Erlebnisse in China


Für das Online Seminar ” Der Arbeitsmarkt in China für Studierende und Absolventen” hatten sich 47 Teilnehmer angemeldet, immerhin 26 haben an diesem sonnigen Samstag Nachmittag teilgenommen.

Hier das Ergebnis der Umfrage über die Vertragsart beim Berufseinstieg in China.

Umfrage zu den Gehaltsvorstellungen der Teilnehmer des Webinars:

Anteil - Verträge in ChinaDas Webinar richtete sich vor allem an Studierende und Berufseinsteiger, interessant ist, dass ein großer Teil mit einem lokalen Arbeitsvertrag in China den Berufseinstieg angehen würde. Letztes Jahr hat Sinojobs eine Umfrage der gleichen Art gemacht, allerdings richtete diese sich nicht nur an Berufseinsteiger. Da lag der Anteil der Arbeitnehmer, die für einen lokalen Vertrag + Ausländerzuschlag arbeiten würden, bei 44%.

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…aber trotzdem, da ich in den letzten Tagen mehrere Anfragen erhalten habe:

Es scheint tatsächlich so zu sein, als ob China für Tibet derzeit keine Einreiseerlaubnis erteilt.  Das ist keineswegs eine Seltenheit. Nach den Protesten 2008 wurde Tibet gesperrt.

Wer nach Tibet reisen möchte, benötigt grundsätzlich eine Einreisegenehmigung, das Visum, das man für die VR China bekommt, genügt hierfür nicht.

Die Einreiseregelungen werden auch des öfteren mal sehr kurzfristig geändert. Wer nach Tibet reisen möchte, sollte sich also vorher gut informieren und sich nicht über kurzfristige Änderungen wundern.

Bei meinem Tibetbesuch im Jahr 2000 erfuhren wir zum Beispiel erst in Chengdu (Stadt in Sichuan, die oft als Sprungbrett nach Tibet verwendet wird) von einer Änderung der Einreiseregelung, obwohl wir nur 5 Tage vorher bei einem chinesischen Reisebüro alles gebucht hatten (das angeblich ebenso überrascht wurde). Anstatt 1200 yuan und einer “pro-Forma”-Reisegruppe zur Einreise, wurde dann tatsächlich verlangt, dass wir eine Reisegruppe für 3 Tage buchen sollten.

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Viele Ausländer legen sich chinesische Namen zu, wenn sie mit China zu tun haben, manche mehr oder weniger gelungen. Ich habe im Laufe der Zeit mehrere chinesische Namen erhalten – bewusst und unbewusst.  Mein erster war irgendwie zu philosophisch , 金希法.(Jin Xifa) und wurde mir vom Wohnheimleiter während meines Auslandsstudiums gegeben.

Der nächste Name war dann 小金 (kleines Gold oder vielleicht eher “Kleiner Kim”). Den erhielt ich während meiner Arbeit an der Uni. Ich fand erst im Laufe der Zeit heraus, dass mit Xiao Jin ich gemeint war, als mehr und mehr Chinesen im Büro anriefen und nach diesem ominösen Xiao Jin fragten.

Name Nr. 3 war dann 金志强 (Jin Zhiqiang), mit dem die meisten Chinesen aus meinem Bekanntenkreis zufrienden waren.

Jetzt kam im Rahmen einer Firmenregistrierung Name Nr 4. zustande 克姆 斯奇佛.Hintergrund des neuen Namens ist anscheinend eine (neue?) Vorschrift, dass der Legal Representative bei einer Firmenregistrierung einen chinesischen Namen haben muss, dessen Aussprache mit dem westlichen Namen übereinstimmen muss (die war neu für mich).

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Heute habe ich mal ein paar Stellenbörsen für China angeschaut, die populärste dürfte ja zhaopin.com sein, die gibt es auf chinesisch und (teilweise) auf englisch.

Wer sich dort bewerben möchte, wird unter anderem aufgefordert, seine Parteizugehörigkeit anzugeben. Da ich den ein oder anderen jungen, ehrgeizigen Chinesen kenne, der unbedingt in die Kommunistische Partei eintreten möchte (bei zumindest einer Bekannten wurde der Antrag abgelehnt), gehe ich mal davon aus, dass dies in China stark karrierefördernd ist.

