Erlebnisse in China


Man lernt nie aus. Die Lehre, die ich aus der letzten Networking-Veranstaltung gezogen habe, ist eigentlich ganz einfach: Nie mehr dem Vertreter irgendeines Business-Clubs, eines Restaurants oder �hnlichem meine Visitenkarte mit Handy-Nummer geben. In China wird man kurze Zeit sp�ter mit SMS-Werbung vollgem�llt, es ist nicht zu glauben.

Ich werde mir wohl nochmal spezielle Visitenkarten ohne Handy-Nummer drucken lassen.

“An organization of the Chinese Communist Party shall, according to the
Charter of the Chinese Communist Party, be established in the company to carry
out activities of the Chinese Communist Party. And the company shall provide
necessary conditions for the activities of the Chinese Communist Party”.

Chapter I, Article 19. Company Law of the People’s Republic of China

Im Prinzip hat man als Ausl�nder wenig damit zu tun und dieser Artikel wird oft �bersehen.

Viele Ausl�nder wundern sich dann doch ab und zu, wen irgendwann mal ein Chinese in der Firma vorgefahren wird und offensichtlich wichtig ist. Im Nachhinein erf�hrt man dann, dass die KPCh “irgendwie in der Firma ist” und der Besucher ein wichtiger Parteibonze war.

Vor einiger Zeit wurde ich wieder mal gefragt, ob ich nicht an einem Buch �ber China mitwirken wolle. Kein Honorar, allerdings eine Umsatzbeteiligung. Als Grundlage k�nne man doch die Chinaseite nehmen und das Projekt schnell fertigstellen.

Ich habe das Angebot (wieder) abgelehnt.

Wenn B�cher �ber China so geschrieben werden (man kopiert mal eben und nimmt sich nicht die Zeit, alles zu pr�fen), ist es kein Wunder, dass sich oft schlecht recherchierte Informationen verbreiten. Wir recherchieren f�r die Berichte auf Chinaseite.de zwar gr�ndlich, aber in Buchform, wo man praktisch keine M�glichkeit zur Korrektur hat, will ich die Chinaseite erstmal nicht sehen.

Mit Chinesen verhandeln ist eigentlich gar nicht so schwer, wenn man einige Verhaltensregeln kennt, Faktenwissen �ber den chinesischen Markt besitzt und gute Fachkenntnisse im eigenen Unternehmensbereich besitzt. Unter dem Motto “Mit Chinesen verhandeln” werde ich in den n�chsten Wochen aus eigenen Erfahrungen Hinweise geben, wie man Verhandlungen in China plant, vorbereitet, durchf�hrt und welche Fehler man vermeiden sollte. Der erste Teil der Reihe befasst sich mit �bersetzern.

