IT


Naja, in einem Kommentar wurde ich darauf hingewiesen, ich sollte doch mal �ber etwas positives berichten. Wenn Blogspot wieder entsperrt ist, werde ich das mit Sicherheit melden.

In der Zwischenzeit der Hinweis, dass Wikipedia mal wieder nicht aus China zug�nglich ist.

Es ist ja schon �fters vorgekommen, dass ein Kunde eine Webseite wollte und wir bei der Suche nach Namen feststellen mussten, dass der Firmenname bereits mit der Domainendung “de” registriert war, bei gr��eren Firmen auch alle anderen g�ngigen Domainendungen.

Oft handelt es sich dabei um sogenannte “Cybersquatter” die Domainnamen von ber�hmten Pers�nlichkeiten oder Unternehmen registrieren, um sie dann zu verkaufen.

Inzwischen hat man in Deutschland als Betroffener recht gute Chancen, Domaingrabber und Cybersquatter zur Herausgabe der Domain zu zwingen, wenn man nachweisen kann, dass man berechtigtes Interesse hat, diese Domain zu verwenden.

Die IHK Heilbronn weist jetzt in ihrem Newsletter darauf hin, dass “betr�gerische” chinesische Unternehmen immer �fter die cn-Domain von ausl�ndischen Firmen registrieren und diese dann anschreiben. Gleichzeitig empfiehlt sie aber auch, diese Betr�ger quasi zu unterst�tzen, in dem man �ber die “German Industry and Commerce” an die Cybersquatter herantritt und die entsprechende Domain abkauft. Gut, das ist wohl auf jeden Fall besser, als auf solche Emails direkt zu antworten (wenn man vom Domaingrabber direkt angeschrieben wird) oder mit dem Domaingrabber direkt zu verhandeln.

Ich h�tte aber einen grunds�tzlich besseren Vorschlag: Gro�e Unternehmen haben sowieso genug Geld, die k�nnen in China entweder klagen oder bei der CIETAC die Herausgabe der Domain beantragen. Das ist schon aus Prinzip besser, als Cybersquatter zu unterst�tzen und in ihrem Gesch�ft zu best�rken

F�r kleine und mittelst�ndische Unternehmen habe ich einen noch besseren Tip: Einfach ignorieren. Entweder auf einen anderen Namen (z.B. in Kombination mit dem Landesnamen) ausweichen oder eine andere Domainendung w�hlen. Es gibt eigentlich f�r ein kleines oder mittelst�ndisches Unternehmen kaum einen vern�nftigen Grund, sich auf einen Domainnamen festzulegen oder auf eine L�ndesendung.

Da tu ich einem Kunden in Peking einen gefallen und lasse ein Script, das eine Newsletter-Anmeldung versendet, auf meinem Server laufen. Das Script hat dann ab und zu die An- und Abmeldungen an den Server des Kunden versandt – bis ich auf der Spamliste des Kunden gelandet bin. Mit keinem der ca. 100 Mitarbeiter konnte ich mehr kommunizieren und habe mich tagelang gewundert, weshalb ich auf meine Anfragen keine Antwort bekomme. Jetzt haben wir uns dochmal die M�he gemacht, den Mailserver des Kunden richtig einzurichten, das Script l�uft jetzt bei ihm und ich habe wieder eine Menge chinesische IT-Fachausdr�cke gelernt – ein paar Kraftausdr�cke waren auch dabei.

Es lohnt sich ja gar nicht mehr, eine Nachricht dar�ber zu verfassen. Zumindest aus Peking ist http://blogspot.com wieder mal nicht erreichbar. Schade eigentlich, kann ich jetzt doch den ein oder anderen Blog von Mitarbeitern nur noch �ber proxy-server lesen. Eine M�glichkeit dazu ist �brigens der Dienst: www.anonymouse.org.

Was gabs sonst noch neues diese Woche? Nicht ganz unlustig (wenn auch etwas traurig, das zu beobachten) war eine Polizeirazzia in Peking bei Wudaokou. In der N�he der U-Bahn-Station hatten sich in den letzten Wochen immer mehr illegale Stra�enh�ndler angesammelt, es hatten sich wohl einige angrenzende Gesch�fte beschwert, zumindest sind sie zuerst von der S�dwest-Seite der Kreuzung auf die Nordseite gewandert, danach waren sie geballt an direkt an der U-Bahn-Station, man konnte kaum noch den Gehweg benutzen – und gestern wurde die Kreuzung ger�umt und den weinenden und schimpfenden H�ndlern die Ware abgenommen.

Hier findet Ihr ein interessanters Interview mit Matt Cutts, dem Leiter des google Webspam Teams, �ber SEO und Internetsuche in China.

Interview mit Matt Cutts �ber Suche und SEO in China.


Wenn ich eine Webseite f�r einen Kunden aufbaue, soll sie auch erfolgreich sein.

