Archive for June, 2007

Nostalgie-Trips in China – das sollte man sich vorher genau überlegen; Enttäuschungen sind oft vorprogrammiert. Städte in China entwickeln sich unheimlich schnell und viele bekannte Orte müssen Neubauten weichen. Vor 8 Jahren habe ich für ein Jahr in Hangzhou studiert und war jetzt das erste mal wieder dort. Ich war ja im Prinzip darauf vorbereitet dass vieles anders sein wird, allerdings hat mich das Ausmaß der Veränderungen schon überrascht. Zuerst die guten Nachrichten:

  • den Westsee gibts noch
  • die alte Frau gegenüber dem Xix-Campus der Zhejiang-Universität, die Telefonkarten verkauft, saß noch an derselben Stelle
  • irgend so einen alten Supermarkt in der Xixilu gibts auch noch
  • und den Paradise-Club darf man nicht vergessen, auch wenn ich da nicht gerade Stammgast war und es inzwischen eine Menge Alternativen zu geben scheint (während meines Aufenthalts vor 8 Jahren war der Club DER Treffpunkt für Ausländer)

Ansonsten hat sich Hangzhou unheimlich verändert, am besten läßt sich das bei einer chinesischen Stadt wohl an der Anzahl der Mc Donald’s ablesen, in Hangzhou auch noch an der Anzahl der neuen Restaurants, Nachtclubs und Hotels am Ufer des Westsees. Das Studentenwohnheim im Xixi-Campus, in dem ich ein Jahr gewohnt habe, war damals schon sehr alt und ist inzwischen abgerissen worden. An der Hangda-Lu waren während meiner Zeit kleine, heruntergekommene Restaurants – das kann man sich jetzt kaum noch vorstellen, zumindest auf der einen Seite gibt es jetzt Hochhäuser und Shopping-Center.

Trotz der vielen Veränderungen und des konsequenten Ausbaus der Gegend um den Westsee in ein Touristengebiet ist Hangzhou mit dem Westsee (vor allem ein Besuch der Inseln auf dem Westsee ist ein Muss) auf jeden Fall eine Station, die man während eines Chinabesuchs nicht auslassen sollte.

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Mal wieder gute Nachrichten von der Zensurfront in China. Die Online Enzyklopädie Wikipedia ist aus China im Moment wieder erreichbar, zumindest aus Peking kann man Tests zufolge fast alle Seiten problemlos aufrufen.
Die Sperre von Wikipedia in China besteht mit Pausen seit Oktober 2005, im Oktober 2006 und anscheinend auch im Februar 2007 war Wikipedia für kurze Zeit aus China erreichbar
Gesperrt sind im Moment lediglich noch einige Artikel, z.B. der Artikel über die Volksrepublik China lädt nicht vollständig. Versucht man, diese Seite aufzurufen, hört die Seite nach einigen Sekunden auf zu laden, anschließend wird der Aufruf der kompletten Wikipedia für einige Minuten blockiert.
Ebenso verhält es sich bei anderen Artikeln über Chinarelevante Themen, wie z.B. über Falungong (hier funktioniert nicht einmal die Suche nach dem Thema). Gesperrt ist dagegen immer noch die bekannte Blog-Plattform blogspot.com.
Die Zensur darf man nicht damit verwechseln, dass China eventuell das Internet nicht fördert. Ganz im Gegenteil, das Internet ist ein wichtiges Instrument, um Nachrichten zu verbreiten und auch Informationszugang in die Provinzen zu haben, z.B. in der Form, dass sich irgendwann auch die Bauern im kleinsten Dorf im Internet über ihre Rechte erkundigen können (gegen Korruption gerichtet).

Die Informationshoheit hat die Kommunistische Partei im chinesischsprachigen Internet sowieso schon lange hergestellt, Nachrichtenportale in China unterliegen selbstverständlich der Zensur, Blogs werden entweder von den Bloghostern kontrolliert bzw. falls sie eine eigene Webseite haben, müssen sich die Blogger für die Webseite eine Lizenz holen (alle Webseiten, die in China gehostet werden, benötigen eine Lizenz). Und für Foren, Chats und andere interaktive online-services hat die KPCh ebenfalls Maßnahmen ergriffen – entweder, in dem sie aktiv an Diskussionen teilnimmt und diese in bestimmte Richtungen lenkt oder eben einfach überprüft und zensiert. Für solche Zwecke sollen ja ca. 30.000 Internetpolizisten das chinesische Internet im Auftrag der Zensurbehörden überprüfen.

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Heute wars lustig. Ich habe einen chinesischen Bekannten getroffen, der gerade seinen Job bei einem französischen Weinhändler gekündigt (oder verloren) hat. Zufällig kenne ich auch seinen Ex-Chef zumindest vom Sehen her (ich wusste aber vorher nicht, dass mein chinesischer Bekannter bei ihm gearbeitet hat).