  1. Viele Verhandlungen finden auf englisch statt. Allerdings habe ich festgestellt, dass oft nur die Entscheidungstr�ger auf unteren Ebenen, also j�ngere Leute, so gut englisch k�nnen, dass Verhandlungen auf englisch problemlos m�glich sind. Die Chefs, die am Ende die Entscheidungen f�llen, sind oft �50 und k�nnen kein englisch. Verhandlungen beginnen auch oft von unten nach oben, d.h. bei Erstkontakten kann es sein, dass man erstmal mit jemandem aus dem mittleren Management am Tisch sitzt, der dann entscheidet, ob das Gesch�ft interessant ist und dann nach oben weitergibt. Erst bei den sp�teren Verhandlungen kommt man mit Entscheidungstr�gern in Kontakt, die wenig englisch k�nnen.
  2. Man sollte sein eigenes englisch nicht �bersch�tzen. Wer nicht oft ins Ausland reist, kann in China leicht ins schleudern kommen, wenn er pl�tzlich auf englisch verhandeln soll.
  3. Man sollte sich nicht nur auf einen chinesischen �bersetzer verlassen, vor allem wenn er bei Verhandlungen in China von der chinesischen Seite gestellt wird. Mir ist aufgefallen, dass Chinesische �bersetzer, die l�ngere Zeit nicht mehr im Ausland waren, einfach nicht genug �bung haben.
  4. Wenn man einen �bersetzer testet, z.B. in einem Interview, ist eine M�glichkeit der Test mit hohen Zahlen. Man l�sst einfach mal eine hohe Zahl (mehrere Milliarden) von deutsch ins chinesische �bersetzen. Da das chinesische Zahlensystem etwas anders ist, geraten �bersetzer mit wenig �bung bei hohen Zahlen oft in Straucheln – allerdings habe ich das auch schon bei sonst sehr qualifizierten �bersetzern erlebt, es ist also nicht der “ultimative Test”.
  5. Wer z.B. aus finanziellen Gr�nden keinen professionellen �bersetzer bei Gesch�ftsreisen nach China mitnehmen m�chte, hat auch die M�glichkeit, jemanden vor Ort zu finden. Es gibt in Peking und Shanghai sehr viele Ausl�nder, die flie�end chinesisch sprechen, sich aber mit Jobs als Englischlehrer durchschlagen, um China-Erfahrung zu sammeln oder dem Studium die Zeit bis zum ersten Job zu �berbr�cken usw. Sie k�nnen ohne weiteres einen nicht-Profi finden, der Sie f�r wenig Geld auf Ihrer Chinareise begleitet und bei �bersetzungen zumindest pr�fen kann, ob alles richtig �bersetzt wird – Verhandlungen �bersetzen k�nnen nur sehr wenige Nicht-Chinesen.
  6. Chinesen, die in Deutschland leben, k�nnen zwar oft exzellent �bersetzen. Allerdings kommt es manchmal vor, dass sie sich unbewusst auf die chinesische Seite schlagen bzw. vermeintliche Fehler des deutschen Verhandlungsf�hrers ausb�geln wollen, indem sie nicht korrekt �bersetzen. Dies kommt auch bei Chinesen vor, die bereits seit 20 Jahren in Deutschland leben.
  7. Sinologen haben oft ein gutes Verst�ndnis was die Chinesische Kultur angeht und exzellente Fachkenntnisse. Allerdings k�nnen viele auch bei ihrem Abschlu� nicht flie�end Chinesisch sprechen. Viele Sinologen gehen w�hrend des Studiums ein Jahr nach China und das gen�gt oft nicht, um wirklich verhandlungssicher chinesisch sprechen zu k�nnen.
  8. Wenn beide Parteien einen �bersetzer haben (vor allem wenn der eigene �bersetzer kein Chinese ist), sollte man dem �bersetzer der Gegenpartei den Vortritt lassen, dann liegt die Verantwortung bei falschen �bersetzungen nicht bei einem selbst.

Berichten zufolge soll ja Peking w�hrend er Olympiabewerbung braune Grasfl�chen gr�n angestrichen haben, um auf das Komitee, das die Stadt bewerten sollte, einen guten Eindruck zu machen.

Zugegeben, in Peking gibt es seit der Bewerbung f�r die Olympischen Spiele 2008 Anstrengungen, das Stadtbild zu verbessern, die Luftverschmutzung zu verringern und die B�rger zu mehr Umweltbewusstsein zu bewegen.

China will also richtig gr�n werden. Es gibt eine Kampagne, die es sich zum Ziel gesetzt hat, eine gewisse Anzahl an Tagen pro Jahr mit blauem Himmel zu erreichen, es gibt Kampagnen, um das Verhalten der Pekinger auf den Ansturm der Olympiabesucher vorzubereiten, M�lltrennung wird langsam eingef�hrt, Kohleheizungen wurden aus der Innenstadt verbannt. Der St�dtische Nahverkehr wird gef�rdert, U-Bahn-Linien gebaut und Gr�nfl�chen angelegt. Im Norden Pekings gibt es Bem�hungen unter F�hrung der Beijing Linye Daxu (Pekinger Forst-Universit�t), die Ausbreitung der Steppe aufzuhalten und die Sandst�rme, die jedes Jahr �ber 1500 km von der W�ste Gobi bis nach Peking kommen und jedes Fr�hjahr �ber Peking hinwegfegen, aufzuhalten.

