Business


Mein B�ro ist im Zentrum Pekings, gleich an der U-Bahn Station und gut zu erreichen, sowohl mit der Linie 2 als auch mit der Linie 13. Das B�rogeb�ude ist sehr modern und optisch ein echter Hingucker. Allerdings au�erhalb des Business Distrikts Chaoyang. Allm�hlich machen sich deshalb doch gewisse Standortnachteile bemerkbar.

In unserem Geb�ude hat vor kurzem ein Shopping Center er�ffnet. F�r einige Tage gab es dort auch ein Cafe. Das hat jetzt wieder geschlossen. Die h�ufigen Besuche dort und die Kaffeesucht, die in den letzten Tagen bei mir wieder ausgebrochen ist, r�chen sich jetzt. Letzte Woche habe ich schon verzweifelt nach einem Starbucks in der N�he gesucht. Die sind doch sonst eigentlich �berall.

F�r ausl�ndische Unternehmen ist das fehlende Cafe in der N�he ein echter Standortnachteil – zumindest in meinen Augen. Ich werde alle Kunden, die ich ab jetzt habe, darauf aufmerksam machen, falls dieses Kriterium in ihren Business Pl�nen feht.

Nach dem “Economic Freedom of the World Report” des Cato-Instituts bleibt Hongkong vor Singapur, Neu Seeland und der Schweiz die freieste Marktwirtschaft der Welt. Dabei wurden Kriterien wie die Gr��e der Regierung, die Sicherung von geistigem Eigentum, Handelsbarrieren und Regulierung der Wirtschaft herangezogen.

Hongkong wird immer noch von vielen Unternehmen als Sprungbrett nach China benutzt. Man registriert z.B. eine Firma in Hongkong und geht dann erst im zweiten Schritt in den chinesischen Markt. Nach der �bergabe Hongkongs an China hatten viele Kritiker bef�rchtet, es w�re vorbei mit der wirtschaftlichen und politischen Freiheit. Wirtschaftlich haben sich diese Bef�rchtungen zumindest nicht best�tigt.

Im Spiegel habe ich einen Bericht �ber das Urteil gegen den Schneider-Konzern wegen einer Patentverletzung in China gelesen. Schneider wurde darin wegen Verletzung eines Patentes eines chinesischen Unternehmens zu einer Strafe von 335 Millionen Yuan verurteilt. Schneider hatte das Patent nach eigenen Angaben schon jahrelang verwendet (das wurde vom Gericht ignoriert), dummerweise hatte das chinesische Unternehmen das Patent in China angemeldet.

Larry Sussman, Partner der Pekinger Kanzlei O’Melveny & Mayers ist wohl tats�chlich der Meinung, dieses Urteil sei ein Hinweis auf ver�nderte Rechtssprechung in China.

Diese Ansicht ist etwas merkw�rdig und ich kann mir nicht vorstellen, dass Sussmann dies wirklich wie im Spiegel geschrieben gesagt hat, aus folgenden Gr�nden:

  1. Gerichtsstand war der Heimatort des klagenden Unternehmens.
  2. Das klagende Unternehmen war ein chinesisches Unternehmen – es gibt dutzende F�lle, in denen ausl�ndische Unternehmen geklagt und entweder verloren haben (man bedenke z.B. das Urteil gegen Baidu wegen Verlinkungen auf mp3) oder das chinesische Unternehmen l�cherlich niedrige Strafen zahlen musste (z.B. das Urteil gegen die Betreiber des Pekinger Seidenmarktes, wo immer noch gef�lschte Produkte verkauft werden).
  3. Oft trauen sich auch ausl�ndische Unternehmen nicht, chinesische Unternehmen zu verklagen. Oft hat es sowieso keinen Sinn und vor allem gro�e Unternehmen f�rchten nat�rlich einen Imageschaden wenn sich die chinesische �ffentlichkeit auf Seiten des chinesischen Beklagten Unternehmens stellt (das dann durch solche Rechtsstreitigkeiten noch bekannter wird).

Das Urteil ist im Prinzip nur ein weiterer Hinweis darauf, dass es mit Rechtssicherheit f�r ausl�ndische Unternehmen in China immer noch nicht weit her ist.

Ich muss wohl nicht erw�hnen, dass in der chinesischen Presse mit einem etwas anderen Unterton �ber den Fall berichtet wird (Sieg f�r chinesische Unternehmen, die von ausl�ndischen Patentinhabern verklagt werden usw.)

