January 2010


Heute hat die Meldung Aufsehen erregt, Google wolle sein Engagement in China �berdenken. Google begr�ndet dies mit der Zensur und Hackerangriffen aus China, die zum Ziel hatten, Email-Accounts von Dissidenten auszusp�hen und geistiges Eigentum von Unternehmen zu stehlen.

Auf http://googleblog.blogspot.com/2010/01/new-approach-to-china.html sagt Google jedoch erstmal nur, dass sie ihre Suchergebnisse nicht mehr zensieren wollen. Sie werden mit den Beh�rden verhandeln und pr�fen ob es m�glich ist, eine unzensierte Version von Google in Chin zu betreiben.Nach einer Meldung von chip.de hat Google bereits angefangen, nicht zensierte Suchergebnisse in China auszuliefern.

Auswirkungen auf Google

Kritische Stimmen behaupten zwar, Google w�rde dieser Schritt nicht sehr weh tun, da das Chinagesch�ft nur 1% seines Gesamtumsatzes ausmache, allerdings hat Google in den letzten Jahren den Abstand zum lokalen Konkurrenten Baidu verk�rzen k�nnen und w�rde im Extremfall auf den gr��ten Internetmarkt der Welt verzichten. Ausl�ndische Unternehmen haben es in China durchweg schwerer als chinesische. Chinesische Unternehmen haben bessere Beziehungen zu Beh�rden (und Gerichten), weniger b�rokratische H�rden zu �berwinden bzw. sind diese H�rden und die Kooperation mit den Beh�rden gewohnt. Ausl�ndische Unternehme k�nnen auch nur mit Hilfe eines lokalen Partners an eine Internet Content Provider Lizenz gelangen, um �berhaupt kommerziell im chinesischen Internet t�tig werden zu k�nnen.
Des weiteren k�nnen chinesischen Unternehmen problemloser im Internet kopieren und Dienste anbieten, die f�r ausl�ndische Firmen tabu sind (Onlinespiele, MP3-Downloads usw).

Angesichts dieser Umst�nde kann man Google China schon als Erfolgsstory sehen, auch wenn man bedenkt, dass Google erst 2006 nach China gegangen ist.

Auswirkungen auf China?

Die Auswirkungen auf das Internet in China sind noch schwer abzusehen, es kommt wohl vor allem darauf an, welche Google-Dienste in Zukunft in China noch zur Verf�gung stehen. Falls nur die Suchmaschine gesperrt wird, werden sich die Konkurrenten freuen, sonst wird nicht viel passieren. Wenn aber andere Dienste (Google Mail, Google Docs usw.) ebenfalls gesperrt werden, m�ssen wohl an die 50 Millionen Internetnutzer, die diese Dienste nutzen, ihre Surfgewohnheiten �ndern.

Politisch wird sich wenig �ndern, die Zensurbeh�rden wohl kaum nachgeben und eine unzensierte Version von Google zulassen. Es wird allerdings auch Druck auf die chinesische Regierung geben und die Beziehungen zwischen China und den USA wird dieser Schritt von Google kurzfristig belasten.

Mein Fazit: Die Zensurbeh�rden werden kaum nachgeben, die lokale Konkurrenz wird sich freuen. Wenn Google hartn�ckig bleibt, wird wohl zumindest die Suchmaschine gesperrt.

Egal wie. Inspirierend ist dieser Schritt auf jeden Fall.

Im Spiegel (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,669714,00.html) und anderen Medien wird wieder �ber die Anti-Porno Kampagne in China berichtet. Im Rahmen der Kampagnen wurden zahlreiche Seiten gesperrt, Betreiber solcher Seiten festgenommen, es gibt anscheinend auch Belohnungen f�r Nutzer, die solche Seiten melden.

Wieder wird aber nur oberfl�chlich recherchiert (oder Meldungen ungepr�ft �bernommen und der Text etwas ge�ndert). Im Gegensatz zur Meldung des Spiegels gibt es in China keine Vorschrift, die besagt, dass ein Computer nur noch mit vorinstallierter Anti-Porn Software gekauft werden kann, wenn ich die Meldugen Mitte letzten Jahres richtig in Erinnerung habe, war dies auch nie in der Art geplant.

Es gibt seit Mitte letzten Jahres ein Projekt mit dem Namen “Green Dam-Youth Escort” (??�????). Urspr�nglich sollten alle neu in China verkauften Computer ein Programm vorinstallieren oder aber eine Installationsm�glichkeit daf�r (CD)� mitliefern, welches bestimmte Inhalte zensiert. Die Zensur geschieht mit Hilfe einer Blacklist, die automatisch �ber Internetupdates aktualisiert wird. Eine Vorinstallation f�r alle Computer� war aber nie verpflichtend.

Sp�ter gab es einen Teilr�ckzieher insofern, dass nur noch f�r Schulen, Internetcafes und andere �ffentliche Einrichtungen die Installation des Programms vorgeschrieben wurde. Privatnutzer in China m�ssen dieses Programm nicht installieren.

Es kann nat�rlich durchaus sein, dass die Kampagne gegen ungesunde Inhalte versch�rft wird.