Umweltschutz ist auch schon auf der h�chsten Ebene angekommen, Wen Jiaobao forderte, dass Umweltschutz in den �berlegungen von Unternehmern eine wichtigere Rolle einnehmen m�sse.

Seit meinem ersten Besuch in Peking 1999 und jetzt hat sich tats�chlich schon vieles verbessert, das Stadtbild ist freundlicher geworden und es gibt nicht mehr ganz soviel Smog wie fr�her.

Ein Taxifahrer erz�hlte mir bei meinem letzten Peking-Besuch etwas �ber seinen pers�nlichen Beitrag: Die U-Bahn-Linien seien schlecht f�rs Gesch�ft, vor allem die zum Flughafen, trotzdem finde er es gut, etwas f�r die Umwelt zu tun. Auch er habe jetzt ein umweltfreundlicheres Taxi als zuvor: Mit etwas Humor zeigte er mir ein selstgemaltes Schild: “Rauchen f�r Fahrg�ste verboten”. Er selbst hatte eine Zigarette im Mund.

�F�r Gesch�ftsleute, die neu in China sind und keine Verbindungen habe, gibt es viele M�glichkeiten, Kontakte zu kn�pfen. Wer am liebsten daheim bleibt, kann z.B. Mitlied in Online-Communities und Netzwerken wie linked-in oder xing.com werden (wer am liebsten daheim bleibt, sollte sich am besten erst gar nicht selbst�ndig machen …)

Wer gerne unter Leute geht, kann networking-Veranstaltungen besuchen, die z.B. von Handelskammern, Botschaften und Business Clubs (ich gebe zu, ich habe nie einen besucht, aber ein paar Bekannte von mir…) veranstaltet werden. Als Nicht-Mitglied zahlt man ein kleines Eintrittsgeld (in Botschaften ist es manchmal sogar kostenlos und man erh�lt noch einen Snack oder etwas zu trinken – wenn man viel Gl�ck hat, gibts sogar Buffet).

Hier ein paar Webseiten von Handelskammern, die ihre Events ver�ffentlichen.

www.china.ahk.de
http://www.pek.britcham.org/
http://www.amcham-china.org.cn/amcham/home/index.php
http://www.bencham.org (die stolz darauf hinweist, dass sie 10 neue Mitglieder im Monat hat).

Guanxi (Beziehungen ) sind nicht nur wichtig, wenn man Gesch�fte mit Chinesen macht, sondern es ist auch wichtig, gute Beziehungen zu anderen ausl�ndischen Gesch�ftsleuten zu kn�pfen. In China teilen die meisten Gesch�ftsleute �hnlichen Erfahrungen, wenn sie mit Chinesen machen und sto�en auf die gleichen Probleme und alle suchen nach n�tzlichen Kontakte. Es ist also sehr leicht (, schon wieder werde ich durch zwei Spam-Emails hintereinander unterbrochen….), Kontakte mit anderen Laowais zu kn�pfen und Visitenkarten einzusammeln (wer auf networking-Veranstaltungen geht, sollte nie weniger als 50 Visitenkarten mitnehmen)

Am Flughafen Peking gibt es seit neustem an der Passkontrolle nicht nur einen Channel f�r Ausl�nder, einen f�r Diplomaten, einen f�r Chinesen und einen f�r Gruppenvisa.

Ein Jahr vor den Olympischen Spielen hat der Flughafen auch einen Olympia-Channel er�ffnet. Die Schlange dort war am k�rzesten (ca. Null Personen), besetzt war der Schalter aber trotzdem. Wenn am Channel f�r Chinesen keiner ist, darf man normalerweise auch als Ausl�nder dort durchgehen, der Olympiachannel war aber wirklich exklusiv und der Beamte dort hat wohl einfach Gl�ck gehabt.

Normalerweise nimmt man ja nationale historische Befindlichkeiten anderer L�nder nicht so ernst, wenn es um Ereignisse geht, die schon lange zur�ck liegen und mit dem eigenen Land �berhaupt nichts zu tun haben.

