Nachdem nun das chinesische Neujahrsfest vorbei ist, sind auch die letzten Kollegen wieder in Peking eingetroffen. Freudig berichten sie von der Zusammenkunft mit der Familie und unter der Hand auch mal, dass eine Woche daheim ganz sch�n anstrengend ist. Und sich jeden Mittag und Abend den Bauch voll schlagen, davon haben Sie nun erst mal genug.

Aber mich interessiert etwas anderes: Fassen die Chinesen �ber den Jahreswechsel auch Entschl�sse wie die Deutschen? Nehmen sie sich auch vor, weniger zu rauchen, mehr Sport zu treiben, vielleicht sogar sich neu zu bewerben oder wie manche Deutsche sogar hoffen, ihr ganzes Leben zu �ndern? Ich frage ein wenig herum. Den Kollegen ist dieses Vorgehen sehr fremd.

�Wozu brauche ich da den Urlaub? Etwas �ndern kann man immer�, meint eine Kollegen. �Obwohl�, merkt ein anderen an,�die Chinesen machen lieber langsame Schritte als schnelle. Radikale Wechsel sind eher nicht so ihr Ding.�

Wenn ich mich selber so umsehe, dann glaube ich auch, dass die chinesischen Kollegen sich eher mit Gegebenheiten anfreunden. Richtige Klagen h�rt man eher selten. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich so wenig in ihrer Sprache verstehen.

Eine Sache gibt es allerdings, die Chinesen nach Chinese New Year durchf�hren. Und zwar bewerben sie sich wie wild bei anderen Firmen. Hintergrund ist, dass man zu dieser Zeit den Bonus der alten Firma schon erhalten hat, und bei fr�hem Einstieg in die neue Firma sich auch den Bonus des aktuellen Jahres sichern kann �Aber dieses Jahr bewerben sich nicht viele�, sagt eine Kollegin. Haben alle Sorgen wegen der Krise.

Leo.

Folgendes ist ein Auszug aus dem Newsletter einer international agierenden Bank. Es scheint so, als brennt insbesondere auf dem Land die Luft. �A million police officers have been sent to rural areas across China since December to help maintain social stability. Jobless rural workers will get more than 30 billion yuan ($4.39 billion) in aid from the Guangdong Province, government officials said.�

Leo.

W�hrend alle Chinesen ihr Laternenfest feiern, und zum Abschluss des Chinese New Year noch mal ordentlich ballern d�rfen, wollte mein Kumpel bei Ikea ein paar Schr�nke kaufen. “Da ist dann nicht so viel los, die feiern ja alle”. Aber er sollte recht behalten. W�hrend 1,3 Mrd. Chinesen Feuerwerksk�rper in die Luft bef�rdern oder wenigstens dabei zusehen, schleppen wir Schr�nke der Marke “Bilar” oder wie die sonst so hei�en in den 17 Stock. Als Dank gibt es Bier, Wodka O und einen Blick auf die Stadt. Schon gegen 22 Uhr erblicken wir ein Licht in der N�he des 3ten Rings. Es sieht so aus, als ob ein Feuerwerk vom Dach abgeschossen wird. Aber der Nebel der Raketen erlaubt kein klares Bild.

Als ich gegen 23.30 mich ins Taxi setze, ruft mein Kumpel an. “Leo, da brennt ein Hotel am dritten Ring, vielleicht haben wir das vorhin gesehen”. Ich spreche sofort den Taxifahrer an, er kennt den Sachverhalt und dreht das Radio lauter. Auch wenn ich wenig verstehe, eine gehetzte Reporterstimme schreit ins Mikrofon. “Da kommen wir doch vorbei”, meine ich zum Fahrer, w�hrend ich meinen Weg erkl�re. “Qu bu liao”, sagt er, “kann da nicht hinfahren”. Und gleich sehen wir auch, warum. Gro�fl�chig hat die Polizei den 3ten Ring abgesperrt. Obwohl das Feuer von hier ca. 1 Kilometer entfernt sein muss, und wir nichts sehen, wird das Gebiet abgeriegelt. Mein Kumpel meldet sich noch mal am Telefon. “Leo, da brennt ein riesiges Haus, so was habe ich noch nicht gesehen, hoffentlich war das Haus so leer, wie es im Internet beschrieben wird”. Mir kribbelt es, der Taxifahrer murmelt etwas vom gr��ten Feuer in der Pekinger Geschichte. Wir fahren weiter heim, w�hrenddessen nimmt das Feuerwerk kein Ende. Es scheint so, als h�tten die anderen Pekinger nichts mitbekommen, oder es ist ihnen egal: es wird einfach weiter geballert. �

