Erlebnisse in China


Ich wurde gefragt, ob ich Kontakte zu einem Chinaexperten herstellen kann, der Vortr�ge auf einer Kreuzfahrt halten kann. Irgendwie reizvoll, so ein Job. Schade, dass ich ihn nicht selbst �bernehmen kann.

Nein, jetzt folgt nichts besinnliches. In China ist morgen der Nationalfeiertag, 1. Oktober, der Gr�ndungstag der VR China. Ich erinnere mich bisher nur mit Grauen an jeden 1. Oktober zur�ck, den ich in China verbracht habe.

Das erste mal, als ich beruflich in China war, verbrachte ich einen Gro�teil meiner Zeit damit, M�glichkeiten zu finden, Reiseschecks und Bargeld in Banken in RMB zu tauschen. Damals war das noch schwierig, da viele Banken w�hrend der Woche nach dem 1. Oktober keine Reiseschecks annahmen und entweder kein Geld tauschen wollten oder nur kleine Summen. Hotels tauschten wirklich nur f�r G�ste, w�hrend sie sonst f�r jeden tauschten. Ich wusste das nat�rlich vorher nicht. Das war meine erste wichtige China-Lektion: Auch die einfachsten Dinge, die in Deutschland selbstverst�ndlich sind, darf an in anderen L�ndern nicht als Selbstverst�ndlich voraussetzen.

Die zweite ungute Erinnerung (und die dritte) sind nat�rlich Reisen w�hrend der Woche nach dem 1. Oktober. Viele Chinese benutzen die freien Tage, um zu reisen oder Verwandte zu besuchen. D.h. es ist schwer, irgendwelche Tickets zu bekommen. Wenn man irgendwo ist und nicht im Voraus bestellt hat, kann es sein, dass man ein paar Tage festsitzt.

Dieses mal bleibe ich in Peking und werde wohl die Zeit mit Sightseeing und Software-Updates verbringen. Eventuell werde ich auch mein Fu�ball-Vokabular mit der chinesischen Version von FIFA 2007 ausbauen (Originalversion: 69 RMB).

Schade. Eigentlich dachte ich, wenn der erste gegen den zweiten in der Bundesliga spielt m�sste es sogar in China live �bertragen werden. Bisher kam Tischtennis, die Ziehung der Lottozahlen, ein Bericht �ber die Frauen-Fussball-WM und eine Menge Werbung. Das f�hrt einem mal wieder vor Augen, was f�r einen niedrigen Stellenwert die Bundesliga in China noch hat. Bayern sollte unbedingt mal einen chinesischen Nationalspieler verpflichten.

Nachtrag:
Tats�chlich doch noch. Mit 45 Minuten Versp�tung kommt das Spiel doch noch. �rgerlich, dass ich mir nicht verkneifen konnte, den Zwischenstand in Spiegel Online anzuschauen.

So, die Verl�ngerung der polizeilichen Registrierung habe ich gemacht. Anscheinend hat sich doch nicht so viel ge�ndert. Ausl�nder ben�tigen die Best�tigung, dass man wirklich in der Wohnung wohnt, nur einmal (???). Das bedeutet, die n�chste Verl�ngerung kann ich wieder selbst machen (wenn die Regelung bis dahin nicht wieder ge�ndert wird).

Jetzt steht erstmal die Zusammenstellung eines Care-Packets aus Deutschland an:

1) Schokolade
2) Schokolade
3) Schokolade
4) Lebkuchen (gibts den jetzt schon?)
5) Noch mehr Schokolade

Was macht man, wenn der Vermieter Steuern sparen will? Mein Vermieter ist wohl f�r die n�chsten Tage nicht gut auf mich zu sprechen, da ich auf eine Quitting f�r die Miete bestand.

Die Vorgeschichte:

Beim Einzug in die Wohnung hatten wir nat�rlich f�r die polizeiliche Anmeldung alles ordentlich abwickeln m�ssen, da der Vermieter mit zur Polizeistation gehen und die Bescheinigung vorweisen musste, dass er Steuern bezahlt hatte. Anschlie�end bekam ich meine Aufenthaltsgenehmigung (Temporary Residence Permit).