Ich habe ja vor kurzem �ber den Betrugsfall mit einer China billige Digitalkamera”>billigen Digitalkamera berichtet.

Im folgenden Beitrag auf Alibaba.com gibt es einige n�tzliche Hinweise, wie man Betrug durch “Lieferanten” in China erkennt:

http://resources.alibaba.com/article/157657/Tips_for_buyers_to_avoid_being_defrauded.htm

Auszug aus einer Antwort auf eine Stellenausschreibung, die ich letzte Woche Donnerstag erhalten habe:

“Unfortunatly, I can only start working on Monday. I first have to tell my boss, that I have found a better job”.

Ich mag ja kurzentschlossene, aber ich stelle mir gerade vor, dass ich die Frau einstelle und sie bei mir auch so kurzfristig k�ndigt. Einen Bekannten von mir hat es noch schlimmer erwischt: Ein Programmierer kam einfach nicht zur Arbeit und sagte nach einer Woche Bescheid, dass er einen anderen Job gefunden hatte.

Dieses “Job-hopping” ist in China ziemlich �blich, man muss sich vor allem als kleines Unternehmen einiges einfallen lassen, um gute Leute zu halten (in meinem Fall erstmal, um gute Leute zu bekommen).

Unternehmer, die nach China gehen und denken, sie k�nnten nur mit Schmiergeld weiterkommen, nerven. Ich habe heute den absoluten Prototypen eines Unternehmers kennengelernt, dem ich eigentlich nur raten kann, China so schnell wie m�glich zu verlassen. Es war sein erster Chinabesuch und er ist (so dr�ckte er sich aus) “auf wirklich alles vorbereitet”. Beraten lassen hat er sich vorher nicht – selbst ist der Mann und er hat deshalb lieber direkten Kontakt mit chinesischen Gesch�ftspartnern aufgenommen (vielleicht ist ja auch ein “gewisser Mister Wang” dabei 🙂

Wenn ich als Deutscher mit einer Firma in China verhandle ist der Tenor: “You are German – I can trust you”. Als Deutscher hat man immer noch einen sehr guten Ruf und wird automatisch mit Tugenden wie Zuverl�ssigkeit, Flei� und technische Kompetenz in Verbindung gebracht – das bringt auf jeden Fall auch Vorteile, wenn man etwas teurer ist.

Wenn das so weiter geht hei�t es in ein paar Jahren wohl eher “You are German? How much do you pay?”

Ist doch klar wenn ein chinesischer Gesch�ftsmann, “Berater”, Zollbeamter oder auch Politiker von dem deutschen Unternehmen X irgendwelche Zuwendungen bekommt (k�nnen auch teure Geschenke oder beim Zoll ein Anteil der Ladung sein), dass er es auch von anderen deutschen Unternehmen erwartet.

Ich kann zwar irgendwie verstehen, dass inkompetente Manager in China glauben, sich mit Zuwendungen (das wird dann meistens wohl �ber einen chinesische “Berater” abgewickelt, auf den dann die Verantwortung abgeschoben wird) das Leben erleichtern zu k�nnen, langfristig ist die Strategie extrem dumm, da man sich korrupte Beamte und Gesch�ftspartner quasi heranzuchtet und im Prinzip erpressbar wird.

Nat�rlich hat ein solches extrem egoistisches Verhalten auch Auswirkungen auf andere ausl�ndische Firmen, die es mit denselben Beamten und Gesch�ftspartnern zu tun bekommen.

Man sollte sich vor billigen Schn�ppchen aus China h�ten – vor allem wenn das Schn�ppchen, in dem Fall eine Kamera nur 1/3 des normalen Kaufpreises kostet. Und was ich immer wieder betone – eine gut aufgemachte Webseite und ein “professioneller” Kundenservice per Email (oder wie in diesem Fall Skype) ist kein Beweis f�r Seriosit�t – h�chstens f�r Professionalit�t – und Betr�ger gehen inzwischen sehr professionell vor.

