Manchmal frage ich mich, ob es nur Ausreden der Kollegen sind, um mal eine Stunde frei zu haben, oder ob in China doch noch so wenig �ber Bankverbindungen oder Internet geht. Auf jeden Fall verschwinden die Kollegen �fters mal, um verschiedene Erledigungen zu machen. Dabei handelt es sich aber um Sachen, die man in Deutschland entweder �ber �berweisungen, Dauerauftr�ge oder das Internet l�st. In China muss man daf�r aber wohl pers�nlich aktiv werden. Da trifft man sich mittwochs um 11 Uhr, um die Miete pers�nlich beim Vermieter vorbei zu bringen. Um 3 Uhr freitags muss man zum Bahnhof gehen, um Fahrkarten zu kaufen � Internetverkauf gibt es nicht, und die Bahnschalter machen wohl fr�h abends schon zu. Und so geht es weiter: Strom kauft man in der Bank � man gibt Geld und eine Plastikkarte, und der Banker l�dt diese auf. Wenn sie leer ist, gibt es einfach keinen Strom mehr. Bis wieder aufgeladen wird. Das gleich gilt f�r Internet, Warmwasser, Busfahrten, usw.

Gerade auf den Bahnh�fen kommt es Tage vor dem Chinesischen Neujahrsfest wohl immer zu Tumulten, bei denen die Polizei eingreifen muss � zu gro� ist die Angst, keine Fahrkarte zu bekommen. Laut einer Kollegin gab es dieses Jahr in Beijing wohl einen kleinen Aufstand, als Punkt 6 abends die Bahnbeamten die Verkaufsschalter schlossen, obwohl noch hunderte von Kunden seit Stunden sich angestellt hatten.

Leo.

Chinesen haben ja ein etwas anderes Empfinden f�r die Liebe, jedenfalls die meisten, mit denen ich bisher geredet habe. Romantik, Sehnsucht, Gemeinsamkeit haben wenigstens nach au�en hin einen anderen Stellenwert. Heute kam es dann in einem Gespr�ch dazu, dass mich interessiert hat, ob der meistbekannte chinesische Basketballspieler Yao Ming eine Freundin hat. Und falls ja, ist sie klein oder gro�?

Die Antwort war: Ja, er hat eine, und sie ist Basketballspielerin in China. Ob sie es ins Nationalteam geschafft hat, konnte man mir nicht sagen – aber darum geht es auch nicht. Es ist vielmehr so, dass Yao Ming in der NBA spielt und so gesch�tzte 15 Flugstunden von China entfernt ist. Seine Freundin lebt aber weiterhin hier in China. Als ich fragte, warum sie nicht in die USA zieht, teilten mir die verdutzen Kollegen mit, dass sie hier in China Basketball zu spielen hat. Meinem Einwand zu Folge, dass sie sich ja dann recht wenig sehen k�nnen, wurde recht pragmatisch beantwortet. Als Basketballer kann man maximal spielen, bis man bis 35 Jahre alt ist – und danach kann ja einer der beiden zum anderen ziehen. Und bis dahin reicht es ja auch, wenn sie sich alle 8 Wochen mal besuchen – schlie�lich haben sie eine hohe Lebenserwartung und somit noch 40 gemeinsame Jahre vor sich.

Ein romantischer Europ�er bekommt hier sicher einen Bauchkrampf – obwohl, wenn man in Deutschland in einer beliebigen Eckkneipe mal fragen w�rde, ob die Herren gerne noch mehr Zeit mit ihrer Frau verbringen w�rden – wahrscheinlich w�re die Antwort: NEIN!

Liebe Gr��e Leo.

Die R�ckkehr nach Beijing hat uns wetterm��ig voll erwischt. Wir vermissen jetzt schon den blauen Himmel, der �ber Deutschland herrschte. Egal ob Rostock, Hamburg, Bremen oder Essen, wo Holly oder ich auch hinfuhren, �berall war klare Sicht. Bei der R�ckkehr nach Beijing allerdings nicht.