Das Ziel einer Webseite;
a) Besucher
b) Umwandlung der Besucher in richtige Kunden

Vor ein paar Tagen hatte ich ein Treffen mit einem potentiellen Kunden wegen seiner Webseite. Sie haben wohl erst k�rzlich einiges an Geld und Zeit f�r ihre jetzige Webseite investiert. Sie sah modern aus, tolles Design in Flash.
Dummerweise gab es ein paar Probleme.

  1. Die Webseite war 100% in Flash, d.h. nicht besonders suchmaschinenfreundlich. Webseiten k�nnen zwar Flash-Elemente enthalten, zumindest die Navigation und der Inhalt sollte aber in HTML sein.
  2. Die Zielgruppe waren ausl�ndische Kunden (d.h. nicht-chinesische), die Webseite war in HK gehostet. Aus Deutschland ben�tigte man ca. 1 Minute Ladezeit pro Seite. D.h. selbst wenn sie jetzt anfangen, Bannerwerbung auf anderen Webseiten zu oder google-adwords schalten, wird wohl kaum ein Besucher solange warten, bis die Seite l�dt – ich war so ehrlich und habe ihm auch von Werbung auf meiner eigenen Seite abgeraten – bevor er seine Webseite nicht ge�ndert hat.
  3. �Das lustigste war, dass der Grafikdesigner java-script verwendet hat, um die Flash-Animation zu laden. Suchmaschinen k�nnen diesem Javascript-Link nicht folgen. Der Kunde war ziemlich geschockt, als ich zur Demonstration java-script ausgeschalten habe, um zu demonstrieren, wie google seine Seite sieht (leerer Bildschirm). Selbst in den google-Suchergebnissen war kein Text zu sehen.

Naja, der Grafikdesigner hat eigentlich einen hervorragenden Job gemacht, die Webseite sieht sehr gut aus, kann realistisch gesehen aber nur als Erg�nzung zur offline-Werbung verwendet werden (z.B. auf Visitenkarten oder Flyern oder Pressemitteilungen). �ber Suchmaschinen wird er jedoch keinen einzigen Neukunden gewinnen.

Der Marketing-Direktor war nicht wirklich erfreut, als ich ihm mitgeteilt habe, dass er f�r effektives Online Marketing erstmal seine komplette Webseite umgestalten muss.

Viele Webentwickler bevorzugen ja Firefox – vor allem, weil er viele Tools bietet, die einem die Arbeit bei der Templateerstellung erleichtern k�nnen (Firefox Toolbar z.B. http://chrispederick.com/work/webdeveloper/).� Nat�rlich muss man auch bei validierten Seiten pr�fen, wie sie mit dem Internet Explorer angezeigt werden. Seit einigen Monaten gibt es Internet Explorer 7.0. Bei beiden Browsern (Mozilla und IE7)wurde nach einer template-�nderung eine unserer Webseiten richtig angezeigt – einige Tage sp�ter hat dann doch jemand von uns die Webseite mal mit dem Internet Explorer 6.0 �berpr�ft und wir mussten wieder nacharbeiten.

Vor allem in China wird der IE 6.0. wegen der vielen kursierenden raubkopierten Windows-Versionen wohl noch eine ganze Weile einen h�heren Marktanteil genie�en als in anderen L�ndern, da Windows-Versionen mit falschem key nicht mehr upgedatet werden. F�r Webentwickler bedeutet dies mal wieder mehr Arbeit (mal davon abgesehen, dass diese alten Windows-Versionen schnell zu Virenschleudern werden).

Man sollte Webseiten also immer mit Firefox, IE 7.0 und auch noch mit 6.0 �berpr�fen (die anderen Browser spare ich mir, au�er wenn ich mal wieder mit einem Grafikdesigner und Safari arbeiten muss).

www.dotproject.net

ist eine gute Open Source Software und eine g�nstige L�sung, um Projekte online zu managen, vor allem wenn die Firmen oder Teams, die kooperieren in unterschiedlichen L�ndern sitzen.

Sie bietet die Erstellung von Projekten, Taskzuweisung, Kalender, Projektforen, Useradministration, Email-Benachrichtigung bei neuen Aufgaben.

Es gibt nat�rlich auch in China verschiedene Services, die online Banking anbieten, gro�e Online Shops wie http://www.taobao.com bieten verschieden Zahlungsarten an:

  1. Kreditkarte, d.h. der Betrag wird einfach von der Kreditkarte des Kunden abgebucht. Diese Methode ist noch nicht sehr popul�r in China.
  2. Services �hnlich wie Paypal, d.h. der Kunde �berweist das Geld auf ein Konto dieses Services, sobald der Kunde dann da Produkt erhalten hat, �berweist dieser Online Service das Geld an den Verk�ufer. Der bekannteste Service ist https://www.alipay.com/,der im Oktober 2003 als Teil von Taobao.com gegr�ndet wurde und 2004 ein standalone business wurde. Im Dezember 2006 hatte Alipay bereit 33 Millionen Kunden und pro Tag wurden Zahlungen im Wert von 100 Millionen RMB �ber den Alipay-Service abgewickelt.
  3. Man zahlt das Geld auf eine Kundenkarte des Online Services ein, eine Art Prepaid-Karte. Von dieser Karte wird der Kaufbetrag dann abgebucht. Die Einzahlung geschieht in Bar. Der Service wird z.B. von der China Post angeboten.