Das erinnert mich z.B.

  • an den Bewerber vor einigen Jahren aus Südafrika, der ganz oben in der Bewerbung seine gute Gesundheit und sein tadellosen polizeiliches Führungszeugnis betont hat
  • an die chinesische  Bewerberin, die während des Vorstellungsgesprächs einen Anruf von ihrem Chef erhalten und ihm gesagt hat, sie sei krank
  • an eine Bewerberin aus den USA, die gehört hatte, in Deutschland würden ehrenamtliche Tätigkeiten von Chefs nicht gerne gesehen und deshalb ihre ganzen ehrenamtlichen Tätigkeiten, die dort für manche Stipendien quasi obligatorisch sind, bei der Bewerbung weggelassen hat
  • an den Lebenslauf, in dem ich per google-Suche sogar noch erkennen konnte, woher der Bewerber die Textbausteine hatte
  • an die chinesische Bewerberin, die sagte, sie möge zwar nicht alle Ausländer, aber Deutsche fände sie ok
  • ach so.. die Partei.. da war mal was im “Company Law of the People’s Republic of China” (frühere Beitrag)
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Aus einem Telefongespräch von vor ein paar Wochen, musste gerade daran denken:

Ich: “Ich habe das Problem bereits mit Herrn Xie diskutiert, er ist meiner Meinung.”

Er: “Aha, den Herrn muss ich mir mal näher anschauen.”

Ich (etwas iritiert, da dieser Herr Xie bei ihm arbeitet): “Ja, das sollten sie vielleicht.”

Minuten später:

Er: ” Ki scheint ja dergleichen Meinung zu sein, vielleicht stimmts ja doch. Sie kennen ihn ja schon.”

Ich (keine Ahnung habend, wer dieser Ki ist):”Kann sein, dass ich ihm schon begegnet bin.”

Noch ein paar Minuten später stellten wir fest, das Herr Xie und dieser Ki die gleiche Person sind.  Anscheined wurde sein Name (Xie) ein Jahr lang in der Firma falsch ausgesprochen, nämlich (Ki, auch ohne das e) und darüber hinaus haben alle seinen Nachnamen zum Vornamen gemacht. Er hat aber nie jemandem Bescheid gesagt, weil er dachte, sein Vorname sei sowieso zu schwierig für uns Deutsche und hat aus dem gleichen Grund auch nicht die Aussprache seines Nachnamens korrigiert.

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Die komischste Geschichte, was Job-Hopping in China angeht:

Es ist immer wieder lustig, wenn man in ausländischen Firmen in China sowohl mit dem ausländischen Chef als auch mit den chinesischen Mitarbeitern Kontakt hat.

Ein Mitarbeiter verläßt das Unternehmen. Der Chef jammert über die chinesische “Job-hopping”-Mentaliät, Gehalt sei alles, blablabla. Der Mitarbeiter habe die Firma von einem Tag auf den anderen verlassen, den Arbeitsvertrag gebrochen (d.h. Kündigungsfrist nicht eingehalten) und nicht einmal die Bonuszahlung verlangt, die 2 Wochen später noch fällig war.

Das machte mich doch etwas stutzig. Die Erklärung des Mitarbeiters: Der Chef habe seine ausländischen Kollegen besser behandelt als die chinesischen und sei ein Rassist. Ich habe etwas nachgehakt. Konkreter Vorwurf, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe:  Plötzlich habe es unterschiedliche Toiletten für Chinesen und Ausländer gegeben, die chinesischen Mitarbeiter hätten keinen Zutritt zur “guten” Toilette mehr (es gab zwei auf dem Stockwerk).

Ich habe den Chef gefragt, dessen Erklärung: Keiner habe mehr Zugang zur “guten” Toilette, wie sie von allen scherzhaft schon beim Einzug in das Bürogebäude genannt worden war, sie sei jetzt eben zugeschlossen, keine Ahnung warum, er habe nicht darüber nachgedacht, er und zumindest die anderen ausländischen Mitarbeiter gingen jetzt eben ein Stockwerk höher.

Der Hauptunterschied zwischen den Toiletten: Die “gute” war westlicher Stil zum Hinsetzen, die weniger schöne, die von allem gemieden wurde, war eine Hocktoilette.