Heute morgen � Regen! Obwohl, der Regen hat ja auch seine Vorteile, wie ich an anderer Stelle schon berichtet habe. Da es bei Regen immer sehr schwer ist, ein Taxi zu finden, beschloss ich heute morgen, dennoch mit dem Rad zu fahren. Neben einer Tschibo Regenhose, welche ich aus Deutschland eingef�hrt hatte, bin ich auch stolzer Besitzer eines chinesischen Fahrradregenponschos. Die Chinesen nennen das vereinfacht einfach “y?y?”. Das kommt von Regen (y?) und Kleidung (y?f�). Dieser kann vorne mit einer Klammer am Fahrradkorb eingehakt werden, h�ngt dann �ber Lenker und Arme und sorgt daf�r, dass man nicht nass wird. F�r den Regen von unten, wie Forest Gump sagen w�rde, gibt es ja dann die Radregenhose. So ger�stet bin ich losgezogen. Wenn es keine unterschiedlichen Farben dieser Ponschos geben w�rde, w�rden an Tagen wie dieser alle Radfahrer gleich aussehen. Ohne diesen Ponscho geht bzw. f�hrt keiner wirklich los, allerdings haben die wenigsten bisher die Regenhose f�r sich entdeckt. Das Fahren mit dieser Kleidung erschwert das Vorankommen erheblich. Insbesondere der wichtige Schulterblick ist nur schwer m�glich. Aufgrund des festgeklemmten Ponschos am Korb kann man sich nicht so einfach umdrehen bzw. wenn man sich umdreht, dreht sich der Anzug nicht mit. Man blickt also halb in den gelben Plastiksack, und nur halb auf die Stra�e. Dank des Regens sind auch die Bremseigenschaften des Rades extrem eingeschr�nkt, und da ich ungern durch tiefe Pf�tzen fahre, m�ssen zus�tzlich noch Slalomkurven eingebaut werden. Dank des luftundurchl�ssigen Stoffes bleibt man zwar vom Regen gesch�tzt, schwitzt aber einiges an Feuchtigkeit zusammen, so dass man doch nicht trocken ankommt. Als ich dann aber stolz im B�ro ankam h�ngte ich mein Regenponscho gut sichtbar auf – die Chinesen sch�tteln bei so was nur den Kopf. Wer es sich leisten kann, f�hrt da lieber Taxi.

Die sch�nste Begegnung beim Regenwetter war allerdings ein Paar auf dem Motorrad. Er fuhr, sie umarmte ihn einh�ndig von hinten und hielt einen Regenschirm gegen die Fahrtrichtung, um ihren Geliebten und sich vor Regen zu sch�tzen. Ob er zwingend viel gesehen hat, weiss ich nicht, allerdings wird das gute M�dchen heute sicher �ber Muskelkater im Arm klagen. Ich hoffe, sie sind nicht zu lange gefahren. Dieser Anblick war �brigens auch f�r die chinesischen Kollegen neu, sie hatten so etwas noch nicht gesehen. Somit lernt man jeden Tag etwas neues in der gro�en Stadt Peking.

Liebe Gr��e Leo.

Kurzbesuch in Deutschland. 8 Tage frische Luft; Kollegen, die einem nach dem Leben in Beijing fragen; gr�ne Flecken �berall in der Stadt; ich entdecke die Langsamkeit der Metropole Hamburg; Menschen, die mich �berall verstehen, wenigstens sprachlich; Stra�encafes und unzensierte Zeitungen…es sind viele Eindr�cke, die auf einen einstr�men.