Die Verl�ngerungen der “Temporary Residence Permit” (???????) konnte ich dann immer ohne Vermieter machen.

Jetzt wurden anscheinend die Regeln bei der Beh�rde ge�ndert. Ich ben�tigte dieses mal f�r die Verl�ngerung der Aufenthaltsgenehmigung eine Best�tigung, dass ich auch wirklich in der Wohnung wohne (???) . Klar, dass das dem Vermieter nicht passt. F�r diese Best�tigung muss er bei der Verwaltung sowohl Mietvertrag als auch die Steuerbescheinigung vorlegen (ist wohl auch der eigentliche Sinn der neuen Regelung).

Das bedeutet, viele Vermieter, die bisher nur beim Einzug eines Mieters die Steuern bezahlt haben (es sind 5 Prozent) werden jetzt quasi dazu gezwungen, auch bei Vertragsverl�ngerungen Steuern auf die Mieteink�nfte zu zahlen, selbst wenn der Mieter keine offizielle Rechnung f�r die Miete ben�tigt.

P.S.: Die Miete kann man als Arbeitnehmer �brigens von der Steuer absetzen, also immer eine Quitting (?? = fa piao) verlangen.

Hier einige Sachen, die man beim Einzug in eine Wohnung beachten sollte:

  • Gef�lschter Mietvertrag. Dies ist ein beliebter Steuerspartrick. Man hat einen “normalen” Mietvertrag mit dem Vermieter und einen, der dann nur f�r die Abrechnung der Steuer verwendet wird. Der Mietvertrag f�r die Steuerbeh�rde ist nat�rlich so niedrig wie m�glich angesetzt. Auf so etwas sollte man sich auf keinen Fal einlassen.
  • Vor allem, wenn man in China arbeitet immer eine Quittung verlangen, da man die Miete von der Steuer absetzen kann
  • Den Mietvertrag immer genau durchlesen und sich daf�r auch Zeit einr�umen lassen. Wirklich jedes M�belst�ck in einer m�blilierten Wohnung �berpr�fen. Nicht aus H�flichkeit dem Vermieter zuviel Vertrauen schenken. Au�erdem sollte nat�rlich im Mietvertrag genau gekl�rt sein, wer welche laufenden Kosten bezahlt (Heizung, Wasser …).
  • Wer auf Internet angewiesen ist sollte vor dem Einzug schon �berpr�fen, welche Anschlu�m�glichkeiten es in der Wohnung gibt.
  • Sich eine Kopie des “Property certificate” geben lassen, also den Beweis, dass der Vermieter auch Eigent�mer der Wohnung ist.
  • Beim Auszug auf die R�ckzahlung der Kaution bestehen. Sp�testens beim Auszug muss man sich nicht mehr so um eine gute Beziehung zum Vermieter k�mmern. Auf keinen Fall einsch�chtern lassen wegen irgendwelcher angeblicher Reparaturen. Die sind in China extrem billig und meist nur vorgeschoben. Eine M�glichkeit ist, die Kaution “abzuwohnen”, d.h. einfach l�nger in der Wohnung zu bleiben. Fast alle Vermieter werden irgendwie versuchen, die Kaution einzubehalten.

Da f�llt mir noch was zum Thema “Human Resource” ein. Ich habe meiner Buchhalterin auf chinesisch gesagt, sie k�nne fr�her gehen, es sei nichts mehr zu tun. Sie war ganz erschrocken und dachte, sie sei gefeuert. Da ich sonst eigentlich sehr umg�nglich bin, hat sie sicherheitshalber nochmal nachgefragt, weil sie so eine pl�tzliche “K�ndigung” von mir doch komisch fand.

W�re dumm gewesen, wenn sie einfach das B�ro verlassen h�tte und nicht mehr zur Arbeit erschienen w�re.