Naja, hätten sie doch nur mal miteinander geredet. Aber es gibt eben einige Themen, die gemieden werden, der Mitarbeiter ist eben ohne ein Wort zum Chef verschwunden.

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Wenn man mich fragt, wie kompliziert es ist, in China eine Firma zu registrierten, sage ich scherzhaft immer: In Deutschland hat es 30 Minuten gedauert, in China 3 Monate. Der Vergleich hinkt natürlich, weil ich in Deutschland mit der GbR eine sehr unkomplizierte Rechtsform gewählt habe. Die Registrierung einer GmBH ist in Deutschland auch aufwändiger. Egal.

Ich habe mir heute noch einmal den aktuellen Stand angesehen, was man benötigt, wenn man eine Wholly Foreign Owned Enterprise in Peking registriert. Dann habe ich mir die Liste angeschaut. Was bekommt man eigentlich an Dokumenten von den Bürokraten zurück?

Wenn man das vergleicht, was die Anzahl der Dokumente bzw. Stempel angeht, nicht mal unbedingt ein Verlustgeschäft.

Also, die folgenden Dokumente muss man vorbereiten:

  1. Name Reservation Form
  2. Application Letter
  3. Articles of Assoctiation
  4. List of Directors /Shareholders
  5. Office Lease Agreement (ok, da braucht man auch einige Dokumente, die der Vermieter vorbereiten muss, ich zähls mal als eines)
  6. Notarized Certificate of Incorporation bzw. Handelsregisterauszug
  7. Passport of WFOE Direcor(s)
  8. Bank Reference Letter
  9. Application Form
  10. Power of Attorney (d.h. Vollmacht für den Rechtsanwalt)
  11. Resume of Legal Representative / Chairman of the Board
  12. Letter of Appointment for legal help für den Anwalt
  13. Inventarliste (manchmal)
  14. Kontaktdaten des Supervisors der WFOE (Name, Vorname, ID, Adresse)

Das habe ich zurückbekommen bzw. diese Dokumente und Stempel musste ich dann in meinem Safe aufbewaren oder an die Wand hängen.

  1. 1 Orginal:  企业法人营业执照       Corporate Business License der PRCh
  2. 2 Kopien:  企业法人营业执照       Corporate Business License der PRCh
  3. 1 Original: 批准证书                        Certificate of approval
  4. 2 Kopien: 批准证书                         Certificate of approval
  5. 1 Original: 组织机构代码证书       Organization Code Certificate
  6. 1 Kopie:组织机构代码证书            Organization Code Certificate
  7. 1 Original: 税务登记证                   Tax Registration Certificate
  8. 1  Kopie 税务登记证                        Tax Registration Certificate
  9. 1 Original 外汇登记证                    Approval documents for foreign exchange
  10. 1 Original: 统计登记证                   Statistics Registration Certificate
  11. 1 Original: 统计登记证                   Statistics Registration Certificate
  12. 1 Original: 三资企业备案登记薄  Zertificate of registration of the foreign-invested enterprise
  13. 公章                                                     1 Stempel
  14. 财务章                                                 noch ein Stempel
  15. 人名章                                                 noch ein Stempel
  16. 报关章                                                 noch ein Stempel

knappes Ergebnis: 16 : 14 für die Bürokraten. Der Aufwand lohnt sich also.

Auf www.chinaseite.de gibt es in den nächsten Tagen nach mehreren Anfragen auch mal einen praxisnahen Bericht aus eigener Erfahrung. Was muss man beachten, was bedeuten die vielen Stempel und Zertifikate eigentlich, was kann schiefgehen?

Wenn mich also jemand noch einmal bittet, einen Business Plan für China zu zu prüfen oder zu schreiben, werde ich dieses Ergebnis auch mit einfließen lassen.

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Also, weil ich mit der Praktikantin noch einen netten Chat hatte, noch einen Kommentar zu Visaangelegenheiten.