Ich merke, dass mir einiges in Beijing fehlt – und bin doch froh, bald wieder weg zu sein. Ich merke, dass ich mich nach meiner R�ckkehr nach Deutschland schnell wieder heimisch f�hlen werde, und doch, noch ist keine Zeit daf�r. Ich merke andauernd, dass ich vergleichen will. Was ist besser, was schlechter, was fehlt mir, was sch�tze ich an dem Leben hier. Ist es �berhaupt vergleichbar? Oder sollte man es einfach kommentarlos lassen – 2 Welten, die zueinander geh�ren, und doch nicht ineinander passen? Ich wei� nicht so genau, was ich schreiben soll. Doch was mir doch angenehm auff�llt in Hamburg ist die Tatsache, dass ich hier einer bin – einer von vielen. Ich falle nicht auf. Wegen mir �ndern sich die Preise im Restaurant nicht, es wird niemand freundlicher, aber ich habe auch nicht das Gef�hl, beobachtet zu werden.

Das Leben hier in Deutschland erscheint mir leichter, weniger Planung, es ergibt sich so, Auswege finden sich einfacher. Ich merke, dass ich hierher geh�re. Langfristig. Aber noch ist die Reise nicht zu Ende…und manches w�rde ich doch gerne �bernehmen. So h�tte ich die Kellnerin im Restaurant heute gerne mit einem lauten Fuwuyuan (noch besser im Beijinger Dialekt “Fuwuyu-ar”) auf uns aufmerksam gemacht. Stattdessen recke ich leicht den Arm, starre sie an und hoffe, dass sie mich irgendwann bemerkt, zu uns kommt, und ich sagen kann: “Entschuldigen Sie, aber wir w�rden gerne zahlen”. Und wenn am Freitag der Heizungsmechaniker kommt, und ich danach auf die Rechnung blicke und aus den Latschen kippe, dann wei� ich: Hier bin ich daheim, hier geh�re ich hin. Beijing, 10 Flugstunden nur entfernt, du bist eine anderer Welt. Ich vermisse dich, aber wenn ich dich wieder habe, z�hle ich die Tage, dich wieder zu verlassen.

Liebe Gr��e Leo.

Hat man so etwas schon geh�rt, zwei �ltere Damen, die eine 77ig Jahre und die andere 79ig Jahre, wurden verurteilt, weil sie w�hrend der Olympiade in einer der daf�r ausgewiesenen Protestzonen versucht haben sollen zu demonstrieren. Ihnen droht nun ein Jahr Aufenthalt in einem Arbeitslager. Das ganze wird als Umerziehung durch Arbeit bezeichnet. Diese Strafe wird normalerweise in China f�r geringf�giges Vergehen verh�ngt, soll aber auch oft Oppositionelle treffen. (Was, wie ich finde, schon schlimm genug ist, dass es so etwas Hinterweltlerisches noch gibt.)

Die Frauen hatten wohl mehrfach eine Demonstrationserlaubnis beantragt, aber leider nicht bekommen. Momentan wurden die Frauen noch nicht in ein Arbeitslager geschickt, allerdings sollen ihre Pers�nlichkeitsrechte und ihre Bewegungsfreiheit stark eingeschr�nkt sein.

Irgendwie komm ich da nicht mit. Hat die chinesische Regierung jetzt schon echt Angst vor der Meinung zweier alter Frauen? Warum hat China �berhaupt die Demonstrationszonen eingerichtet, wenn sie doch schon vorher wusste, dass sie nie eine Demonstrationserlaubnis erteilen w�rden. Denn soweit ich wei�, wurden wohl alle gestellten Antr�ge, auch abgelehnt. China wollte sich wohl vor der Welt�ffentlichkeit wieder mal ganz offen pr�sentieren, und zeigen, dass die Leute ein Recht haben zu demonstrieren. Hatten die wirklich gedacht, dass kein Mensch versuchen w�rde, von seinem Demonstrationsrecht Gebrauch zu machen?

Die Chinesen � manchmal frag ich mich echt, was die sich bei manchen Aktionen so denken.

