Mein Taxifahrer war heute richtig in Redelaune. Allerdings habe ich nicht alles verstanden.�Pl�tzlich wurde er ernst. Amerika, da habe es angefangen. Dadurch sei es alles so schlimm gekommen. Er sagt ein weiteres Wort, welches ich nicht verstehe. Ich frage nach, er soll es mir anders erklaeren. Na, sagt er, die Leute haben kein Geld mehr. Er habe nun weniger Fahrg�ste. Au�erdem sei seine Frau den Job los.�Alles wegen Amerika.�Nun wei� ich, wovon er redet. Die Finanzkrise ist bei den Beijinger Taxifahrern angekommen.

�Leo.�

Ich wollte euch eigentlich vom Schwein auf dem Dreirad berichten, welches mir begegnet ist. Aber die Ereignisse von heute, dem 4. Januar, zwischen 19.30 und 22 Uhr chinesischer Zeit, verdienen eine vorrangige W�rdigung.�

Und zwar bin ich um 19.30 mit dem Rad todm�de nach Hause gekommen. Die beiden vorherigen N�chte konnte ich kaum schlafen. So stellte ich mein Rad, wie immer, im 20ten Stock unabgeschlossen vor meiner Wohnungst�r ab. Da ich bei einem T-Shirt Kauf neulich einen Aufkleber mit der chinesischen Gl�ckszahl “8” bekommen hatte, beschloss ich spontan (so gegen 21 Uhr), mein Rad durch Beklebung zu versch�nern. Als ich die T�r aufmachte, staunte ich nicht schlecht – das Fahrrad war weg.

Ich schaute ins Treppenhaus…nix. Runter in den Keller – vielleicht hatte ein ordnungsliebender Hausmeister es weggestellt…aber auch nix. Also runter zum Eingang und mit dem W�chter gesprochen. Der funkte daraufhin flei�ig herum, und nach ca. einer halben Stunde, in der ich Etage 19 bis 2 absuchte (was mir da widerfahren ist, ist wirklich einen weiteren Blog wert), wurde ich ins Untergeschoss gebeten. Dort f�hrte man mich in die Kommandozentrale. Diese sah aus wie aus einem amerikanischen Polizeifilm, nur dass die Riesenleinwand fehlte.

Ca. 16 Monitore, teilweise gesplittet in bis zu 16 verschiedene Bilder, nehmen das Geschehen auf. Das Kamerabild mit der h�chsten Kameranummer ist 64, d.h. mindestens so viele Kameras nehmen das Leben in unserer Anlage auf. Jeder Lift hat eine Kamera, dazu jeder Hausausgang, die beiden Tiefgaragenausfahrten sowie die 4 Fu�ausg�nge im Westen, Osten, S�den und Norden. Es dauerte auch nicht lange, da wurde der Dieb, bzw. vielmehr die Diebin, erwischt. Leider nur auf Band. Man sah, wie sie in Stockwerk 10 einstieg und zielgerichtet die 20 und 21 dr�ckte. In der 20, meinem Stockwerk, angekommen, blickte sie kurz sch�chtern in den Gang und ging dann aus dem Aufzug. Der Aufzug fuhr, wie von ihr bestellt, in Nr. 21. In der Zwischenzeit hatte sie schon in der 20igsten gedr�ckt, so dass er gleich wieder herunterkam. Sie stieg auch sofort ein. Da mein Rad nicht abgeschlossen war, dauerte es nur ca. eine Minute (zwischen 20.53 Uhr und 54 Sekunden und 20.55 Uhr). Von dort fuhr sie, nat�rlich musste sie noch mal vorher im Spiegel des Aufzugs ihre Haare machen, in das Erdgescho�. Dort �berlegte sie es sich noch mal anders und fuhr ins Untergeschoss. Vor dort verliert sich etwas ihre Spur, da in der Tiefgarage weniger Kameras aufgestellt sind. Allerdings war auf keinem der Ausg�nge eine Radfahrerin zu erkennen. Dies lie� den Sicherheitschef vermuten, dass das Fahrrad irgendwo in der Tiefgarage oder in einem Fahrradkeller abgestellt wurde.�

Mit 3 Mann vom Sicherheitsdienst machten wir uns auf die Suche…aber nix zu finden. Es hat zwar nur 30 Euro gekostet, aber es ist mir schon sehr ans Herz gewachsen. Und dem Sicherheitspersonal schien es ein echtes Anliegen zu sein, das Ding zu finden. Entweder passiert sonst nix und ihnen ist langweilig, oder das Management hat dazu aufgefordert, dass selbst kleinere Vergehen verfolgt werden m�ssen.�Ich selbst war vor allem aufgew�hlt von der Dichte der Kameras. Ich will dort morgen noch mal unter einem Vorwand hin und schauen, wo die noch mal genau installiert sind. Weiterhin bleibt f�r den Fall noch folgendes zu sagen:�

– die Dame stieg in Stockwerk 10 ein und fuhr in Stockwerk 20 -> sie wusste genau, dass dort ein nicht abgeschlossenes Fahrrad stand

– die Dame hatte keine Ahnung, dass in den Fahrst�hlen Kameras versteckt sind

– nachdem ich diesen Artikel geschrieben habe, vermute ich das Fahrrad irgendwo in der Tiefgarage- ich werde gleich noch mal losgehen

– den Film “Beijing Bicycle” vom Regisseur Wang Xiaoshuai wollte ich schon lange mal sehen. Er muss gut sein, schlie�lich hat er den silbernen B�ren bekommen, und Wikipedia wird geblockt, wenn ich den Suchbegriff eingebe.�

So, nun gehe ich suchen. Und wie gesagt, zur Suche nach dem Rad in Stockwerk 19 bis 2 erz�hle ich morgen noch was.�

Leo.

Im Chinesischunterricht haben wir uns letztens �ber M�rchen und Geschichten unterhalten. Dabei war auch eine �ber Perfektionismus. Und die geht so. 7 Freunde sitzen zusammen. Einer bringt eine Flasche Alkohol mit. Um sie zu teilen, ist es leider viel zu wenig. So beschlie�en sie, um die Wette zu malen. Wer als erstes eine sch�ne Schlange fertig gezeichnet hat, soll die Flasche bekommen. Und so zeichnen sie eifrig los. Einer von Ihnen ist nach kurzer Zeit fertig und hat eine tolle Schlange gemalt. Er schaut sich um�die anderen zeichnen alle noch. Da ihm das zeichnen Spa� macht, f�ngt er an, die Schlange zu verzieren, sie noch sch�ner zu machen. Auch malt er ihr ein paar kleine Beine. Als alle fertig sind, wird er nur ausgelacht. Das sei doch keine Schlange, sagen alle. Ein anderer gewinnt die Flasche Wein, obwohl er nicht der beste Zeichner ist. Im �bertragenen Sinne: Etwas, das gut ist, wird durch noch mehr Arbeit nicht besser. Daf�r gibt es einen chinesischen Satz: �hua she tian zu� (paint snake add foot), der immer dann angebracht wird, wenn jemand zu perfekt sein will.

Leo.

Hallo alle zusammen, Leo und ich sind momentan in Deutschland auf Weihnachtsbesuch.

Wir w�nschen Euch allen ein besinnliches und frohes Weihnachtsfest sowie einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2009, auf dass alle Eure W�nsche in Erf�llung gehen.

Liebe Gr��e Holly und Leo.

In Bussen und Bahnen sind Sitzpl�tze eine echte Mangelware. Bei den Haltestellen gibt es t�glich einen Kampf darum. Allerdings, sobald �ltere Leute zusteigen, �ndert sich das ganze. Innerhalb von wenigen Sekunden findet sich ein j�ngerer, der aufsteht, und seinen Platz anbietet.

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Leo.

Meines Wissens steht ein langer Fingernagel in China daf�r, dass der Tr�ger selber nicht k�rperlich arbeiten muss. Bauern, Bauarbeiter, Handwerker, Fabrikarbeiter, die k�nnen keine langen Fingern�gel haben. Sie w�rden abbrechen bei der t�glichen Arbeit. Wer sich also einen solchen langen Nagel wachsen l�sst, meist am kleinen Finger, ca. 2 cm lang, zeigt, dass er etwas Besseres ist. Verbreitet ist dies vorrangig bei M�nnern. Allerdings habe ich das bei Menschen mit f�r Chinesen �richtig� guten Arbeiten, insbesondere im B�ro, wie Buchhalter, Ingenieur, Hotelmanager, Verk�ufer, Eink�ufer auch noch nicht gesehen. Deren Auftreten ist meist schon sehr westlich. Und so sieht man den langen Fingernagel oft in den Berufen, die genau dazwischen stecken. Keine k�rperliche H�chstleistung, kein Minimallohn, aber auch kein Spitzenverdienst und keine Top Position. Somit grenzt der lange Nagel sowie nach unten, aber auch nach oben eindeutig ab. Der lange Nagel wird deshalb vorrangig von Taxifahrern, Hausmeistern, Sicherheitspersonal sowie Zwielichtigen Verk�ufern von kopierten Uhren getragen.

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Leo.

Suzhou, letzten Freitag, 18 Uhr. Es pfeift ein kalter Wind durch die Stra�en. An der Ren Min Lu, vor dem Armani Gesch�ft, hockt auf Knien eine Bettlerin. Sie verbeugt sich nach vorne, hat die Augen geschlossen. Auf ihrem Schoss ein kleines Kind. Ihr Bettelgeld sammelt sie in einer aufgeschnittenen Getr�nkedose. Die Dose gl�nzt golden, rote Buchstaben schimmern darauf. Es ist eine Getr�nkedose von Red Bull. Zynisch f�llt mir deren Werbespruch ein. �Red Bull verleiht Fl�gel�

Leo.