Ein Bekannter kam mit einem leider sehr g�ngigen Problem zu mir. Sein Gesch�ftspartner hat in China online eine Kamera bestellt – klar, bei einem Schn�ppchen (400 Euro anstatt 1200 Euro) muss man zuschlagen. Der Kontakt war schnell hergestellt, die Webseite sah seri�s aus, der H�ndler hatte auf seiner Webseite eine Addresse im World-Trade Center in Peking angegeben – renommierter gehts kaum. Die “Beratung” auf Skype war sehr seri�s – und die 400 Euro sehr schnell nach China �berwiesen.

Dann kam die Nachricht, die Kamera sei in China beim Zoll, man m�sste noch einmal 200 Euro Steuern zahlen, auf das gleiche Konto. Leider k�nne man keine Best�tigung senden, dass das Paket abgeschickt sei. Tracking Number? Die sei vom Zoll f�r ung�ltig erkl�rt worden.
Einen Freund vorbeischicken? Kein Problem, den w�rde man abholen und dann zur Firma bringen – nach Treffpunkt oder Telefonnummer wurde gar nicht mehr gefragt.

Es ist wohl �berfl�ssig zu sagen, dass die Firma nicht existiert, die Webseite hat inzwischen keine Adresse mehr angegeben. Das Geld kann sich der Schn�ppchenj�ger wohl abschminken.

Wer f�r eine mittelst�ndische Firma als Freelancer arbeitet oder Dienstleistungen erbringt, sollte immer auch versuchen, mit dem Chef zu kommunizieren bzw. ihm klarzumachen, was man eigentlich alles leistet.

Es hat irgendwie keinen Sinn, wenn alle Angestellten, mit denen man zu tun hat, m�chten, dass man weiterarbeitet bzw. sehr zufrieden mit der geleisteten Arbeit sind, nur der Chef eben nicht, weil er z.B. n�chtliche Skype-Sitzungen am Wochenende oder Programmfehler, die man mitten in der Nacht noch schnell beseitigt hat, nicht mitbekommt. Also selbst bei Flatrates, d.h. Vertr�gen mit monatlicher Pauschale oder �hnlichem immer Zeitabrechnungen und Zwischenst�nde auch an den Chef weiterleiten.

Es scheint f�r manche gar nicht so leicht, Geld in China zu investieren. Wer eine Wholly Foreign Owned Enterprise in China gr�ndet, erh�lt nach Erledigung aller notwendigen Formalit�ten erstmal eine vorl�ufige Business Lizenz. Anschlie�end muss das Kapital der gegr�ndeten Firma nach China auf deren Bankkonto �berwiesen werden, und zwar von einem Bankkonto des Investors aus dem Ursprungsland des Investors auf ein Bankkonto des neu gegr�ndeten WFOE in China. Das ganze muss innerhalb einer bestimmten Frist (z.B. 3 Monate) ablaufen.

Geld ist Geld k�nnte man meinen, so leicht ist das in China nicht. Der ordnungsgem��e Eingang der Investition muss von einem Steuerberatungsb�ro best�tigt werden, der Vorgang dauert ca. 3 Tage, wenn das Steuerberatungsb�ro anschlie�end die Unterlagen online einreicht, ansonsten 5 Tage.
Mit der Best�tigung kann man dann seine endg�ltige Lizenz beantragen (das dauert h�chstens 5 Minuten).

Logischerweise sollte man nicht zuwenig �berweisen. Allerdings auch nicht zuviel – der Betrag darf 1% des Kapitals nicht �berschreiten.
Der Endbetrag muss in RMB stimmen, d.h. bei der �berweisung sollte man darauf achten, dass man selbst die Bankgeb�hren des Empf�ngers zahlt. Au�erdem sollte der EURO-RMB-Kurs richtig berechnet werden – wenn man nicht in RMB �berweist.

Was kann sonst noch bei �berweisungen in China schief gehen? Ach ja, das folgende ist mir tats�chlich passiert: Der Firmenname des Empf�ngers muss korrekt geschrieben werden – dass manchmal der vollst�ndige Name nicht in das Online-Banking-Formular passt, z�hlt nicht als Ausrede

Also beim Kapitaleingang muss alles doppelt und dreifach exakt ablaufen, sonst kann es gut passieren, dass man das Geld erstmal wieder zur�ck auf die Ursprungsbank �berweisen muss und der Vorgang wiederholt wird.

Immer mehr kleine und mittelst�ndische Unternehmen dr�ngt es nach China.