Ihr Chef hatte Probleme für seine ausländischen Angestellten die Arbeitserlaubnis und die Aufenthaltserlaubnis zu erhalten. Angeblich sei seine Firma zu klein (die Größe wird durch das Kapital der Wholly Foreign Owned Enterprise definiert) und dürfe deshalb nur für einen Ausländer anstellen. Das stimmt so nicht. Soviel ich weiß ist die Regel ungefähr so:

Wenn das WFOE ein Investment Capital von weniger als 3 Millionen USD hat, kann nur der offizielle Repräsentant der Firma eine Arbeitserlaubnis beantragen OHNE CHINA ZU VERLASSEN. Als ich mein Unternehmen in China gegründet habe, konnte ich als einziger alle Formaliäten erledigen, ohne China zu verlassen. Alle anderen ausländischen Angestellten mussten China verlassen, um das Z-Visum zu erhalten, d.h.

Folgende Unterlagen werden benötigt

1. Kopie des Reisepass

2. Lebenslauf

3. Registration Form of Temporary Residence (sobald man in China angkommen ist, erhält man diese nach der Registrierung bei der Polizei)

4. Abschlusszeugnis der Universität

5. Arbeitsvertrag

6. Business License and Organization Code License des Arbeitgebers

7. Gesundheitszeugnis (kann man in China oder im Ausland machen lassen) Link: Beijing International Trvel Healthcare center (Chinesisch)

8. Für den legal represantative der Firma noch die folgenden Unterlagen:

a)  Copy of Company’s Articles of Association

b) Company shareholder list

Nun zum Ablauf:

1)  Erstmal alle Dokumente zusammenklauben

2) Antrag auf Arbeitserlaubnis (normalerweise vom Ausland aus). Das macht der Arbeitgeber. Die Bearbeitungszeit dauert ein paar Wochen.

3) Mit der Arbeitserlaubnis und dem Einladungsschreiben der Firma das Z-Visum an der chinesischen Botschaft des Heimatstaates beantragen. D.h. als Nicht-Chef muss man China verlassen. Das Verlassen Chinas war früher nicht unbedingt nötig, die Regeln wurden aber nach und nach verschärft. Inzwischen muss man das Z-Visum im Heimatstaat beantragen, ein kurzer Ausflug nach HK reicht nicht mehr. Das Z-Visum ist für einen Monat gültig.

4) Gesundheitszeugnis. Dies kann in China oder im Heimatstaat gemacht werden.

4) Nach der Rückkehr nach China muss die Alien Employment Permit beantragt werden. Das ist ein bräunliches Buch, das man nach ca. 1 Woche erhält.

5) Nachdem man die  Alien Employment Permit erhalten hat, beantragt man die Residence Permit für den Angstellten

Bei Fragen: Bitte nicht an mich wenden, sondern im Forum auf http://forum.chinaseite.de nachfragen.

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Auch wieder lustig. Eine ehemalige Studienkollegin von mir macht ein Praktikum, kombiniert mit Sprachkurs in China und hat mir heute morgen aufgeregt von einer “Razzia” in ihrem Büro durch Polizeibeamte erzählt. Eben kam die Entwarnung: Es waren nur ein paar Beamte, die alle Visa bzw. die Aufenthaltserlaubnis der  ausländischen Angestellten der Firma überprüft haben. Den Chef haben sie nur zum Mittagessen mitgenommen, also einfach ein bischen Pflege der “guanxi” durch den Chef.

Es lohnt sich immer, die guten Beziehungen zu Behörden zu pflegen. Bei meiner Firma in Peking hat das meine Buchhalterin gemacht. Ihr Mann hatte ein relativ großes Unternehmen im selben Business District wie ich, deshalb war sie z.B. im Local Tax Bureau schon gut bekannt und musste auch selten anstehen.

P.S. Ich chatte heute eindeutig zu viel.

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Ich habe heute morgen mit einem Jungunternehmer in China gechatet, mit dem ich eventuell eine Kooperation eingehen möchte. Er hat ein kleines IT-Unternehmen in Shanghai, 10 Mitarbeiter und beklagt sich über die Mitarbeiterfluktuation. Kaum eingearbeitet verlassen ihn seine Programmierer wieder. Dies geschähe sogar häufig von einem Tag auf den anderen, ohne Vorwarnung, meistens am Tag nach der Gehaltszahlung.  Das Stichwort Job-Hopping fällt irgendwie ziemlich oft, wenn ich mit ausländischen Unternehmern in China rede. Erstaunlicherweise hält sich dabei das Vorurteil, dass chinesische Mitarbeiter eher bereit seien, für einen geringfügig höheren Lohn das Unternehmen zu wechseln. Dieses Vorurteil hält sich wohl deswegen so gut, weil sich ein chinesischer Mitarbeiter, wenn er erstmal unzufrieden ist, logischerweise nach einer besser bezahlten Stelle sucht. Ergo: Das Gehalt machts.