Zwischen Korea und China gibt es seit l�ngerem einen Streit. China behauptet, dass einige Koreanische K�nigreiche unter chinesischer Herrschaft standen. So soll z.B. das K�nigreich Koguryo als chinesische Minderheit begonnen haben. Auch Japan soll ja der Sage nach begonnen haben, als 1000 chinesische Frauen und M�nner nach Japan segelten, um es zu besiedeln und Unsterblichkeitspillen zu finden. Naja.

Das Center of China’s Borderland history soll chinesische Grenzgebiete unter die Lupe nehmen und deren historische Zugeh�rigkeit kl�ren – was wohl soviel bedeutet, wie “beeweisen”, dass sie zu China geh�rten bzw. irgendwann mal unter chinesischer Oberherrschaft standen.

Neuester Aufreger in Korea ist, dass jetzt das “Center of China’s Borderland History” auch die Qing-Dynastie untersucht, nachdem dieses Center zu sehr Chinafreundlichen Forschungsergebnissen bei der Untersuchung anderer Perioden gekommen sein soll.

Das war mir bekannt und soweit kein Problem.

Ziemlich perplex war ich doch, als dann vor kurzem ein Bekannter von mir im Koreanischen Fernsehen erw�hnt wurde: Prof. Cheng Chongde (Vorstellung auf Chinesisch unter: http://www.iqh.net.cn/xrfc_show.asp?column_id=3174), von der Renmin Universit�t Peking, der eine der renommiertesten Erforscher der Qing-Dynastie ist und teil des Projekts zur Erforschung der Grenzgebiete zwischen Korea und China w�hrend der Qing-Dynastie.

Klar, dass der Bericht im koreanischen Sender KBS w�hrend der besten Sendezeit nicht unbedingt ein gutes Haar an dem Projekt und meinem Bekannten lies.

Webseite des Center of China’s Borderland history: http://chinaborderland.cass.cn/

Ein Kunde �berlegt sich doch tats�chlich, ob er nicht einen Wikipedia-Eintrag �ber sein Unternehmen erstellen soll. Nachdem neulich das Beispiel von Microsoft schon nicht so gut angekommen ist, einen Experten zu bezahlen, um einen Eintrag �ber OpenXML zu “verbessern” habe ich ihm davon abgeraten. Wer in Wiki-Systemen, Blogs und Foren Werbung macht, muss zwangsl�ufig damit rechnen, dass dies bei der online community oft nicht gut ankommt. Allenfalls kann man Werbung in Foren machen, die extra daf�r vorgesehen sind, die Wikipedia f�r Eigenwerbung zu mi�brauchen macht einen unseri�sen Eindruck.

In den USA ist es bereits ein einigerma�en eintr�gliches Gesch�ft, dass Firmen Blogger oder “Experten” bezahlen, um Wikipedia Eintr�ge zu korrigieren.

P.S. Von China aus ist Wikipedia �brigens immer noch nicht erreichbar.

Ein Bekannter erz�hlte mir folgende Story:

Er sa� mit einem Freund, der in einem deutschen mittelst�ndischen Unternehmen in China arbeitet, in einem Cafe, beide hatten ihren Laptop laufen. Pl�tzlich will der Bekannte mal kurz eine Datei� “r�berschieben”. Wie er das denn machen wolle? – Kein Problem, in der Firma h�tten sie auch ein Netzwerk, dar�ber k�nnte man dann ganz bequem Datein austauschen, er habe den betreffenden Ordner schon freigegeben, mein Freund k�nne darauf zugreifen.

Erst da ging ihm wohl auf, dass dies ebenfalls f�r alle anderen Teilnehmer des offenen Netzwerks in dem Cafe m�glich war.

Kleiner Tipp: Wer in der Firma Daten �ber Drahtlosnetzwerke austauscht, sollte darauf achten, dass er in �ffentlich zug�nglichen Netzwerken keine Ordner freigibt und seine Firewall so einstellen, dass der IP-Bereich des Netzwerkes nicht auf “Sichere Zone” gestellt ist – das ist wohl das mindeste.

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