Oft bekomme ich auch Anfragen von Einzelpersonen, die nach chinesischen Lieferanten suchen und (nat�rlich kostenlos) einfach mal ein paar Adressen von potentiellen Lieferanten von mir wollen, keine Ahnung haben, dass bei der Auswahl eine Menge Arbeit dahintersteckt oder mir anbieten, zu 100% auf Provisionsbasis zu arbeiten. Jeder ist von seiner Idee �berzeugt und denkt, wenn ich mit ihm zusammenarbeite, w�rde ich zwangsl�ufig profitieren.

Meine Standardantwort auf Anfragen nach kostenlosem support ist im Prinzip eine Preisliste und ab und zu gebe ich noch Informationen �ber Portale wie Alibaba.com oder http://www.chinasuppliers.globalsources.com/SITE/top-china-suppliers.html.

Allerdings sollte man sich nichts vormachen, wenn man nach chinesischen Lieferanten nur im Internet sucht. Die Webseite von Unternehmen sagt nicht das geringste �ber die Qualit�t der Produkte aus, die man am Ende vom Unternehmen erh�lt.

Wie sieht es mit Online Portalen aus? Dort werden oft tausende von chinesischen Lieferanten f�r verschiedene Produkte aufgelistet. Es gibt verschiedene Account-Typen, die Vertrauen herstellen sollen.

Um “certified supplier” in einigen Online-Portalen zu werden, ben�tigt man meist nur eine Kopie der Business-Lizenz und Geld f�r den Jahresbeitrag. Das ist an sich noch kein Beweis, dass dieser Lieferant wirklich existiert. Okay, einige Portale bieten auch upgrade-accounts an, z.B. garantieren sie dann, dass der chinesischer Lieferant, der sich dort eingetragen hat, auch wirklich besucht wurde. So kann man als westlicher K�ufer schonmal einigerma�en sicher sein, dass der Lieferant existiert.

Aber im Prinzip muss man sich klarmachen, dass solche Online-Portale f�r suppliers Geld verdienen m�chten, d.h in erster Linie sind solche Accounts nat�rlich nur Marketing-Tools der Portale

Wie f�ngt man trotzdem klein an?

Wenn man nur eine Idee und kein Kapital hat, ist vieles Gl�cksache bzw. geht of zwangsl�ufig schief. Man versucht �berall zu sparen, macht die Recherche online und bestellt dann Produkte, ohne vorher die Firma besucht zu haben. Das Risiko in solchen F�llen ist nat�rlich extrem gro�.

Man wird, wenn man nur kleine Mengen bestellt, kaum die Aufmerksamkeit eines chinesische Lieferanten erhalten, sondern muss �ber Handelsh�user oder Zwischenh�ndler gehen. Und erstmal Proben erhalten? Auch daf�r muss bezahlt werden.

Qualit�tskontrolle

Im Prinzip gibt es 3 M�glichkeiten

1) Man beauftragt ein spezialisiertes Unternehmen mit der Qualit�tskontrolle
2) Jemand aus der eigenen Firma f�hrt die Qualit�tskontrolle durch
3) Man verl��t sich auf die Qualit�tskontrollen des Lieferanten und f�hrt keine eigene Qualit�tskontrolle durch

Von Punkt 3 ist nat�rlich abzuraten – es kommt aber vor allem immer wieder bei kleinen Bestellungen vor, dass keine Qualit�tskontrolle gemacht wird

Man sollte sich aber klarmachen, dass man als Importeur f�r die Produkte, die aus China kommen, haftet. D.h. selbst wenn man den Lieferanten gefunden hat, muss man eine effektive Qualit�tskontrolle etablieren – nicht nur f�r die erste Lieferung sondern auch f�r alle nachfolgenden Lieferungen.

Wie zahlt man?

Nat�rlich ist hier alles Verhandlungssache, welche Zahlungsart wird ausgemacht, wann wird bezahlt usw. Hier l��t sich �ber die Risiken ein ganzer Roman schreiben.

Eine typische Abwicklung w�re z.B. 30% Anzahlung und 70% nach Verschiffung des Produkts oder z.B. ca. 1/3 bei Vertragsabschluss, 1/3 nach Qualit�tskontrolle und Verschiffung, 1/3 nach Ankunft in Deutschland. Hier kann man viel verhandeln, je l�nger man Vertragspartner ist, desto eher sollte man die Zahlungsbedingungen zu seinen Gunsten �ndern (nicht umgekehrt).

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