Ansonsten sind in China immer noch Zahlung bei Lieferung und Vorkasse sehr beliebt.

Nach einer Statistik http://www.iresearch.com.cn/html/Online_Shopping/detail_views_id_10850.html auf iResearch zahlten im Jahr 2005 insgesamt 43,2% per Vorkasse, 41,8% per Online Banking, 34,7% bei Lieferung. Nur 1,7% w�hlten die Handy-payment als Methode.

Normalerweise stehen f�r die chinesische Internetzensurbeh�rde vor allem chinesischsprachige Webseiten im Vordergrund. Es gibt ja viele westliche “Experten”, die glauben, das Internet sei der Grabstein des kommunistischen Systems. Dabei wird aber �bersehen, dass viele Chinesen kein englisch sprechen und sowieso nur zum Spielen und Chatten ins Internet gehen. Nur eine Minderheit wird sich f�r ausl�ndische Webseiten interessieren. Aus Prinzip gesperrt sind nat�rlich Webseiten von Falungong, einigen Menschenrechtsorganisationen und Webseiten, der tibetischen Exilregierung. Die Wikipedia ist gesperrt, wobei der Artikel �ber China in der Wikipedia nicht einmal �ber Proxy-Dienste komplett lesbar ist.

Eher symbolisch ist wohl die Sperrung von ganz wenigen gro�en englischsprachigen Nachrichtenportalen, da die gleichen Nachrichten auch auf anderen Webseiten erreichbar ist.

Im Prinzip kann man sagen, dass die Sperrung von nicht-chinesischsprachigen Webseiten nicht effektiv ist und auch nicht im Vordergrund steht – wichtig ist die Kontrolle von chinesischsprachigen Webseiten oder von ausl�ndischen Organisationen, die regierungskritisch sind UND irgendwie mit China vernetzt sind.

Das Internet als Instrument der Regierung

Die chinesische Regierung ist nicht daran interessiert, die Entwicklung des Internets zu verhindern – das Internet wird gef�rdert, wo es nur geht.Es ist ein wichtiges Instrument, um Nachrichten der Regierung zu verbreiten – man kann wohl sagen, dass die chinesische Regierung es geschafft hat, auch online im chinesischsprachigen Internet ein Nachrichtenmonopol zu erhalten und Meinungsf�hrer zu sein.

Au�erdem sollen �ber das Internet Gesetze und Verordnungen ver�ffentlich werden, mit dem Ziel, Korruption zu verringern. Auch einfache Leute in der Provinz sollen die M�glichkeit haben, sich �ber das Internet �ber ihre Rechte kundig zu machen.

Eine Ausnahme bei der bisherigen Vernachl�ssigung ausl�ndischer Webseiten scheinen aber ausl�ndische Community-Webseiten zu sein. Chinesische Webseitenbetreiber m�ssen sich registrieren, auch chinesische Blogger sollen sich registrieren und nicht mehr anonym bloggen d�rfen, auch wenn noch nicht ganz klar ist, wie das durchgesetzt werden soll. Ausl�ndische englischsprachige Blog-Communities werden deshalb immer �fter gesperrt, um zu verhindern, dass Chinesen einfach auf ausl�ndische Portale ausweichen. Mit einigen gro�en Anbietern von online communities hat die Chinesische Regierung wahrscheinlich Absprachen getroffen (blogger.com von google ist erreichbar, auch MSN-Spaces).

Gesperrt sind in China z.B. die bekannte Blogsuchmaschine technocrati.com. Seit neuestem aber auch http://www.livejournal.com, eine der popul�rsten Blog-communities.

Es w�re interessant zu erfahren, wieviele Chinesen livejournal verwendet haben. Insgesamt gibt es dort 1,8 Millionen blogs, unter den Top-Ten sind Chinesische Nutzer auf jeden Fall laut einer Hochrechnung auf Wikipedia nicht: http://en.wikipedia.org/wiki/LiveJournal.

Eventuell ist die Blockierung von livejournal auch nur eine vor�bergehende Aktion, da w�hrend wichtiger politischer Ereignisse in China oft die Zensur ausl�ndischer Webseiten versch�rft wird. Anlass f�r die Sperrung k�nnte die Sitzung des Nationalen Volkskongress sein.

« Previous PageNext Page »