Dies mag durchaus der Fall sein bei Uni-Absolventen, die nach ihrem Abschluss oft für eine begrenzte Zeit bereit sind, für einen Lohn von 2000 RMB zu arbeiten, um die Zeit bis zum richtigen Job zu überbrücken und trotzdem erste Arbeitserfahrung zu sammeln. Ansonsten ist das Gehalt nicht das Hauptkriterium bei einem Jobwechsel, vor allem dann nicht, wenn das Arbeitsklima ok ist, das Gehalt im Verhältnis zur Qualifikation des Arbeitnehmers steht und marktgerecht ist. Bei dumping-Löhnen muss man sich als Chef über Kündigungen nicht beschweren.

Vor allem kleine, wenig renommierte Unternehmen klagen über dieses job-hopping, wobei übersehen wird, dass die Unzufriedenheit der Mitarbeiter viele Gründe haben kann. Kaum ein Mitarbeiter wird seinen Job kündigen, mit dem er zufrieden ist, nur weil er woanders etwas mehr verdient.

Meiner Erfahrung nach gäbe es für den Unternehmer viele Möglichkeiten, seine Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden, und erstaunlicherweise muss man hier oft bei den Basics anfangen. Bei unserem kleinen Chat fiel gleich das Stichwort Arbeitsvertrag.

Schon der Arbeitsvertrag bietet dem Unternehmen Möglichkeiten, zumindest das Kündigen von einem Tag auf den anderen zu verhindern. Erstmal muss man einen Arbeitsvertrag haben. Mich haut es immer wieder von den Socken, wenn ich sehe, dass vor allem bei kleinen Unternehmen nach dem Vorstellungsgespräch erstmal eine Probezeit vereinbart wird, es gibt einen vorläufigen Arbeitsvertrag auf englisch, der ausländische Chef macht sich aber nicht die Mühe, einen chinesischen Arbeitsvertrag vorzulegen, der den rechtlichen Bestimmungen entspricht. Wenn das Gehalt niedrig ist und auch sonst in dem Unternehmen das Arbeitsklima nicht gut ist, wird der Arbeitnehmer auch nicht auf einen Arbeitsvertrag bestehen und ist bei der nächsten Gelegenheit weg. Außerdem schafft ein Arbeitsvertrag, der den rechtlichen Bestimmungen entspricht Vertrauen bei neuen Mitarbeitern.

In dem Arbeitsvertrag kann dann durchaus vereinbart werden, dass das Gehalt am 1. des Monats und z.B. eine Prämie am 10. des Monats gezahlt wird. So läßt sich zumindest verhindern, dass der Arbeitnehmer von einem Tag auf den anderen kündigt. Er wird in den meisten Fällen zumindest die Kündigungsfrist einhalten. Der Fall einer Buchhalterin, die mitsamt den Unterlagen für die jährliche Bilanzprüfung verschwunden ist (siehe ein früherer Beitrag im Blog) zeigt auch, dass man zumindest wissen sollte, wo der Arbeitnehmer wohnt.

Für chinesische Mitarbeiter gibt es viele Gründe, auch für kleine ausländische Unternehmen zu arbeiten. Erstmal können sie etwas für für ihre Englischkenntnisse tun. Sie können viel über die Arbeitsweise in ausländischen Unternehmen lernen, es ist auf jeden Fall eine Bereicherung für ihren Lebenslauf. Man sollte den Mitarbeitern trotz Deadlines, die eingehalten werden müssen, genug Zeit für Weiterbildung geben bzw. ihnen auch mal bewusst Aufgaben stellen, die komplett neu für sie sind. Klar ist aber: Mit der Qualifikation muss auch das Gehalt steigen. Nach Fortbildungen kann man durchaus den Mitarbeiter verpflichten, eine bestimmte Zeit für das Unternehmen zu arbeiten und andernfalls die Kosten für die Fortbildung zurückverlangen (Training Agreement).