�ber die Wasserqualit�t in China h�rt man ja so einiges. Und die wenigen Fl�sse oder Seen, die es in Beijing gibt, die sehen auch nicht immer zwingend gut aus. Selbst in den vielen Parks gibt es Probleme � so schwammen zum Beispiel neulich im Longtan Park die Zierfische mit dem Bauch nach oben. Und das ist ein k�nstlicher See, abgetrennt von nat�rlichem Zufluss � ich h�tte erwartet, dass wenigstens hier das Wasser besser ist. Aber das st�rt die Pekinger nicht. Nebenan, neben der dicht befahrenen Guang Anmen Nanbinghe Lu verl�uft ein ca. 15 Meter breiter Kanal, in dem die Pekinger baden. Und an anderen Stellen, z.B. im Liangmaqiao Fluss oder am noch gr��eren See des Honglingjin Parks halten sogar Angler ihre Rute ins Wasser. Ob das �berhaupt legal ist, wei� ich nicht. Derzeit hat es eher etwas von Maden baden, denn ich habe bisher noch nicht gesehen, dass ein Fisch anbei�t � geschweige denn, dass einer in den vom Angler mitgebrachten Beh�lter liegt.

Sollten Sie dennoch mal einen fangen, so hoffe ich, dass er eines schnellen Todes stirbt � im Restaurant werden die Fische n�mlich erstickt. Raus aus dem Wasser, rein in den trockenen Eimer, gewogen, an den Tisch gebracht, gezeigt, und dann ab in die K�che. Unsere Bitte, den Fisch eins �berzuziehen, damit er nicht mehr zappelt, hat der Kellner �brigens nicht verstanden.

Liebe Gr��e Leo

In Deutschland sie sie ja gef�rchtet � wenn auch meist nur wegen ihrer Preise. Hier in China habe ich sie f�rchten gelernt wegen ihrer teilweise chaotischen Arbeitshaltung � die Handwerker.

Beispiel 1: Die vor 2 Wochen neu installierte T�r in unserem B�ro schlie�t nicht mehr automatisch. Der Bolzen, der vom T�rrahmen oben in der T�re einschlie�en soll und somit ein Eindringen f�r Unbefugte unm�glich machen soll, bewegt sich nicht mehr. Flugs wurden die Handwerker gerufen, um das zu reparieren. Als sie eintreffen, kommt es zum ersten Problem: Sie haben ihre Leiter vergessen. Klever wie sie sind, leihen sie sich einen Rollcontainer von uns und stellen sich drauf. Ca. 1 Stunde sp�ter funktioniert die T�r wieder, aber dem Rollcontainer wurde dabei ein Rad abgebrochen. Aber kein Problem, sie versprechen uns, morgen einen anderen Kollegen zu schicken, der dann den Rollcontainer repariert. Bin gespannt, was dieser Kollege anstellt.

Beispiel 2: In Hollys B�ro gib es ein gro�es Aquarium. Das sollte gereinigt werden. Eine Firma wurde extra beauftragt, die Fische zu entnehmen, zu reinigen, neues Wasser einzulassen und die Fische wieder einzusetzen. Das wurde auch alles ausgef�hrt. Allerdings benahmen sich die Fische am drauffolgenden Montag sehr sonderbar. Sie schwammen kaum noch, lagen teilweise schr�g im Wasser, hielten sich alle in einer Ecke auf und wirkten alles andere als fidel. Nach kurzem �berlegen fiel der Groschen: Die Jungs hatten viel zu kaltes Wasser eingef�llt. Ein R�ckruf bei den Handwerkern ergab die gute Anweisung, doch etwas zu warten, dass Wasser werde sich schon noch erw�rmen. Auch der kurzzeitige Einsatz eines Tierarztes konnte nicht verhindern, dass ein Gro�teil der Fische nicht mehr zu retten war.

Ich finde, man sollte sich wirklich �berlegen, ob man kleine Reparaturen nicht selber ausf�hrt.

Liebe Gr��e Leo!