Er hat mir erzählt, wie es bei dem Weinhändler so zugeht. Der Besitzer ist Chinese und überlässt das Management einigen Franzosen, der Laden hat natürlich auch chinesische Verkäufer. Der chinesische Bekannte beklagte, dass sich die französischen Manager ziemlich unfair gegenüber den Chinesen verhielten und auch recht unzuverlässig seien, einige genannte Beispiele:

  • Es steht eine Eröffnung bevor, alle arbeiten bis 4 Uhr morgens, die chinesischen Mitarbeiter erscheinen pünktlich am nächsten Tag um 8 zur Arbeit, die Franzosen erscheinen nachmittags.
  • Der Lieblingssatz des Französischen Managers bei jeder Kleinigkeit ist “Zhege hen zhongyao 这个很重要 ” (auf deutsch: Das ist sehr wichtig!), natürlich mit falscher Betonung, über die sich inzwischen alle chinesischen Mitarbeiter lustig machen.
  • Das Management sei relativ geizig, es gebe keinen Wasserspender für die Mitarbeiter (nur einen für den Chef), die Chinesen dürfen angeblich im Laden nicht essen (die Franzosen schon), Pausen gebe es nicht, weil nur ein chinesischer Mitarbeiter im Laden ist, auf die Toilette gehen sei nicht möglich, weil ja der eine Mitarbeiter immer auf den Laden aufpassen müsse, Weinlieferungen sollen per Bus oder Fahrrad, bei dringenden Fällen nicht mit dem Taxi sondern lieber mit dem privaten Auto eines chinesischen Mitarbeiters gemacht werden.
  • Abends würden die Französischen Manager relativ häufig dem hauseigenen Wein zusprechen.

Natürlich kann ich das alles nicht nachprüfen.
Ich habe mir auf jeden Fall eine Menge Beschwerden anhören müssen und es war sehr interessant, mal die chinesischen Angestellten über die ausländischen Chefs jammern zu hören, normalerweise ist es immer umgekehrt. Klar ist wohl, dass kaum jemand Respekt vor den französischen Mitarbeitern hat.
Der Vorname des einen Managers ist übrigens “Julien”, sein Spitzname ist 猪脸 , Aussprache “zhulian”, was soviel wie Schweinsgesicht bedeutet, der Chef wird wohl immer mit:

Boujour, Julien, Salut = 母猪儿 猪脸 傻驴 ,Aussprache: Muzhuer, zhulian, Shalü, begrüßt, was soviel bedeutet wie “Schwein, Schweinsgesicht, Dummer Esel”. Ich bezweifle mal, dass der französische Chef den Witz versteht, er wird sich wohl eher über die seiner Meinung nach falsche französische Aussprache von Bonjour lustig machen.

Die Story schreibe ich lieber nicht in die englische Version meines Blogs.

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Es lohnt sich ja gar nicht mehr, eine Nachricht darüber zu verfassen. Zumindest aus Peking ist http://blogspot.com wieder mal nicht erreichbar. Schade eigentlich, kann ich jetzt doch den ein oder anderen Blog von Mitarbeitern nur noch über proxy-server lesen. Eine Möglichkeit dazu ist übrigens der Dienst: www.anonymouse.org.

Was gabs sonst noch neues diese Woche? Nicht ganz unlustig (wenn auch etwas traurig, das zu beobachten) war eine Polizeirazzia in Peking bei Wudaokou. In der Nähe der U-Bahn-Station hatten sich in den letzten Wochen immer mehr illegale Straßenhändler angesammelt, es hatten sich wohl einige angrenzende Geschäfte beschwert, zumindest sind sie zuerst von der Südwest-Seite der Kreuzung auf die Nordseite gewandert, danach waren sie geballt an direkt an der U-Bahn-Station, man konnte kaum noch den Gehweg benutzen – und gestern wurde die Kreuzung geräumt und den weinenden und schimpfenden Händlern die Ware abgenommen.

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Hier findet Ihr ein interessanters Interview mit Matt Cutts, dem Leiter des google Webspam Teams, über SEO und Internetsuche in China.

Interview mit Matt Cutts über Suche und SEO in China.


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Unternehmer, die in China tätig sind, stehen oft vor der Entscheidung, wem sie ihr Vertrauen schenken sollen. Sie benötigen die Unterstützung von Partnern (Rechtsanwälte, Webdesgner, Marketing, Buchhaltung & Steuerberater ….) und oft ist es auch Zufall, ob man an den richtigen gerät, vor allem wenn dieser Partner in einem Bereich tätig ist, von dem man selbst wenig Ahnung hat.

Ein paar Tips, um das Prinzip Zufall so gering wie möglich zu halten:

  • Überprüfen Sie, ob das Unternehmen Referenzen hat. Eventuell lohnt es sich, mit einem anderen Kunden des Partners Kontakt aufzunehmen. Natürlich gilt oft auch: Je renommierter das Unternehmen, desto teurer. Aber in China lohnt es sich oft, für Vertrauen zusätzlich zu zahlen.
  • Überprüfen Sie, wie lange der Partner selbst in China tätig ist und vor allem, wie lange .
  • Recherchieren Sie im Internet. Vor allem, wenn Kunden unzufrieden sind, tendieren sie dazu, ihren Frust in Online Foren abzuladen (allerdings ist auf negative Foreneinträge nicht immer Verlass, zu positive Foreneinträge kommen manchmal von den Unternehmen selbst).
  • Hören Sie auf Empfehlungen. Fragen Sie ihre Business Partner, mit welchen Unternehmen sie schon positive Erfahrungen gemacht haben.

Neulich habe ich im Internet eine Seite entdeckt, die einige wenige Dienstleister in China überprüft und weiterempfiehlt:

http://www.chinasolved.com.

Die Seite setzt mehr auf Klasse statt auf Masse. Zwei der empfohlenen Manager kenne ich persönlich und würde die Empfehlung 100% teilen.

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