Unternehmer, die nach China gehen und denken, sie k�nnten nur mit Schmiergeld weiterkommen, nerven. Ich habe heute den absoluten Prototypen eines Unternehmers kennengelernt, dem ich eigentlich nur raten kann, China so schnell wie m�glich zu verlassen. Es war sein erster Chinabesuch und er ist (so dr�ckte er sich aus) “auf wirklich alles vorbereitet”. Beraten lassen hat er sich vorher nicht – selbst ist der Mann und er hat deshalb lieber direkten Kontakt mit chinesischen Gesch�ftspartnern aufgenommen (vielleicht ist ja auch ein “gewisser Mister Wang” dabei 🙂

Wenn ich als Deutscher mit einer Firma in China verhandle ist der Tenor: “You are German – I can trust you”. Als Deutscher hat man immer noch einen sehr guten Ruf und wird automatisch mit Tugenden wie Zuverl�ssigkeit, Flei� und technische Kompetenz in Verbindung gebracht – das bringt auf jeden Fall auch Vorteile, wenn man etwas teurer ist.

Wenn das so weiter geht hei�t es in ein paar Jahren wohl eher “You are German? How much do you pay?”

Ist doch klar wenn ein chinesischer Gesch�ftsmann, “Berater”, Zollbeamter oder auch Politiker von dem deutschen Unternehmen X irgendwelche Zuwendungen bekommt (k�nnen auch teure Geschenke oder beim Zoll ein Anteil der Ladung sein), dass er es auch von anderen deutschen Unternehmen erwartet.

Ich kann zwar irgendwie verstehen, dass inkompetente Manager in China glauben, sich mit Zuwendungen (das wird dann meistens wohl �ber einen chinesische “Berater” abgewickelt, auf den dann die Verantwortung abgeschoben wird) das Leben erleichtern zu k�nnen, langfristig ist die Strategie extrem dumm, da man sich korrupte Beamte und Gesch�ftspartner quasi heranzuchtet und im Prinzip erpressbar wird.

Nat�rlich hat ein solches extrem egoistisches Verhalten auch Auswirkungen auf andere ausl�ndische Firmen, die es mit denselben Beamten und Gesch�ftspartnern zu tun bekommen.

Gestern habe ich genau zwei Fehler gemacht. Ich bin in ein Taxi gestiegen und ich bin im Taxi sitzen geblieben. Die Fahrt von Wudaokou zum World-Trade Center hat zwei Stunden gedauert – mit der U-Bahn sind es ca. 40 Minuten. Es war aber wieder eine gute Gelegenheit, den Egoismus, der auf den Stra�en herrscht, zu beobachten.

Kreuzung freimachen bei roter Ampel? Keine Spur davon, lieber blockiert man f�r ein paar gewonnene Meter auch den Verkehr, der dann von links und rechts kommt.
Fu�g�nger warten auch nicht auf Gr�n sondern auf die beste Gelegenheit, die Stra�e zu �berqueren.

Ich finde, es ist ein Wunder, dass am Bahn�bergang an der Wudaokou Subway Station (der �brigens von Hand betrieben wird) noch nichts passiert ist.

Ich habe heute im chinesischen Restaurant die Rechnung �bernommen. Es war der letzte Tag in China eines Mitarbeiters und au�erdem war das Essen billig. Das habe ich auch auf chinesisch so gesagt. Die Sekret�rin hat es auf englisch �bersetzt – allerdings nur den ersten Teil. Das mit dem billigen Essen fehlte in der englischen Version.

Ich hatte einem Autor einmal versprochen, eine Rezension �ber sein Buch auf meiner Webseite zu ver�ffentlichen. Ich habe sein Buch gelesen, das sich schon sehr konzeptionell von vielen Business-Knigges abhebt. Ich glaube es war in einem der letzten Kapitel, der Inhalt meines Aufsatzes f�ngt an, in mir zu wachsen …
Der Autor verwendet in seinem Buch kaum chinesische W�rter – um ehrlich zu sein, das einzige chinesische Wort, das mir aufgefallen ist, war das Wort”Guangxi”. Guangxi ist eine chinesische Provinz. Gemeint hat der Autor aber guanxi ( ??), was soviel hei�t wie “Beziehungen”.

Im Moment habe ich keine Lust mehr, eine Rezension zu schreiben, ich werde es aber noch nachholen, wenn ich mich erholt habe.

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