All das kommt mir vor wie eine Parabel auf dieses Land. Ein Schnellzug, einmal losgefahren, der sich nicht von ein paar B�umen auf den Schienen bremsen l�sst. Und so scheint es auch nun, w�hrend irgendwo ein riesiges Geb�ude brennt, rennt dieses Land weiter vorw�rts, symbolisiert durch die Raketen an den Stra�enr�ndern.

Daheim schalte ich den Fernseher an, es ist nun 0.30 Uhr. CCTV und BJ TV bringen nix. Auch CNN keine Infos. Ich surfe im Internet und finde folgende Fotos auf verschiedenen Webseiten, u.a http://www.nytimes.com/2009/02/10/world/asia/10beijing.html?partner=rss&emc=rss

Weitere Fotos�siehe Anhang. Ich glaube, das bedarf keiner weiteren Worte. Hoffentlich war das Hotel, wie in den Artikel beschrieben, wirklich noch unbewohnt.�

Leo

Hotelbrand; Hotelbrand 2; Hotelbrand 3

 

Eine Geschichte bewegt meine Kollegen.

Irgendwo im S�den, den Ort habe ich vergessen, wurde ein Kind geboren. Die Geschichte ist deshalb so aufreibend und wurde von den Medien hei� verfolgt, da die Frau Krebs hat. Eine Bestrahlung und Heilung sei wohl m�glich, aber wohl mit unkalkulierbaren Risiken f�r das Kind. Sie entscheidet sich gegen die Bestrahlung, f�r das Leben ihres Kindes, und f�r den eigenen Tod. Ein paar Tage nach der Geburt verstirbt sie. Meine Kolleginnen sind sich sicher: �so mu� Mutterliebe aussehen, das Kind steht �ber allem�.

�Leo.

Wie w�hrend Olympia scheint wieder irgend etwas im Gange zu sein in Bezug auf Raupkopien. Auf jeden Fall gibt es in den bekannten Touristenm�rkten, in denen au�er dem Geld fast alles gef�lscht ist, nun mal wieder keine DVDs zu kaufen. Beziehungsweise gibt es schon, aber die im Laden angebotenen DVDs sind alle schon 20 Jahre alt. Der ganze Laden sieht aus, als sei der Ausverkauft schon abgeschlossen, oder wie in einer Planwirtschaft, welche beim 5. Jahres Plan die falschen Priorit�ten gesetzt hat. Es gibt auf jeden Fall nix zu kaufen, was interessant sein k�nnte. Aber wer etwas verloren umherschaut, wird flugs leise angesprochen. “DVD?”. Nickt man, wird man in einen Hinterraum gef�hrt, den man ohne die Verk�ufer nicht finden kann. Davor steht �brigens ein Polizist oder Sicherheitspersonal des Touristenmarktes, so genau kann ich die nicht unterscheiden. Innendrin, in einem 4 auf 4 Meter grossen Raum, stapeln sie die DVDs. Aufgrund des eingeschr�nkten Platzes kann man selber kaum suchen, aber wer seine W�nsche nennt, dem wird schnell geholfen. Lediglich auf meine Frage, warum der Laden nun wieder hier ist, bekomem ich keine Antwort. Allerdings soll es nur ein paar Tage dauern, dann zieht man wieder in den offiziellen Bereich.

Ich weiss ja nicht, was das ganze soll, aber ich habe so meine Theorien. Wahrscheinlich gibt es regelm��ig eine Razzia, um der Raupkopiererei Einhalt zu gebieten. Da es aber keiner so ernst damit meint, wird vorher das Datum bekannt gegeben. Wenn dann der Kontrolleur in den Laden geht, gibt es nichts verbotenes zu entdecken. Das Protokoll wird angefertigt, und da es ja keine Verdacht gibt, schaut auch keiner in die Hinterzimmer. Dem Gesetz ist aber Gen�ge getan. Weiter so, dann gibt es die billigen DVDs noch sehr, sehr lange.