Als Europ�er sind wir in China ja leicht zu erkennen. Wer dann noch wie wir eine kleine Tasche und Foto in der Hand hat, ist dauernd das Ziel von Verk�ufern, schwarzen Taxen, Bettlern sowie sonstigen Dienstleistern. Eine Gruppe davon sind die Schuhputzer.

Auch wenn meine Sportschuhe nicht sonderlich dreckig waren, und au�erdem nicht aus Leder bestehen, am U Bahn Ausgang der �Ren Min Lu� sprangen 2 Schuhputzer auf mich zu. Ich hatte keine Lust und ging schneller, allerdings die beiden auch. Einer spritze mir im Laufen Schuhcreme auf den Schuh. Holly sah dies und dachte, mein Schuh sei dreckig. Sie rief es mir zu, daraufhin verlangsamte ich meinen Lauf und sah auf meinen Schuh�zu sp�t. Da waren sie schon da und wienerten an den Schuhen rum. Zwar nur auf der Schuhspitze und nur f�r 1 Minute, aber daf�r wollten sie 20 RMB. Auch wenn das nicht viel Geld ist, ich war sehr sauer, weil das in Deutschland schon unter N�tigung gefallen w�re. Wir einigten uns auf 10 RMB, was immer noch viel zu viel ist, und in Zukunft werde ich noch schneller laufen.

�brigens fuhren wir am n�chsten Tag im kleinen St�dtchen Zhujiazhou Boot in einem kleinen Kanal. Am Kanalrand rief uns eine Schuhputzerin zu, dass sie aufsteigen wollte, um uns die Schuhe zu putzen. Nur eindeutige Signale an unseren Kapit�n, das Land nicht anzusteuern, konnten ein erneutes Schuhputzen verhindern.

Ich kann die Leute ja verstehen, wenn jeder versucht, etwas Geld zu verdienen. Aber das ich mir nicht jeden Tag mit dem falschen Putzmittel meine Schuhe wienern lassen will, sollte denen auch einleuchten.

Leo.

Sind wohl die Sachen, die es in Shanghai nicht gibt, aber jeder Tourist haben will. Beim abendlichen Spaziergang durch die Einkaufsstra�e Nanjing Lu wurde ich 20-mal gefragt, ob ich nicht Rolex Uhren oder Luxustaschen erwerben will. Das mag so weit noch einleuchten, allerdings wurde ich auch regelm��ig gefragt, ob ich Interesse an Haschisch habe. Klar, ich habe nix besseres zu tun, als mir in China sch�n einen Joint reinzuziehen. Allein die Vorstellung, mich beim eventuellen Erwischen mit der lokalen Polizei auseinandersetzen zu m�ssen, reicht mir aus. Allerdings werde ich meinen Kleidungsstil noch mal �berdenken m�ssen, denn es kann kein Zufall sein, dass die nur mich angesprochen haben. Oder ob die jeden Touristen Drogen verkaufen?

Zu den gef�lschten Markenklamotten, Uhren und Taschen bleibt zu sagen: Anscheinend ist es wirklich so, dass anders wie z.B. in Beijing diese Dinge nicht offen verkauft werden. Da in Shanghai wohl doch mehr ausl�ndische Unternehmen sind, ist der Druck dort wohl etwas gr��er. Ein paar Freunde, die gerne ein paar Kopien gekauft h�tten, mussten sich erst mal etwas rumfragen, bevor sie in gro�e Lagerhallen au�erhalb der Stadt gefahren wurden. Dort gibt es dann aber auch wieder Luis Vuiton Taschen, Rolex und Omega Uhren sowie Kopien der schrecklichen Ed Hardy Shirts (in Deutschland angeblich 100 bis 160 Euro, hier 30 bis 50 Yuan).

Leo.

Unternehmer sein in China, eine eigene Firma zu haben, dass scheint hier f�r die meisten das Ziel zu sein. Beim Abendessen mit Yunkung stellt er uns u.a. seinen Freund Wang vor. Dieser ist erst knappe 30, arbeitet 12 bis 14 Stunden t�glich und hat 20 Mitarbeiter. Bewunderung, nicht Neid, kommt aus den M�ndern der anderen, wenn es um seine Firma geht. Und jeder hat eine eigene Idee, einen Businessplan oder ein paar Kontakte, mit denen in ein paar Monaten oder 1 bis 2 Jahren der Sprung in die Selbstst�ndigkeit gewagt werden soll. Der Himmel �ber Shanghai ist f�r die junge Elite noch voller Chancen… Risiken sehen sie nicht. Ich finde es toll und hoffe, mir Teile dieses Elans und Optimismus abzuschneiden.

Leo.

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