Viele ausländische Unternehmen übersehen einen wichtigen Punkt: fließende Englischkenntnisse sind eine wichtige Zusatzqualifikation bei chinesischen Mitarbeitern. Ein Chinese, der Englisch kann, wird mehr verdienen. Englischkenntnisse können manchmal ein 2-3faches Gehalt rechtfertigen, müssen also auch entsprechend vergütet werden.

Eine wichtige Rolle spielt der Chef. Er muss sich mit der chinesischen Kultur auskennen, muss konsequent in seiner Mitarbeiterführung sein, aber auch auf die chinesischen Mitarbeiter eingehen. Er muss versuchen, ein gutes persönliches Verhältnis zu den Mitarbeitern aufzubauen. Wichtig ist auch, dass er ausländische und chinesische Mitarbeiter gleich behandelt. Klingt selbstverständlich, ist es aber nicht.

Bei der Auswahl der Mitarbeiter sollte man sowieso schon darauf achten, wie oft der Neue vorher das Unternehmen gewechselt hat. Mein bester Mitarbeiter war einer, der nach 7 Jahren das erste mal das Unternehmen wechselte, da ihm sein Chef versprochen hatte, ihn nach 5 Jahren am Unternehmen zu beteiligen, dieses Versprechen aber nicht eingehalten hat. Wenn ein Mitarbeiter 10 verschiedene Unternehmen in 5 Jahren in seinem Lebenslauf hat, sollten schon die Alarmglocken klingeln.

Hier einige Beispiele aus meiner Praxis:

  • Der neue Chef beschwert sich, dass seine chinesischen Mitarbeiter sich weigern, gemeinsam mit den Ausländern Mittagessen zu gehen. Wer bezahlt das Essen? Jeder für sich selbst. Er kam gar nicht auf die Idee, dass den chinesischen Mitarbeitern das tägliche Mittagessen im Restaurant schlicht zu teuer war.
    Der Chef beschwert sich über die plötzliche Kündigung eines sehr qualifizierten Programmiers, der auch gut bezahlt wurde. Ich fand später heraus, dass sich dieser einfach zu schade dafür war, 150 simple HTML-templates für ein Projekt zu erstellen. Dies wäre die Aufgabe eines Junior-Programmiers ohne Berufserfahrung gewesen.
  • Der Chef gibt seinen weiblichen Angestellten am 8. Mai (Women’s Day) nicht frei und kümmert sich auch sonst nicht um typische chinesische Feiertage. Der französische Chef gibt z.B. seinen französischen Angestellten am französischen Nationalfeiertag frei, kümmert sich aber nicht um die landesspezifischen Feiertage seiner anderen internationalen Mitarbeiter. Am besten ist, es, sich einfach an den chinesischen zu orientieren (eigentlich selbstverständlich).
  • Die Firma hat Arbeitsverträge, die nicht den rechtlichen Bestimmungen entsprechen. Der Chef will einen Mitarbeiter entlassen, der ihm dann aber mit einer Anzeige beim Labour Bureau droht im Fall einer Entlassung.
  • Ein lustiges Beispiel von fragwürdiger Mitarbeiterführung in einem früheren Beitrag von mir im Blog: Die Welt ist klein
  • plötzliche Änderung in der Mitarbeiterführung ohne Ankündigung. Der Chef fängt plötzlich an, einige Mitarbeiter schärfer zu kontrollieren, obwohl er vorher sehr lax war (z.B. er führt neue Sicherheitsmaßnahmen im Unternehmen ein). Das muss man dann immer sehr sensibel begründen, vor allem wenn dies Eingriffe in die tägliche Arbeitsroutine bedeutet. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass den Mitarbeitern plötzlich misstraut wird.
    Die Liste liese sich wahrscheinlich noch ewig fortsetzen, aber klar ist: Gehalt ist nicht alles. Wenn die Mitarbeiterfluktuation zu hoch ist, sollte sich der Chef über das Klima im Unternehmen und seine Mitarbeiterführung Gedanken machen.
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