Leo.

Entweder ist es einfach so gut, dass es nicht auff�llt, oder es ist doch nicht so h�ufig vorhanden, wie immer gesagt wird. Das Falschgeld.

Erst neulich ist mir einer untergekommen, und auch nur, weil ein Kollege ihn mir gezeigt hat. Ich habe ihm dann flugs einen richtigen gegeben, und so den falschen eingetauscht. Es handelt sich um einen gr�nen 50 RMB Schein. Bisher dachte ich ja, nur die 100er werden gef�llscht. Nun, wenn man den Schein nur kurz in der Hand h�lt, f�llt nix auf. Erst bei genauerem F�hlen, oder auch beim halten gegen das Licht, fallen leichte Unterschiede auf. Das Papier ist glatter, die Buchstaben nicht so tief eingestanzt, und das Wasserzeichen bildet sich nicht so klar ab. Aber um damit nachts in einer Disko, oder den Taxifahrer zu bezahlen, daf�r reicht es alle Mal.

Viele Restaurants und Gesch�fte sichern sich dagegen ab, in dem sie, insbesondere 100 RMB Scheine, durch eine spezielle Pr�fmaschine laufen lassen. Wenigstens da hat bisher jeder meiner Scheine akzeptiert.

Der 50er kommt nun als Erinnerung ins Album, und von nun an passe ich besser auf, was mir da in die Finger kommt.

Leo.

…aus dem benachbarten Wohngebiet kommen ja so allerlei Esswaren. Ich hatte ja schon berichtet, dass ich �fters Leute sehe, welche Eier oder Brot auf ihren motorisierten R�dern bewegen. Neulich staunte ich aber nicht schlecht, dass dort wohl auch Schweine gez�chtet werden. Vor mir fuhr eines auf einem motorisierten Dreirad. Allerdings schon geschlachtet, ausgeblutet und f�r die weitere Verarbeitung geeignet. Da es ja gerade sehr kalt ist in Beijing, hatte man sich wohl gedacht, man muss es nicht k�hlen. So wurde es einfach auf das Dreirad draufgebunden, und wohin auch immer (Restaurant, Metzgerei) gefahren.

Ich hoffe, dass diese Transportart nur im Winter genutzt wird, und im Sommer mehr Wert auf K�hlung gelegt wird.�Obwohl, bei unseren Radtouren in Yangshuo sind wir oft auf kleine Metzgereien gesto�en. Diese bestanden meist aus einem Holzbrett, worauf vers. Fleischst�cke lagen. Eine bessere Metzgerei hatte sie mit einem Gitterk�fig gegen Fliegen gesichert, ansonsten wedelte nur ein Ventilator rum, um Ungeziefer zu vertreiben.�Das alles bei 25 bis 30 Grad…da braucht man schon einen guten Magen.�

Ach so, zur�ck zum Schwein. Ich habe ein Bild mit meinem Handy geschossen, siehe Anhang.�

Leo.

Das Schwein auf dem Fahrrad�

Leider musste ich, wie letztes Jahr auch, �ber das chinesische Neujahrsfest beruflich bedingt nach Deutschland zur�ck fliegen. Am Flughafen in Deutschland�stieg ich in ein Taxi und staunte nicht schlecht: ein Chinese. Die Wahrscheinlichkeit, einen Chinesen in Deutschland als Fahrer zu haben, halte ich f�r gering. Stolz berichtete ich, dass ich in Peking lebe…keine Regung. Also fing ich an, mich chinesisch mit ihm zu unterhalten…nur fl�chtige Antworten. Also l�cherte ich ihn, ob sie auch in Deutschland Jaudze zubereiten, und wie sie das Neujahrsfest verleben…wieder kaum Antworten. Von da an schwieg ich und dachte nach: ein Taxifahrer in Peking w�rde sich so eine Gelegenheit nicht nehmen lassen, die erz�hlen ja sehr gerne. Ein Kollege nannte sie auch schon mal die Philisophen auf 4 R�dern, da sie zu jedem Thema etwas erz�hlen k�nnen, aber dieser hier ist anders, vielleicht schon eingedeutscht.�Leo.��

Zum chinesische Neujahrsfest wird in allen Familien die traditionelle Teigtasche Jaudze gekocht und gegessen. Wen ich auch gefragt habe, ob Kollege, Sprachlehrer, Verk�ufer oder Taxifahrer: Alle werden mit den Familien kochen. Dabei k�nnen Experten wohl die Teigtasche sogar in einer Hand zusammen rollen.�

Ich habe mir dar�ber ein paar Gedanken gemacht. Wenn durchschnittlich jeder Chinese 10 davon isst, sind das 13 Milliarden Jaudze. Ich w�rde mal sch�tzen, dass jede so 30 Gramm wiegt. Macht also 390.000 Tonne Jaudze. Da ich die Geschm�cker der Chinesen nicht kenne, wei� ich nicht, wie viele Fische, H�hner, Rinder, Schweine, Schafe oder anderes Getier und Gem�se verarbeitet wird. Da eine Teigtasche ja ca 2.5 cm gro� ist, w�rde man beim Aufeinanderstapeln dieser eine L�nge von 325.000 Kilometern erreichen. Um diese Strecke mit einem modernen Langstreckenflugzeug (900 km/h) abzufliegen, br�uchte man knapp 15 Tage.�Ich w�rde sch�tzen, dass die Herstellung von 10 Jaudze ca. 4 RMB in Eigenherstellung kostet. Alle Jaudze zusammn kosten dann also 5,2 Mrd. RMB. Bei einem US Dollarwechselkurs von 6.8 w�ren dies 800 mil. US Dollar. Wenn dieser Finanzspekulant wirklich 50 Mrd. US Dollar verzockt hat, dann k�nnte man daf�r ohne Zinseszins allen Chinesen 65 Jahre lang die Jaudze spendieren.

Daran denkt aber sicher niemand, wenn man in trauter Familienrunde die leckere Teigspei�e vertilgt.�

Leo.�

Ich glaube, es gibt in China sehr, sehr viele interessante B�cher, die ich jedoch nie lesen werde, da nur selten eine �bersetzung ins Englische erfolgt. Allerdings gibt es Ausnahmen. Eine davon ist “der letzte Eunuch von China” und wird seit neuestem auf Englisch verkauft. Leider konnte ich das Buch noch nicht kaufen, allerdings lassen die Kritiken neugierig werden.

Sie handelt von einem�Jungen mit Namen Sun Yaoting, welcher 1902 geboren wird. Schon als Kind bewundert er einen angesehenen entfernten Verwandten, welcher ebenfalls im Palast als Eunuch Dienst tut und es zu Wohlstand gebracht hat. Im Alter von 10 Jahren, im Jahr 1912, hat er nach langen Betteln nun seinen Vater �berzeugt. Aber dieser kastriert ihn selber, um dem Sohn die Karriere zu erm�glichen. Die Heilung (will mir gar nicht vorstellen, wie das abgelaufen ist) dauert �ber 3 Monate. Erst dann kann sich Sun Yaoting am Hofe bewerben, wird aber sehr schnell in den�engen Kreis um den Kaiser Puyi aufgenommen. Auch wenn der als “letzter Kaiser” bekannte Regent nicht mehr viel Macht hatte, er lebte noch lange Zeit am Hofe, und mit ihm Sun Yaoting, welcher in dem Buch dann �ber die merkw�rdigen Rituale und das verschwenderische Leben am Hofe berichtet. Auch wenn zu dieser Zeit das Leben in der verbotenen Stadt laufend bergab ging, und die Machtbasis des Kaisers sich weiter aufl�ste.

Sp�ter wurde Sun Yaoting Verwalteter von mehreren Tempeln in China. Die Gesellschaft der Eunuchen scheint dabei ein starkes B�ndnis zu sein, gegenseitig half man sich in die besten Positionen, auch da man tiefe Verbindungen in die bessere Gesellschaft hatte.

Der letzte Eunuch wurde 94 Jahre alt, er starb erst 1996 und kann somit auf fast ein Jahrhundert blicken. Er hat gesehen, wie sich China ver�ndert hat. Mal sehen, ob das Buch h�lt, was es verspricht.

Leo.

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