Die Olympischen Spiele sind vorbei. Schade!!! Sie waren schon sch�n, sehr gut organisiert, und auch die einzelnen Veranstaltungsorte wie z.B. das �Birds Nest� oder die Schwimmhalle waren sehr beeindruckend und wirklich perfekt gestaltet. Allerdings muss ich sagen, dass wenn man sich nicht direkt an den jeweiligen Austragungsorten (z.B. das komplette Olympia Gr�n oder am Worker Stadium oder Worker Gymnasium) befand, man auch nicht so viel vom Flair der Olympischen Spiele (das durchaus mit den Fans aller Nationalit�ten vorhanden war) mitbekommen hat. Oder auch die gro�en Menschenmassen, die in Peking erwartet wurden, fand ich, sind gar nicht so aufgefallen. Ob das nun an der unwahrscheinlichen Gr��e von Peking liegt oder an der Tatsache, dass viele Menschen, wie u.a. die Wanderarbeiter sowie Ausl�nder f�r 2 oder mehr Monate Peking verlassen mu�ten, oder aber auch die Tatsache, dass viele Chinesen ohne Ticket oder triftigen Grund (z.B. Arbeit) erst gar nicht mehr nach Peking rein durften. Ich wei� es nicht! Jedenfalls hatte ich mit mehr Chaos gerechnet.

Und die Wettk�mpfe und Zuschauer selbst? Ja� Ich hatte das Gl�ck neben Handball, auch noch Boxen, Leichtathletik und Hockey anschauen zu d�rfen. Dabei war definitiv Leichtathletik im �Birds Nest� mit Abstand das Beste. Die Stimmung war super, das Stadion war gut gef�llt und wir hatten echt gute Pl�tze, vielleicht gerade mal 5 m von den Weitsprunggruben entfernt. Einfach der Hammer! Etwas entt�uschend hingegen war das Hockeyspiel (und damit meine ich nicht das Stadion). Erstes Spiel: China gegen Neuseeland mit wirklich gut gef�llten R�ngen und vielen jubelnden Chinesen. Zweites Spiel: Auch wenn eine Stunde sp�ter, Deutschland gegen Spanien. Alle R�nge zum gr��ten Teil leer, lediglich zwei wirklich kleine deutsche Fanblocks und ein paar Spanier. Auch wenn das Spiel sch�n anzusehen war, konnte von Stimmung keine gro�e Rede mehr sein. Die Chinesen kommen wirklich nur f�r ihre Mannschaften und Sportler, die sie dann auch gewinnen wollen sehen.

Ich frage mich manchmal, woran sich diese Nation eigentlich orientiert, um einen solchen Nationalstolz zu entwickeln. Denn eigentlich sind die Chinesen �berhaupt keine homogene Gemeinschaft, und bei dem t�glichen �berlebenskampf auf den Stra�en und dem doch eher unfreundlichen Verhalten untereinander f�llt es mir schwer, hier eine Gemeinschaft zu entdecken. Die Gruppen, die mir hier einfallen, sind spontan folgende: Alt und jung, modern und traditionell, arm und reich, sportlich und faul.

Sicher, auch in anderen Gesellschaften gibt es diese Gegens�tze, aber nirgendwo sind diese meines Erachtens dann so 100% klar mit Grenzen belegt. Zum Beispiel modern vs. traditionell. Eine Kollegin, die sich als traditionell bezeichnet, w�rde nie abends in eine Bar gehen oder Alkohol trinken. Beides gilt als westliches Laster. Bis sie heiratet, lebt sie alleine (wenn sie eine Arbeit in einer anderen Stadt hat) oder bei Ihren Eltern. Der Freund muss Chinese sein, ebenfalls traditionell, und dann ist die Aufgabenteilung klar: Sie Haushalt, Kinder, ggf. noch Arbeiten, und er macht Karriere. Musik wird leise geh�rt und nat�rlich nur dass, was auch die Omas schon h�rten.

