadt gefahren wurden. Dort gibt es dann aber auch wieder Luis Vuiton Taschen, Rolex und Omega Uhren sowie Kopien der schrecklichen Ed Hardy Shirts (in Deutschland angeblich 100 bis 160 Euro, hier 30 bis 50 Yuan).

Leo.

Unternehmer sein in China, eine eigene Firma zu haben, dass scheint hier f�r die meisten das Ziel zu sein. Beim Abendessen mit Yunkung stellt er uns u.a. seinen Freund Wang vor. Dieser ist erst knappe 30, arbeitet 12 bis 14 Stunden t�glich und hat 20 Mitarbeiter. Bewunderung, nicht Neid, kommt aus den M�ndern der anderen, wenn es um seine Firma geht. Und jeder hat eine eigene Idee, einen Businessplan oder ein paar Kontakte, mit denen in ein paar Monaten oder 1 bis 2 Jahren der Sprung in die Selbstst�ndigkeit gewagt werden soll. Der Himmel �ber Shanghai ist f�r die junge Elite noch voller Chancen… Risiken sehen sie nicht. Ich finde es toll und hoffe, mir Teile dieses Elans und Optimismus abzuschneiden.

Leo.

Als wir abends in das Auto steigen, und uns Yunkung und Wang durch Shanghai fahren, merkt man ihnen den Stolz an. Hier der Fernsehturm, dort der h�chste Turm Chinas, dazwischen gl�nzen Starbucks und die Logos multinationaler Konzerne. Magnetschwebebahn, Expo 2010, Bauboom. Die Stadt w�chst, man sp�rt den dauernden Umbruch �berall. Stillstand bedeutet hier noch mehr als anderswo R�ckschritt, die Konkurrenz ist riesig. Doch, f�r den Augenblick, genie�en wir die Musik im Auto und fahren durch eine Stadt, die wohl wie New York nun singen darf �I wanna wake up in a city that never sleeps, in Shanghai…

Leo.

Knapp 18 Monate habe ich meinen Studienfreund Yunkung nicht gesehen. Der Kontakt zwischendurch war eher sporadisch. Aber als wir ihm sagten, dass wir nach Shanghai kommen, teilte er uns mit, dass er sich um uns k�mmern wird. Und so kam es auch. Gastfreundschaft wird in China noch gro� geschrieben. Hotel organisieren, mit uns durch die Stadt laufen, auf unsere W�nsche eingehen, all unser Essen bezahlen, dauernd fragen, ob er noch mehr f�r uns tun kann… so etwas ist schon toll, aber es besch�mt mich auch.

Als wir uns das letzte Mal in Deutschland sahen, gab es nur Snacks am Schnellimbiss. Jeder zahlte seinen eigenen Teil. Und die Fussballkarte zahlte auch jeder f�r sich. Aber er hat es mir wohl nicht �bel genommen. Und n�chstes Mal in Deutschland wird es ganz, ganz anders…

Leo.

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