Ganz anders die Chinesinnen, die sich selber als eher modern bezeichnen. Da wird gezecht, Bier, Schnaps, Champagner durcheinander bestellt. Die R�cke der M�dels gehen eher als breitere G�rtels durch. Die M�nner fahren mit ihren Autos vor, stehen am Rande der Tanzfl�che und gucken grimmig. Es wird westliche Musik oder chinesische Musik mit westlichen Wurzeln geh�rt. Marken m�ssen sein. Es wird gerne geprotzt und geprasst, Konsum ist Hobby Nummer 1.

Was mir fehlt, ist die goldene Mitte. Einer, mit dem man ein Bierchen trinken kann und dann nicht gleich abst�rzen muss � aber halt auch einer, der sich nicht weigert, in eine Bar zu gehen.

Liebe Gr��e Leo

Eigentlich kann man sich das als Europ�er gar nicht vorstellen. In Peking sind die Radwege, zumindest an den Hauptstra�en, teilweise gr��er als in manchen Orten Deutschlands normale Stra�en. So steht man z.B. mit ca. 30ig, 40ig oder mehr Leuten (allerdings nur zu bestimmten Sto�zeiten) zusammen an einer riesigen Kreuzung, die man �berqueren m�chte.

Seit einigen Monaten nun st�rze ich mich auch jeden Morgen und jeden Abend in das chinesische Get�mmel. Es ist immer wieder ein Erlebnis. Fahrrad fahren in Peking: Super anstrengend und nicht ganz ungef�hrlich.

Man muss schon h�llisch aufpassen. Da kommen die Autos auf dem Radweg (Ja, richtig gelesen, Autos!!!) von der einen Seite, die Fu�g�nger, die den Radweg meistens �berqueren m�ssen, um zur Busstation zu kommen von beiden Seiten, dann haben wir noch die Mofas von hinten und manchmal sogar noch entgegenkommende Fahrr�der von vorne, sowie parkende Autos an den Seiten des Radweges und pl�tzlich anhaltende oder losfahrende Taxifahrer. Ach ja und nicht zu vergessen die Radfahrer selbst, von denen sich einige auch als M�llsammler bet�tigen und manchmal so gewaltige Ladungen transportieren, dass sie damit den halben Radweg versperren. So� und alle zusammen versuchen nun so schnell wie m�glich voranzukommen, da bleibt nat�rlich Gedr�ngel, Rumgehupe und Geklingel sowie ein bisschen Geschupse auf den Fahrr�dern nicht aus.

Es ist schon verwunderlich, dass bei einer, ja doch eher r�cksichtlosen Fahrweise, die hier in Peking vorherrscht wirklich nicht mehr oder gr��ere Unf�lle passieren. Obwohl, auch mich hat man schon das eine oder andere Mal fast umgefahren, oder man ist mir hinten Reingefahren. Wie das? Na ja, die meisten Fahrr�der und Mofas besitzen anscheinend (auf Grund ihres Alters) keine anst�ndigen Bremsen, so dass halt auch die F��e als Stopphilfe dienen m�ssen. So geschah es dann, dass sich der Fahrradlenker eines �lteren chinesischen Herrn in meinen Lenker so verkeilte, dass ich an ein parkendes Auto abgedr�ngt wurde, dort entlang schrammte und dann noch fast auf die Fre� geflogen bin. Und der Alte?! Der lachte und fuhr einfach weiter. Echt super!!! (O.K., au�er einem v�llig verbogenen Lenker und einem demolierten Einkaufskorb ist ja auch nichts passiert.)

Aber es gibt auch sch�ne Erlebnisse unterwegs mit dem Fahrrad. Es wird sich unterhalten, gesungen, ich werde begleitet oder von einigen jungen oder �lteren M�nnern ausgefragt (die Chinesen sind echt neugierig). Letztens zum Beispiel, da habe ich mir mit einen etwas j�ngeren Chinesen ein Wettrennen auf einem �berf�llten Radweg geliefert: China gegen Deutschland, passend zur Olympiade! Leider muss ich gestehen, dass China wieder einmal, wenn auch knapp, die Nase vorne hatte.

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